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Siegerin Skye Moench benötigt eine Abkühlung.

Ironman Frankfurt

Hitze-Drama beim Ironman: Kritik an ARD

Beim Ironman Frankfurt bricht die Führende Sarah True kurz vor dem Ziel zusammen. Die ARD-Berichterstattung löst Kritik aus.

Update, 1. Juli 2019, 11.00 Uhr: Das Hitze-Drama beim Ironman in Frankfurt ist nach wie vor ein heißes Thema. Live bei ARD und im Hessischen Fernsehen war zu sehen, wie die in Führung liegende US-Amerikanerin Sarah True 1000 Meter vor dem Ziel völlig entkräftet zusammenbrach. Sanitäter trugen die 37-Jährige von der Strecke und leisteten erste medizinische Hilfe. 

Nicht alle Zuschauer fanden die Übertragung angemessen. So äußerte sich @RobertHeusel sehr kritisch über die Berichterstattung: „Beim #IronmanFrankfurt ist eine Athletin vollkommen weggetreten, taumelt und nimmt ihre Umwelt offenbar nicht mehr wahr. Delirium. Und die ARD bringt sogar noch eine SlowMo und diskutiert zunächst, ob sie mal etwas Cola trinken sollte. Das ist schlicht lebensgefährlich.“

Auch der „Stern“ setzte zu dem Thema einen merkwürdigen Tweet ab: Dort war davon die Rede, dass True den Sieg „verspielt“ habe. @ChiDold_TT war entsprechend irritiert: „Is klar. Bei den Herren sind es Infekte, die Hitze, große Tragödien. Sarah True aber hat einfach leichtsinnig den Sieg verspielt bei 39 Grad. Wording matters.“

Zum Glück konnte sich Sarah True schnell erholen. „Ich kann mich nicht an die letzten Kilometer erinnern“, sagte True einige Stunden nach dem Wettkampf und lobte die Ärzte für ihren „guten Job“. Rennarzt Michael Sroka, der sich auch um viele leidende Zuschauer kümmern musste, zeigte sich erleichtert über das schnelle Eingreifen des medizinischen Personals, das aufgrund der dramatischen TV-Bilder schon alarmiert war. „Wir haben die Einsatzkräfte mobilisiert, bevor jemand den Notruf wählen konnte“, berichtete Sroka. 

Update 30. Juni 2019, 17:11 Uhr: Triathletin Skye Moench aus den USA hat den Ironman in Frankfurt gewonnen. Überschattet wird ihr Triumph von einem Hitze-Drama auf der Laufstrecke. Die deutlich in Führung liegende Amerikanerin Sarah True torkelte auf den letzten Kilometern und brach 1000 Meter vor dem Ziel völlig entkräftet zusammen. Sanitäter trugen die 37-Jährige von der Strecke und versorgten sie medizinisch. Die Darmstädterin Daniela Bleymehl gab auf.

Ironman Frankfurt: Frodeno trimuphiert, Drama um Lange und Kienle

Update, 30. Juni 2019, 15:06 Uhr: Der zweimalige Ironman-Weltmeister Jan Frodeno hat sich bei der Hitzeschlacht in Frankfurt zum dritten Mal nach 2015 und 2018 zum EM-Champion gekürt und seine Ambitionen auf den WM-Triumph im Oktober auf Hawaii eindrucksvoll untermauert. Auf Platz Zwei landete Sebastian Kienle.  Franz Löschke machte den Dreifachsieg der deutschen Triathleten perfekt.

Für Patrick Lange endeten die Träume vom ersten Triumph beim Heim-Triathlon auf der Radstrecke. Dem 32-jährigen Hessen platze der Vorderreifen. Sein Rad konnte Lange zwar wieder flott machen, doch die Reparatur, bei der fremde Hilfe nicht erlaubt ist, nahm zu viel Zeit in Anspruch.

Kienle verletzte sich bereits in der Wechselzone vom Schwimmen zum Radfahren an der Ferse und musste später vor dem Marathon behandelt werden. Trotz der Blessur tauchte Kienle 25 Kilometer vor dem Ziel noch einmal neben Frodeno auf, der sich wenig später aber wieder absetzte und als umjubelter Triumphator das Ziel am Frankfurter Römer erreichte.

Ironman Frankfurt: Dreikampf der Triathlon Giganten

Beim Umgang mit Superlativen sollte man eigentlich Vorsicht walten lassen. Vor allem die Veranstalter von Sportveranstaltungen neigen häufig dazu, im eigenen Interesse immer etwas zu überhöhen. Die 18. Auflage des Ironman in Frankfurt am Sonntag, angesichts von erwarteten Temperaturen bis zu 38 Grad ohnehin schon ein körperlicher und mentaler Grenzgang für die knapp 3000 Triathleten aus 81 Nationen, ist aus sportlicher Sicht ein Wettkampf der Superlative.

Die deutschen Ironman-Weltmeister von Hawaii, Patrick Lange (von links), Jan Frodeno und Sebastian Kienle.

Erstmals auf deutschen Boden kommt es bei der Europameisterschaft in Frankfurt zum Showdown zwischen Patrick Lange, Jan Frodeno und Sebastian Kienle. Jenes deutsche Trio, das im Triathlon-Mekka auf Hawaii in den vergangenen fünf Jahren die Weltmeisterschaft der Ausdauer-Dreikämpfer beherrscht hat. In den vergangenen beiden Jahren triumphierte Lange auf der Pazifikinsel, davor war Frodeno zwei Mal in Folge nicht zu bezwingen, 2014 hatte sich Kienle die WM-Krone aufgesetzt.

