Gesundheitspolitik

Intensivpflege: Frankfurter Krankenhäuser fürchten nach Bundesentscheid um Betten

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Bei den Klinikleitungen in Frankfurt hat das Rechnen begonnen, nachdem Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine Mindestzahl von Pflegekräften vorschreiben will. Einige Betten könnten gefährdet sein.

Geriatrie, Unfallchirurgie, Intensivmedizin und Kardiologie sind die klinischen Fächer, bei denen im kommenden Jahr eine Mindestzahl von Pflegern in den Krankenhäusern angestellt sein müssen, sonst droht den Abteilungen die Verkleinerung. Dies hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angekündigt.

Für die Krankenhäuser entstehen bei der Einführung der Pflegepersonal-Untergrenzen zusätzliche Kosten, wenn sie zusätzliches Personal einstellen müssen. Petra Fleischer zufolge, Sprecherin des Klinikums Höchst, ist eine Regelung angekündigt, wodurch die Krankenhäuser von den entstehenden Kosten entlastet würden.

Das Markuskrankenhaus und das Bethanien-Krankenhaus, die beide zu den Frankfurter Diakonie-Kliniken gehören, habe je eine Intensivstation mit zwölf bzw. sieben Betten. Jürgen Schäfer, dem Geschäftsführer der Frankfurter Diakonie-Kliniken, bereitet die Ankündigung derzeit „große Bauchschmerzen. Wir müssten nachbessern bei den Pflegekräften.“ Das Problem sei natürlich, dass es nur wenige Bewerbungen gebe. Lücken, die entstehen, überbrücken die Diakoniekliniken mit Personalleasing via Agenturen. „Diese Agenturen sind bei uns nicht günstiger, sondern teurer als regulär Beschäftigte“, so Schäfer. Aber für die Pflegekräfte sind Agenturen interessante Arbeitgeber, weil sie mehr bezahlen können als die Krankenhäuser. Es ist die Personalnot, die die Krankenhäuser dann zwingt, das Angebot einer Agentur anzunehmen.

„Wir versuchen, Pflegekräfte zu werben, auch im Ausland, und haben gute Kontakte nach Ungarn und Rumänien.“ Dies mache jedoch höchstens ein Drittel der Bemühungen aus. „Tatsache ist, Deutschland ist kein attraktives Land. In der Schweiz und in Skandinavien wird viel mehr bezahlt, die Hierarchien sind flacher in Nordeuropa und England, fast überall ist das berufliche Ansehen besser“, so Schäfer. Folge: Die Bewerbersuche erfolgt im engen Umkreis und in den Sozialen Netzwerken. „Wir werben unter anderem mit unserem Mitarbeiterwohnen.“ Heute sei die Situation so, dass die Bewerber sich die Jobs aussuchen können.

Die größeren Häuser in Frankfurt sind entspannter. Diana Kirscht, Pflegedirektorin der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik (BGU), ist sicher: „Für uns bedeutet es keine Einschränkung.“ Heikle Abteilungen seien die Unfallchirurgie und die Intensivmedizin. Aber da habe die BGU keinen Pflegermangel. „Das liegt vielleicht daran, dass wir für junge, ambitionierte Pflegekräfte attraktiv sind. Bei uns wird das gesamte chirurgische Leistungsspektrum abgedeckt.“ Pflegekräfte können viel lernen. Rund 60 Prozent der Krankenbetten der BGU seien unfallchirurgisch oder intensivmedizinisch, sieben von 13 Stationen betroffen.

Entspannung auch in der Uniklinik. „Unsere Stationen sind ausreichend mit Pflegekräften besetzt, so dass wir ohne Bettenschließungen den diskutierten Anforderungen entsprechen könnten“, sagte Theresa Seubold, Sprecherin der Uniklinik. Generell sei die Gewinnung neuer Fachkräfte eine Herausforderung, „der wir mit einer Vielzahl von Maßnahmen – bislang erfolgreich – begegnen“. Die wichtigsten seien dabei die eigenen Aus-, Weiter- und Fortbildungsprogramme, die in Zukunft noch weiter ausgebaut werden.

Das Klinikum in Höchst erfülle die ab 1. Januar geltenden Forderungen, sagt Sprecherin Petra Fleischer. Trotzdem bleibe die Anwerbung von Pflegefachkräften Daueraufgabe. Dazu gehörten diverse Maßnahmen des Personalmarketings nach innen und außen. Aus- und Weiterbildung seien wichtig: 2018 hat das Klinikum 40 Absolventen der Krankenpflegeschule übernommen, 25 Krankenpfleger und 15 Helfer. Am 1. Oktober haben 50 Schüler ihre Ausbildung in der Krankenpflege und Kinderkrankenpflege begonnen.

Spahns Entwurf sieht vor, dass eine Pflegekraft auf einer Intensivstation höchstens noch zwei Patienten (drei in der Nachtschicht) betreuen darf. Die Betreuungsrelation in der regulären Unfallchirurgie soll dann eins zu zehn betragen. Nachts eins zu 20. Spahns „Ersatzvornahme“ war angekündigt, dennoch hatten sich die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung nicht über die Mindestzahlen an Pflegekräften einigen können.

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