Forderung

Insektensterben: Ohne Blüten keine Bienen

Um ein weiteres Aussterben von Insektenarten zu verhindern, fordert der Senckenberg-Forscher Thomas Schmitt die Anpflanzung von mehr Blühstreifen an Feldern sowie an Straßenrändern und Autobahnböschungen.

95 Prozent der Fläche bundesweit sei aus Sicht von Insekten derzeit „extrem lebensfeindlich“, sagte der Professor am Freitag in Frankfurt. Zwar gebe es Natur- und andere Schutzgebiete, doch diese seien nicht miteinander vernetzt. „Das ist ein Problem, für das es bisher keine wirkliche Lösung gibt“, sagte Schmitt.

Für viele Arten sei ein Austausch mit Artgenossen in anderen Schutzgebieten überlebenswichtig, denn nur so könnten sie sich auf Dauer in ausreichender genetischer Vielfalt vermehren. Werde dies nicht sichergestellt, drohe ein „radikaler Verlust“ an Arten, sagte Schmitt. Streifen entlang von Äckern und Straßen, auf denen unterschiedliche Blühpflanzen wachsen, könnten die Lage verbessern. Um mehr blühende Flächen zu schaffen, müsse es für deren Anpflanzung auch mehr Förderung für Landwirte geben.

Derzeit gebe es einen „massiven Verlust an Biomasse bei den Insekten“, sagte Schmitt, Direktor des Senckenberg Deutschen Entomologischen Instituts in Müncheberg (Brandenburg). Grund seien neben dem Klimawandel landwirtschaftliche

Monokulturen

sowie die heute sehr effiziente Bekämpfung von Schädlingen, die auch Nützlinge schädige. Selbst in den Schutzgebieten stehe die Natur inzwischen unter Druck, da der Stickstoff aus der Landwirtschaft und dem Verkehr über die Luft bis dorthin gelange.

Etwa 33 500 Insektenarten sind in Deutschland heimisch – doch ihre Menge nimmt dramatisch ab. Von 1840 bis 2013 ging die Artenanzahl von Tagfaltern und Widderchen regional um 40 Prozent zurück – ein Ergebnis der „Regensburger-Studie“, unter Beteiligung von Senckenberg-Entomologen. Die „Krefelder-Studie“ zeigt sogar einen durchschnittlichen Rückgang der Insektenbiomasse von 76 Prozent. Und von den 189 in Deutschland vorkommenden Tagfalterarten stehen 99 Arten auf der Roten Liste, 5 Arten sind bereits ausgestorben, sowie 12 weitere Arten vom Aussterben bedroht.

Thomas Schmitt, Jahrgang 1968, ist seit seiner Kindheit von Insekten fasziniert und begann im Alter von 11 Jahren, seine eigene Sammlung aufzubauen. Nach dem Biologiestudium in Saarbrücken und Lissabon promovierte er an der Universität Mainz.

Seit 2014 ist Schmitt Professor für Entomologie an der Universität Halle-Wittenberg.

Im Rahmen seines Vorsitzes im Kuratorium „Insekt des Jahres“ und mit zahlreichen Vorträgen – beispielsweise im Bundestag – schafft er ein öffentliches Bewusstsein für unbekannte, bedrohte und außergewöhnliche Insekten.

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