Ironman Frankfurt: Jan Frodeno und Sebastian Kienle ließen sich schon krönen

Am Sonntag nun nehmen diese drei Weltklasse-Triathleten erstmals bei der Europameisterschaft diese Tour der Leiden in drei Akten auf sich, die um 6.30 Uhr mit 3,84 Kilometer Schwimmen im Langener Waldsee beginnt, über 185 Kilometer auf dem Rad fortgesetzt wird – die Strecke wurde um fünf Kilometer verlängert – und nach dem abschließenden Marathonlauf über 42,195 Kilometer entlang des Mains auf dem stimmungsvollen Zielbereich vor dem Frankfurter Römer endet.

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Frodeno und Kienle ließen sich dort schon mehrfach als Sieger feiern, ein Erfolgserlebnis, das Lange bislang verwehrt blieb. „Ich möchte am Main richtig einen in den Asphalt brennen und zeigen, zu was ich wirklich in der Lage bin. Ich möchte auf jeden Fall einen größeren Fight abliefern als letztes Jahr“, lautet die Kampfansage von Lange in Anspielung auf das Rennen vor zwölf Monaten, als er keine Chance hatte, den Triumph von Frodeno zu verhindern.

Patrick Lange wartet noch auf seinen ersten Triumph beim Ironman Frankfurt

Trotz der Blessur tauchte Kienle 25 Kilometer vor dem Ziel noch einmal neben Frodeno auf, der sich wenig später aber wieder absetzte und als umjubelter Triumphator das Ziel am Frankfurter Römer erreichte.

Das wurmt ihn noch bis heute, denn der Ironman in Frankfurt ist für Lange so etwas wie ein Heimrennen. Der 32-Jährige, aufgewachsen im nordhessischen Bad Wildungen, hat lange in Darmstadt gelebt, ehe er vor ein paar Monaten seinen Lebensmittelpunkt gemeinsam mit seiner Verlobten Julia in die Nähe von Salzburg verlegte.

Um endlich auch auf dem Frankfurter Römerberg als Erster die Ziellinie zu überschreiten, ging Lange in den vergangenen Monaten neue Wege. Er suchte sich Trainingsorte wie Gran Canaria oder im thailändischen Phuket und bestritt im Frühling einen Ironman 70.3 in Vietnam, den er trotz schwerster Bedingungen mit hohen Temperaturen und extremer Schwüle gewann. Lange mag die Hitze, deshalb hat er auch keine Angst vor den hohen Temperaturen, die das Rennen am Sonntag begleiten werden. „Deutscher Sommer, alles, was du jetzt noch brauchst, damit es sich anfühlt wie Kona, ist ein bisschen mehr Luftfeuchtigkeit“, kommt bei Lange schon in der Main-Metropole ein Hauch von Hawaii-Feeling auf.

Fürsorglich: Jan Frodeno verteilt Wasser an Sebastian Kienle, Joe Skipper und Patrick Lange.

Allerdings sind auch Langes schärfste Konkurrenten mit hohen Temperaturen vertraut und ebenfalls in bestechender Form. Frodeno, der seit Jahren mit seiner Familie im spanischen Girona lebt, gewann jüngst den Halb-Ironman im Kraichgau. Die Fraktur in der Hüfte, die einen Start des 37-Jährigen bei der letzten WM unmöglich machte, ist ausgeheilt. „Es ist egal, wie viele Siege man schon einfahren hat. Der nächste Sieg ist immer der schönste. Daran werde ich am Sonntag arbeiten. Ich gehöre zwar mittlerweile zum älteren Jahrgang, bin aber immer noch hungrig“, sagte Frodeno gestern.

Körperliche Probleme vor dem Ironman Frankfurt

Trotz der Blessur tauchte Kienle 25 Kilometer vor dem Ziel noch einmal neben Frodeno auf, der sich wenig später aber wieder absetzte und als umjubelter Triumphator das Ziel am Frankfurter Römer erreichte.

Und auch Sebastian Kienle hat seine körperlichen Probleme überwunden. Die Beschwerden an der Achillessehne, die ihn auf Hawaii im Oktober des vergangenen Jahres zur Aufgabe gezwungen hatten und anschließend noch längere Zeit begleiteten, sind vollständig abgeklungen. Der 34-Jährige aus Mühlacker absolvierte seinen letzten Härtetest vor der EM in Frankfurt, wo er schon drei Mal triumphiert hat, mit Bravour und gewann den Ironman 70.3 im slowakischen Samorin. „Ich kann den Startknopf drücken. Ich verbinde viele schöne Erinnerungen mit dem Rennen in Frankfurt,“ erklärte Kienle, der beim Treffen der drei deutschen Weltmeister der beste Radfahrer ist. Frodeno gilt als stärkster Schwimmer, Lange als der beste Läufer. Und der Wahl-Österreicher machte gestern noch einmal deutlich, wie viel ihm ein Sieg in Frankfurt bedeuten würde. „Ich will unbedingt in der Heimat gewinnen. Das treibt mich unfassbar an, es geht ja auch um die innerdeutsche Ehre“, so Lange.

Dieses Ziel hat auch Daniela Bleymehl. Die vierfache Ironman-Siegerin ist im südhessischen Heppenheim aufgewachsen, startet für die TuS Griesheim und hat bei der Hitzeschlacht am Sonntag ein Heimspiel, das sie unbedingt als Erste beenden will. „Es wird Zeit, dass mal wieder eine Deutsche in Frankfurt gewinnt“, sagte die 30-Jährige. Zuletzt gelang dies Sandra Wallenhorst vor neun Jahren. Schärfste Konkurrentin von Bleymehl dürfte am Sonntag die Vorjahreszweite Sarah True aus den USA sein. (mit dpa)

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