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Das alte Polizeipräsidium an der Friedrich-Ebert-Anlage verfällt zusehends. Seit 2002 steht das Gebäude leer.

Wettbewerb

Investoren standen Schlange ums Präsidium

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Das alte Polizeipräsidium in Frankfurt wurde vor gut zwei Wochen verkauft. Ein Antrag zur Zustimmung des Hessischen Landtages zeigt nun auf, wie der Preis für das 1,5 Hektar große Grundstück kontinuierlich teurer wurde. Letztlich hat die Gerchgroup das Objekt für 212,5 Millionen Euro erworben.

Gut zwei Wochen ist es her, dass das Land verkündete, man habe das ehemalige Polizeipräsidium zwischen Friedrich-Ebert-Anlage und Ludwigstraße an die Düsseldorfer Gerchgroup verkauft – für stolze 212,5 Millionen Euro. Diese Nachricht hat allerdings nicht überall für Begeisterung gesorgt, als bekannt wurde, dass es ein Bietergefecht unter Investoren um das 1,5 Hektar große Grundstück gegeben habe. So schimpfte etwa Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), dass sich das Land als Spekulant betätige. Frankfurt jedoch profitiert von dem Erlös: Je 100 Millionen Euro sollen in einen Neubau der Unibibliothek und in die Schaffung von Wohnraum – gerade auch in Rhein-Main – fließen.

Ein Antrag zur Zustimmung des hessischen Landtages zu dem Verkauf der Liegenschaft zeigt nun auf, wie der Preis für das Areal kontinuierlich angestiegen ist. Im Oktober 2016 gab Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) bekannt, dass man mit einem Vermarktungsverfahren für das seit 2002 leerstehende ehemalige Polizeipräsidium beginnen wolle. Ein Jahr später ging es los. Der Immobiliendienstleister BNP Paribas Real Estate, der den Verkauf als Transaktionsberater begleitete, informierte damals insgesamt 221 – teils vorgemerkte – Investoren über den Beginn des Vermarktungsverfahrens. Bis zum 1. November gingen 42 Kaufangebote zwischen 50 und 200 Millionen Euro beim Land Hessen ein.

Damals gingen die Investoren noch davon aus, dass auf dem Areal zwischen Hauptbahnhof und Messe ein 145 Meter hohes Hochhaus gebaut werden kann, mindestens 30 Prozent der Geschossfläche oberhalb der siebten Etage sollten für Wohnungen vorgehalten werden. Doch dann änderte die Stadt ihre städtebaulichen Rahmenbedingungen. Fortan sollte der Wohnanteil in dem Gebiet 40 Prozent betragen, 30 Prozent davon sollen geförderte Wohnungen sein. Zudem sollten auf dem Grundstück eine Kita sowie eine Turnhalle für die Falkschule gebaut werden. Diese werden nach Abschluss des Baus an die Stadt übertragen – unentgeltlich, versteht sich.

Diese geänderten Bedingungen wurden nun an 32 Bieter – sie alle hatten mindestens 100 Millionen Euro geboten – weitergetragen. Sie konnten entscheiden, ob sie weiter im Rennen bleiben und ein erneutes Angebot abgeben wollen. 26 von ihnen wollten weiterhin investieren, boten zwischen 90 und 183 Millionen Euro. Es folgte eine erneute Überprüfung der Angebote. Bringt der Investor ausreichend Erfahrung mit? Ist sein Nutzungskonzept gut? Passt die Qualität? Ist der Bieter liquide? Zehn Investoren blieben im Rennen, sie mussten bis Mitte Dezember 2017 ein finales Kaufangebot abgeben. Acht Angebote zwischen 130 Millionen und 190 Millionen Euro lagen dem Land dann vor.

Es wurde weiter ausgesiebt. Vier Bieter, die mehr als 180 Millionen Euro für das Grundstück zahlen wollten, blieben übrig. Doch dann meldete sich Mitte Januar ein weiterer Investor. Er hatte zuvor einen Rückzieher gemacht, wollte nun aber doch wieder in das Rennen mit einsteigen und gab ein Angebot von 200 Millionen Euro ab. Das wollte sich das Land natürlich nicht durch die Lappen gehen lassen.

Diese fünf übrig gebliebenen Investoren konnten nun also der Stadt ihr Konzept vorlegen. Es folgten weitere Gespräche, weitere Angebote. Zum Fristende am 6. Februar dieses Jahres lagen dann fünf finale Angebote zwischen 195 Millionen und 212,5 Millionen Euro vor. Den Zuschlag bekam, wie schon erwähnt, der Höchstbietende, die Gerchgroup. Nun muss nur noch der Landtag zustimmen.

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