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Alex Azary (Momem) und Klara Kletzka (Dialogmuseum) warten darauf, dass es für ihre Museen in der B-Ebene der Hauptwache endlich losgehen kann.

Hauptwache

Innenstadt: Dialogmuseum soll noch 2020 öffnen

  • vonGernot Gottwals
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Nach monatelanger Hängepartie steht das Hygienekonzept.

Außer ein paar abgeklebten Fenstern ist von außen vom neuen Dialogmuseum in der B-Ebene der Hauptwache noch nicht viel zu sehen. Aber auf das Sehen kommt es im Dialogmuseum, das Sehende in abgedunkelten Räumen in die Welt der Blinden entführt, auch nicht an. Dafür aber auf die gute Nachricht: Das Museum hat die schweren Zeiten des Umzugs und der Schließung während der Pandemie überstanden, hat ein auch für größere Besuchergruppen taugliches Hygienekonzept. "Wir wollen noch dieses Jahr eröffnen", sagt Geschäftsführerin Klara Kletzka.

"Der Umbau ist inzwischen weitgehend abgeschlossen. Wir haben einen neuen Erlebnisparcours eingebaut und eine neue Lüftungsanlage, die einen achtfachen Luftaustausch pro Stunde im Erlebnisraum möglich macht", erklärt Kletzka weiter. Vorher ist allerdings noch eine Inspektion fällig: "Es bedarf einer technischen Abnahme. Wir sind mit unserem Vermieter, der Verkehrsgesellschaft Frankfurt, im Gespräch und warten auf einen Termin."

Jedoch habe auch die VGF keinen Einfluss auf die unabhängigen technischen Prüfstellen, die wegen der Corona-Pandemie viele andere Abnahmen verschieben mussten und daher einen vollen Terminkalender abarbeiten müssen. Und auch im Museum selbst macht man sich wegen der neuen Infektionszahlen auf weniger Besucher gefasst. "Wir haben inzwischen schon erste Vorabanfragen von Schulen bekommen, die auch Führungen für kleinere Gruppen mit bis zu acht Schülern bei uns buchen würden", so Kletzka .

Zwar sei die neue Lüftungsanlage mit Frischluftzufuhr und einem achtfachen Luftwechsel pro Stunde vermutlich besser als jedes Klassenzimmer; trotzdem müsse man auf Sicht fahren, da die Dinge während der Corona-Krise längerfristig nicht sicher planbar sind. "Es kann auch passieren, dass wir nach dem Abnahmetermin gewisse Dinge noch mal nachrüsten müssen und dazu zwei Wochen brauchen werden", räumt die Geschäftsführerin ein.

In Nachbarschaft mit dem Momem

Wie am alten Standort des Museums in der Hanauer Landstraße, den das Museum zum Ende des laufenden Mietvertrags im Dezember 2018 aufgeben musste, wird es auch in der B-Ebene einen Klangraum geben, der auch für unangemeldete und kurzzeitige Besucher mit Musik und sonstigen Tönen aus dem Alltag ein Klangerlebnis bieten wird. "Für die erste Klangkomposition haben wir sogar das Museum of Modern Electronic Music gewinnen können, der Beginn einer nachbarschaftlichen Freundschaft", hofft Kletzka, denn das Momem hat seinen Standort ebenfalls an der Hauptwache. Allerdings kann dort ein Eröffnungstermin erst im nächsten Jahr verkündet werden, wie Leiter Alex Azary erklärt.

Die Hauptzielgruppe des 2005 gegründeten Dialogmuseums bleiben jedoch angemeldete Besucher und Besuchergruppen, die mit blinden oder sehbehinderten Guides eine dunkle Welt ohne ihr Augenlicht erkunden. In den Erlebnisräumen werden sich auch ein paar Klassiker aus der Hanauer Landstraße wiederfinden. Dazu gehört eine Hängebrücke in der Natur ebenso wie eine Dunkelbar für kleine Verkostungen. Aber es wird freilich für die Besucher auch neue Überraschungen geben, die im Vorfeld nicht verraten werden.

"Unser Team besteht derzeit nur aus vier festen Mitarbeitern, die alle in Kurzarbeit arbeiten", erklärt Kletzka. Sie befinden sich im Homeoffice oder teilen sich ein angemietetes Büro des Dialogmuseums in der Schäfergasse. Die schwierige Zeit der Schließung konnte das Museum, das erst im März und dann im Mai am neuen Standort eröffnen sollte, nur durch Spenden von Stiftungen, Privatleuten und durch die jährlichen Fördermittel des Kulturdezernats überbrücken, die derzeit bei 96 000 Euro liegen. Die Gesamtinvestition in den Standort Hauptwache wird mit 850 000 Euro angegeben. Dies entspreche auch dem Plan, so Kletzka.

Nach dem Ende des Auszugs aus der Hanauer Landstraße gestaltete sich die Suche nach neuen Räumen schwierig, Kletzka war bereit, nur 1000 statt 4000 Quadratmeter bei der VGF anzumieten. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) hat angeboten, das Museum finanziell bei den höheren Mieten in der B-Ebene zu unterstützen. "Wir sind nun zuversichtlich, dass die Spannung und Vorfreude auf unseren neuen Erlebnisparcours und unsere digitalen Angebote nicht nachlassen", hofft Kletzka. Gernot Gottwals

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