Wohnen

27 innovative Wohn-Projekte stellen ihre Konzepte in den Römerhallen vor

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Die Anonymität in den Großstädten weckt bei vielen Menschen den Wunsch nach innovativen Wohnformen, in denen das "Wir" ein zentraler Gedanke ist. Bei der 12. Frankfurter Informationsbörse für gemeinschaftliches und genossenschaftliches Wohnen stellen sich 27 Projekte vor.

Wohnen, das bedeutet für Anne Götz und ihren Mann Andreas Straninger, seine Nachbarn zu kennen, mal gemeinsam etwas miteinander zu unternehmen und sich im Alltag gegenseitig zu helfen, wenn dies nötig wird. Doch wo gibt es solche Hausgemeinschaften, die in früheren Jahrzehnten so selbstverständlich waren? So wie sie denken, so wünschen sich mittlerweile viele Menschen gerade in einwohnerreichen, großen Städten wie Frankfurt Alternativen zu dem, was die Regel ist. Häufig verläuft das Wohnen in den Häusern nämlich aneinander vorbei und der Kontakt zu den Nachbarn geht meist nicht über ein „Guten Tag“ im Treppenhaus hinaus.

Dass es auch anders möglich ist, zeigen ganz unterschiedliche Initiativen, die verschiedene Wohnformen zur Grundlage haben. In den Römerhallen stellen sich insgesamt 27 innovative Wohnprojekte aus der Stadt und der Region mit ihren Konzepten bei der 12. Frankfurter Informationsbörse für gemeinschaftliches und genossenschaftliches Wohnen vor.

Unter denen, die ihre Konzepte vorstellen, ist die Initiative „geMainsam - gemeinschaftlich wohnen in Frankfurt“, die ein Wohnprojekt auf dem rund 333 Quadratmeter großen Grundstück Bolongarostraße 112 in Höchst realisieren möchte. 340 000 Euro kostet das städtische Grundstück, um das sich die Initiative mit einem Konzept beim Liegenschaftsfonds beworben und den Zuschlag in einem „Anhandgabeverfahren“ bekommen hat. Das bedeutet, dass die Gruppe das

Vorkaufsrecht

hat und innerhalb einer vorgegebenen Frist aktiv werden muss. Mit dem Liegenschaftsfonds möchte die Stadt gemeinschaftliches Wohnen fördern.

Durch den Zuschlag hat die Höchster Initiative, die 2013 von der Ärztin Angelika Diringer-Seiter und ihrem Mann, dem Theologen Robert Seiter, ins Leben gerufen wurde, ein

Vorkaufsrecht

. Seit 2016 ist die Initiative als Verein organisiert. „Geplant sind acht bis zehn Wohneinheiten“, erzählt Robert Seiter. Es soll einen Neubau mit drei Vollgeschossen und einer Dachetage geben. Die Wohnungsgrößen sollen von 45 Quadratmetern für Singles bis 100 Quadratmetern für Familien variieren. Außerdem soll es einen Gemeinschaftsraum geben, der nicht nur für die Bewohner des Wohnprojektes zugänglich sein soll, sondern beispielsweise auch von Gruppen und Initiativen aus dem Stadtteil genutzt werden kann. An den Planungen zu Architektur und Aufteilung beteiligen sich die Vereinsmitglieder gemeinsam.

Anne Götz und ihr Mann Andreas Straninger haben über Umwege von dem Höchster Projekt erfahren. „Wir haben uns schon lange für dieses Thema interessiert, wussten zunächst aber nicht, dass es solche Initiative bereits gibt“, erzählt Götz. Über Facebook habe sie schließlich von einem

Speed-Dating

im Deutschen Architekturmuseum (DAM) erfahren, bei dem sich verschiedene Initiativen mit Projekten vorgestellt haben. Hierüber seien sie auf das Netzwerk „Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen“ gestoßen. Über deren Internetseite wurde das Paar, das einen 14 Monate alten Sohn hat und in Höchst lebt, auf das Projekt aufmerksam.

Das Paar ist noch kein Mitglied im Verein, aber sehr interessiert daran, ein fester Bestandteil des Projekts zu werden. „Bevor man einen Aufnahmeantrag stellen kann“, erklärt es Seiter, „laden wir Menschen, die ein ernsthaftes Interesse haben, dazu ein, bei der Gruppenarbeit mitzumachen.“ So haben beide Seiten Zeit, sich kennenzulernen. „Bei dieser Form des Wohnens ist es wichtig, dass die Chemie zwischen den Bewohnern stimmt“, betont er weiter und fügt hinzu: „Wir sind noch offen für Interessenten.“

Umgesetzt werden soll das Bauvorhaben in Form einer GmbH & Co. KG. In diesem Fall wäre die KG die Eigentümerin, die Bewohner als Gesellschafter Miteigentümer. „Wir prüfen derzeit noch eine zweite Möglichkeit, nämlich das Projekt mit einem gemeinnützigen Wohnungsbauunternehmen umzusetzen“, sagt Seiter. „Hierbei wäre das Unternehmen Eigentümer und wir Mieter.“ Miete zahlen die Bewohner auch bei der ersten Alternative, mit der das aufgenommene Bankdarlehen abgezahlt würde.

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