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?Ich wollte eine Plattform für alle schaffen, also habe ich das gemacht.?: Betreiber Yusuf Kilic vor dem ?Kultursalon? in der Berger Straße.

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Interkulturelle Bühne in Bornheim: Gemütliches Eckchen für Kultur

Die Interkulturelle Bühne in Bornheim bekommt eine Dependance auf der Berger Straße. Betreiber Yusuf Kilic will im „Kultursalon“ Menschen zusammenbringen und so gegen Vorurteile kämpfen.

Seit 1995 existiert die „Interkulturelle Bühne“ in Alt-Bornheim. In dem dunklen Kellerraum mit Bar gibt es Theater, Musik und Talk. Gespräche, Lesungen und Kabarett sollen ab Januar im „Kultursalon“ noch mehr Menschen zusammenbringen – dann aber auf der Berger Straße 253.

Der Tür des Eckladens gegenüber steht der Bücherschrank, riesige Glasfenster gewähren Einblick in den Salon: Zu sehen sind knallrote kuschelige Sitzbänke an einer weißen Wand, auf breiten Fensterbänken ebensolche Kissen. Vor einem mit Stein gepflasterten Bogendurchgang ist eine kleine erhobene Bühne mit Scheinwerfern, dahinter die Bar, in lila LED-Licht getaucht.

„Das haben wir alles selbst gemacht“, zeigt sich Betreiber Yusuf Kilic (60) stolz. Mit „wir“ meint er Mitglieder des Vereins „Interkulturelle Bühne“, die drei Monate lang renoviert und gewerkelt haben. „Unser Büro nebenan im Haus haben wir seit zwei Jahren. Als wir das Angebot bekommen haben, auch den Eckladen zu mieten, habe ich nicht gezögert“, so Kilic. „Ich finde es traurig, dass sich oft nicht einmal Nachbarn in einem Haus untereinander kennen. Mit dem Kultursalon möchte ich eine Plattform für das interkulturelle Miteinander bieten.“

Kilic ist überzeugt, dass durch gegenseitiges Kennenlernen Vorurteile abgebaut werden können und wechselseitiges Verständnis aufgebaut wird. „Diskriminierung und Rassismus muss nicht sein“, sagt er und beruft sich darauf, dass auch er selbst mehr Verständnis habe, wenn er die Menschen persönlich kenne. „Kultur verbindet“, sagt er und wird deswegen ab Januar freien Eintritt bieten. Es gibt Getränke gegen Bezahlung, der Besuch von Lesungen, Ausstellungen und Aufführungen sei kostenfrei. Kilic ist Optimist und setzt darauf, dass Mitglieder, Künstler und Besucher dafür Sorge tragen werden, dass sich der Kultursalon von selbst finanziere. „Damit die Leute nicht alleine zu Hause rumsitzen, können sie hier auch einen Brunch machen. Jeder bringt etwas zu essen mit, Getränke servieren wir“, schwärmt Kilic.

Er selbst ist vor 40 Jahren aus der Türkei nach Deutschland gekommen, in Frankfurt lebt er seit 1990. „Ich bin ein Bernemer Bub mit Leib und Seele und kein Bedenkenträger“, sagt er lachend. „Wenn es nicht laufen sollte, machen wir eben wieder zu. Es ergibt keinen Sinn, dauernd zu überlegen, was schieflaufen könnte. Ich will eine Plattform für alle schaffen, also mache ich das.“ Eigenwillig ist Kilic durchaus. Im letzten Jahr hat er den Ehrenpreis für ehrenamtliches Tun für Frankfurter Bürger abgelehnt. „Ich will keine Auszeichnung, sondern machen. Mir geht es um Inhalt, nicht um Belobigung.“

Der „Kultursalon „ist fertig, wer vorbeikommt, kann schon mal reinkommen und einen Kaffee trinken. Richtig los geht es am Donnerstag, 18. Januar. Dann treten „Uschi & Günni“ mit ihrem Kabarettstück „Armes Deutschland“ um 20 Uhr auf. Das Duo wird an jedem dritten Donnerstag des Monats kommen. Am Freitag, 19. Januar, wird es eine Lesung geben. Ein genaues Programm gibt es noch nicht. „Improvisieren und spontan sein ist wichtig“, sagt Kilic und verweist freudig auf Anfragen von Autoren und Künstlern. „Das Interesse ist groß.“ Kilic ist gespannt, wie das neue Konzept angenommen wird. „Lokale gibt es genug auf der Berger Straße. Bars auch. Aber einen Ort, an dem sich Leute einfach nur locker austauschen können und gleichzeitig Kultur geboten bekommen, das ist einmalig. Ich wünsche mir, dass sich Fremde bei uns begegnen und bleibende Freundschaften schließen.“

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