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Räder der singapurischen Firma oBike an der Straße durch den englischen Garten in München. So sieht es bald auch in Frankfurt aus.

Leihräder

Interview mit "o-Bike"-General-Manager: „Wir wollen die Fehler nicht wiederholen“

Das Geschäft mit Leihfahrrädern boomt, allein in gibt es acht Anbieter. Und neue drängen mit einer großen Zahl von Rädern auf den Markt – was oft zu chaotischen Zuständen auf den Straßen führt. Deshalb war das Unternehmen oBike aus Singapur im Sommer in München in die Kritik geraten. In Frankfurt soll sich das nicht wiederholen, verspricht Marco Piu, der seit dem 1. September General Manager von oBike ist, im Gespräch mit Günter Murr.

Sie wollen mit oBike auch in Frankfurt starten. Wann geht es los?

MARCO PIU: Offiziell werden wir am Samstag, 28. Oktober, starten. Ein paar Fahrräder werden aber schon vorher in der Stadt zu sehen sein.

Mit wie vielen Rädern gehen Sie an den Start?

PIU: Erst einmal starten wir mit knapp 500 Rädern.

Das sind deutlich weniger als in München, wo es 7000 oBikes gibt. Warum sind es nicht mehr?

PIU: Wir haben aus dem Start in München gelernt und gesehen, dass es problematisch ist, so viele Fahrräder auf einmal zu managen. Deshalb haben wir die Strategie geändert und werden den Start in anderen Städten komplett anders machen.

Was heißt das?

PIU: Wir werden mit deutlich weniger Fahrrädern starten und die Nachfrage erst einmal analysieren. Dann entscheiden wir, wie viele Fahrräder hinzukommen können. Außerdem haben wir vor Ort ein Service-Team aufgebaut und werden, wie derzeit in München, auch mit einem externen Dienstleister kooperieren, der die Fahrräder kontrolliert und bei Bedarf repariert. Die Mitarbeiter werden außerdem Fahrräder, die an unzulässigen Stellen abgestellt wurden, gleichmäßig in der Stadt verteilen. In München hatten wir so ein System am Anfang nicht, weshalb es Probleme gab. Wir haben uns in Frankfurt auch intensiv mit der Stadt ausgetauscht und unsere Konzepte abgestimmt. Wir wollen die Fehler, wie sie leider in München passiert sind, nicht noch einmal machen.

Wo werden Sie die Fahrräder aufstellen?

PIU: Erst einmal werden wir in der Innenstadt starten. Aber später werden wir die Fahrräder auch außerhalb des Stadtkerns aufstellen. Ein so großes Geschäftsgebiet ist nur mit unserem free-floating Ansatz möglich.

In München gab es Beschwerden, weil zu viele Fahrräder an einer Stelle standen. Wie gehen Sie damit um?

PIU: In München haben wir manchmal leider 20 oder 30 Fahrräder an einer Straßenecke gefunden. In Frankfurt werden wir an einem Ort maximal vier oder fünf Fahrräder abstellen.

Es kommen derzeit sehr viele Unternehmen mit Fahrradverleihsystemen auf den Markt. Woran liegt dieser Boom?

PIU: Nachhaltige Mobilität und ein gesunder Lebensstil sind derzeit große Themen. Fahrräder können einige der Probleme lösen und den Stadtverkehr etwas entlasten. In China sind Leihfahrräder schon seit einigen Jahren ein Thema. Hier in Europa wollen wir das aber anders angehen, stimmen uns zum Beispiel mit den Behörden ab.

Wie schätzen Sie den Markt ein? Für wie viele Leihfahrräder ist Platz in einer Stadt wie Frankfurt?

PIU: Das hängt davon ab, wie das Angebot angenommen wird. Nach unseren Studien kann Frankfurt maximal 5000 Leihfahrräder vertragen. Bisher gab es aber nur stationsbasierte Angebote. Das ist für den Nutzer nicht sehr flexibel. Die neuen Angebote ohne fest Stationen brauchen eine gewisse Zeit, bis sie sich etablieren.

Wie sind Ihre Vorteile gegenüber den Mitbewerbern?

PIU: Unser großer Vorteil ist, dass wir keine festen Stationen haben. Wir betreuen weltweit schon mehrere Städte und haben eine Menge Erfahrung.

Vor wenigen Tagen ist bereits Byke mit einem Angebot ohne feste Stationen gestartet. Wie sehen Sie diese Konkurrenz?

PIU: Es ist gut, dass wir Wettbewerb haben. Das ist ein Anreiz für uns, unsere Dienstleistungen noch attraktiver zu machen. Die Nutzer werden entscheiden, welchen Service sie bevorzugen.

Wie ist Ihr Geschäftsmodell? Mit was verdienen Sie Geld?

PIU: Mit dem Verleih der Fahrräder, das ist das Einzige, mit dem wir Geld verdienen.

Es gibt die Vermutung, dass Sie auch Kundendaten vermarkten wollen. Ist das geplant?

PIU: Nein, wir geben die Daten unserer Kunden nicht weiter. Wir nutzen sie nur, um die Fahrräder in der Stadt besser zu verteilen.

Wer steckt hinter oBike? Wer sind die Geldgeber?

PIU: Neben unserem Chairman Yi Shi gibt es weitere Investoren, die vor einigen Wochen eingestiegen sind. Zuletzt haben wir 45 Millionen Dollar bekommen. Mit dem Geld wollen wir die Internationalisierung voranbringen.

Was sind Ihre Zukunftsvisionen? Können Sie sich vorstellen, auch einmal E-Bikes zu verleihen?

PIU: Wir schauen uns das derzeit ganz genau an. Aber es gibt auch andere spannende Themen wie E-Scooter. Konkrete Pläne gibt es derzeit aber nicht.

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