Der bekannte Architekt und Städtebauer Tassilo Sittmann vor dem nach ihm benannten Haus. In den 60er Jahren plante er mit Walter Schwagenscheidt die Nordweststadt, die sie Raumstadt nannten.
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Der bekannte Architekt und Städtebauer Tassilo Sittmann vor dem nach ihm benannten Haus. In den 60er Jahren plante er mit Walter Schwagenscheidt die Nordweststadt, die sie Raumstadt nannten.

Nordweststadt: Frankfurter Architekt

Ins alte Zentrum zieht neues Leben

  • Judith Dietermann
    VonJudith Dietermann
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Gebäude im Gerhart-Hauptmann-Ring trägt jetzt den Namen seines Schöpfers

Es ist ein bewegender Moment, als das weiße Tuch von der Fassade verschwindet und den Blick frei macht auf die schwarzen Lettern: Tassilo-Sittmann-Haus steht dort auf weißem Untergrund. Direkt darunter sitzt der Namensgeber im Rollstuhl. 93 Jahre alt ist der Architekt mittlerweile, der nicht nur zusammen mit Walter Schwagenscheidt die Nordweststadt entwarf, sondern auch der schöpferische Vater des ehemaligen Gemeindezentrums im Gerhart-Hauptmann-Ring 398 ist. Dankbar und zu Recht auch ein wenig stolz schaut er nach oben, in seinen Händen hält er einen kleinen Zettel. "Vielen Dank an alle, die das möglich gemacht haben", sagt er.

"Mit Beharrlichkeit und einem konstruktiven Miteinander werden auch schwierige Projekte zu einem Erfolg für alle", sagte Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) bei der gestrigen Übergabe des ehemaligen Gemeindezentrums an dessen Nutzer - den Verein Vokus, der sich seit mehr als zehn Jahren für den Erhalt des Gebäudes eingesetzt hatte, sowie den gemeinnützigen Bildungsdienstleister Smart Work.

Vandalismus und Brandstiftung

Damit wird dem alten Zentrum neues Leben eingehaucht. Nach 20 Jahren. Denn seit dem Auszug der christlich-reformierten Gemeinde und der evangelischen Lydiagemeinde 2001 stand das Gebäude leer. Geldmangel stoppte den geplanten Abriss, gleich drei Investoren scheiterten an dem Vorhaben, das Zentrum durch Reihenhäuser zu ersetzen. Stattdessen verfiel das Gebäude immer mehr, die Räume wurden zerstört, es brannte mehrfach. 2007 schließlich wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt, ein Abriss war vom Tisch.

Im Jahr 2011 erwarb dann die KEG das Grundstück - es ging endlich aufwärts. 2014 erfolgte der erste Spatenstich, hinter dem Zentrum wurden zwei neue Häuser für Menschen in Notlagen errichtet. Träger des Projektes ist der Evangelische Raum für Wohnraumhilfe. 2018 schließlich wurde mit der Sanierung des Zentrums begonnen. Bereits seit einem Jahr befindet sich das Quartiersbüro im Gebäude, jetzt wird auch der restliche Teil mit Leben erfüllt.

Die Wiedergeburt eines Hauses

Es sei für sie stets ein Herzensprojekt gewesen, sagte Daniela Birkenfeld. Umso glücklicher sei sie, dass man es letztlich "gemeinsam gewuppt" habe. Und: dass sie noch vor ihrer Abwahl als Sozialdezernentin die Möglichkeit habe, das Gebäude einzuweihen. "Es ist eine schöne Wiedergeburt des Gebäudes", fügte Klaus-Peter Kemper, KEG-Geschäftsführer, hinzu.

Womit er zweifelsohne recht hat. Denn an die teils schlimmen Zustände im Inneren und an der Fassade erinnert nichts mehr. Im Erdgeschoss bietet der ehemalige Gemeindesaal viel Platz für größere Veranstaltungen, zudem gibt es drei multifunktionale Räume. Im Untergeschoss ist ein Bürgercafé als Treffpunkt geplant. Nebenan zieht eine Kita des Sozialpädagogischen Vereins ein, der bereits die Einrichtung auf dem Nachbargrundstück betreut. Zehn weitere U3- sowie 20 Ü3-Plätze, samt großem Außengelände werden geschaffen.

"Wir sind stolz darauf, dass Bürger hier etwas für Bürger schaffen konnten. Das Zentrum ist jetzt wieder das, für das es gebaut wurde: Ein Treffpunkt und Ort der Begegnung", sagte Jason Lim aus dem Vokus-Vorstand. Deshalb sei es auch wichtig gewesen, die Menschen aus dem Stadtteil bei der Namensgebung einzubeziehen. Sie durften abstimmen, mehrheitlich sprachen sie sich für Tassilo-Sittmann-Haus aus. "Weil sie wussten, wer hier den Grundstein gelegt hat", sagte Lim. judith dietermann

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