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Auch die ehemalige Veranstaltungshalle des Kunstvereins ?Lola Montez? soll einem Neubau weichen.

Wohnraum und Läden statt Rotlicht-Milieu

Investor will 150 Millionen Euro ins Allerheiligenviertel stecken

Im Allerheiligenviertel tut sich was. 150 Wohnungen, neun Ladengeschäfte und ein Hotel sollen den Charakter des Quartiers, dem über Jahrzehnte das horizontale Gewerbe seinen Stempel aufgedrückt hatte, grundsätzlich ändern.

Zehn Jahre wurde verhandelt, jetzt soll sie spätestens 2019 starten – die Umgestaltung des Allerheiligenviertels. Wo sich seit dem Zweiten Weltkrieg das Rotlicht-Milieu breitgemacht hat, sollen künftig Wohnungen, Läden und mehr entstehen.

Wie man sich das Ganze vorzustellen hat, davon verschafften sich die Stadtverordneten der SPD an Ort und Stelle einen ersten Eindruck. Eigentlicher Anlass für deren Rundgang war zwar die „Video-Überwachung“ im Quartier. Die Neugestaltungspläne waren aber natürlich ein Thema. Schließlich sind die Parlamentarier diejenigen, die den Weg für das „Arrondierungsprojekt“ freimachen müssen. Konkret geht es um die Zustimmung zum Tausch mehrerer Grundstücksflächen.

Mit den ins Auge gefassten Tauschgeschäften will der Magistrat es einem neuen Eigentümer, der bereits das gesamte Areal zwischen der Breite Gasse und der Lange Straße erworben hat, ermöglichen, „den Anteil der Wohnnutzung erheblich zu erhöhen und unerwünschte kerntypische Nutzungen zu verhindern“.

Der neue Eigentümer, der unter „Objekt Allerheiligenstraße GmbH“ firmiert, will noch nicht mit Namen genannt werden, solange die Unterschriften nicht unter den Kaufverträgen stehen. Aus seinen Plänen aber macht er kein Geheimnis.

Der Investor möchte mehrere Gebäude im Viertel abreißen und stattdessen zwei neue Gebäudekomplexe errichten, die sich von der Lange Straße bis zur Breite Gasse ziehen. In den beiden Komplexen sollen 150 Wohnungen, neun Ladengeschäfte, Gaststätten und ein Hotel mit rund 300 Betten gebaut werden. In einer Tiefgarage sollen 275 Stellplätze vorgehalten werden. Im Untergeschoss soll zudem ein weiteres Geschäft entstehen. Der Denkmalschutz hat den unter den Gebäuden noch vorhandenen Brauereikeller der früheren Brauerei Henrich zum Teil zum Abbruch freigegeben, wenn im nördlichen Abschnitt der Kelleranlage „ein Teil erhalten und saniert wird“.

Neben der alten Halle an der Breite Gasse, in die bis 2012 der Kunstverein „Lola Montez“ zu Veranstaltungen einlud, soll auch das große Wohnhaus an der Lange Straße abgerissen werden, in dem früher eine Autowerkstatt ihren Sitz hatte.

In der Allerheiligenstraße ist geplant, zwei weitere Häuser, die schon länger leerstehen, durch Neubauten zu ersetzen. Auf dem gesamten Areal stehen zudem noch einige Hinterhofhäuser, die früher ebenfalls als Bordell genutzt wurden und heute dem Verfall preisgegeben sind.

Zum „Arrondierungsprojekt“ gehört zudem die Schaffung der sogenannten „Grünen Gasse“. Dabei handelt es sich um einen 120 Meter langen Privatweg, der die Langestraße und die Allerheiligenstraße mit der Breite Gasse verbindet. An der Breite Gasse und der Albusstraße soll auf einem Grundstück, das zurzeit noch als Parkfläche genutzt wird, „mittelfristig“ ein Quartiersplatz entstehen, kündigte der Magistrat an.

Der Frankfurter Planungsdezernent Mike Josef verhandelt derzeit noch mit dem künftigen Eigentümer über die Schaffung von Wohnungen nach dem Frankfurter Mittelstandsprogramm. Der neue Eigentümer sagte der FNP, er prüfe bereits die Voraussetzungen für einen solchen Vertrag. Da er bereits seit Mitte Mai vergangenen Jahres eine positiv beschiedene Bauvoranfrage habe, könne er nach Abschluss der Grundstücksgeschäfte voraussichtlich mit den Bauarbeiten beginnen. Seinen Angaben zufolge rechne er mit einer Gesamtinvestition für das neue Allerheiligenviertel in Höhe von 150 Millionen Euro.

Allerdings, so der Investor, sei er „nicht glücklich“ darüber, dass sein neues Projekt in Sachen horizontales Gewerbe im Toleranzgebiet liege. Deshalb könne er wohl an der Breite Gasse nicht die zunächst geplanten Boarding-Appartements anbieten. Zu groß sei die Gefahr, dass sich „die falschen „Leute“ einmieten. Als Alternative überlege er sich deshalb, an dieser Stelle Studentenwohnungen zu bauen.

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