Flüchtlinge

Irritation um Flüchtlings-Herberge in Frankfurt

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Für 120 Flüchtlinge soll in Harheim ein Wohngebäude entstehen. Für Irritation sorgt nicht nur, dass bislang kaum etwas über die Pläne der Stadt bekannt ist, sondern auch, dass ein Grundstück genutzt werden soll, das eigentlich für ein „Altenwohnen“ reserviert ist.

Laut Bebauungsplan ist das Grundstück im Norden des Baugebiets Harheim-Süd in der Straße Im Niederfeld als „Fläche für Wohngebäude für Personengruppen mit besonderem Wohnbedarf“ ausgewiesen. Und der kleine Zusatz „Altenwohnen“ verdeutlicht, was der Ortsbeirat sich hier wünscht: Wohnungen für Senioren, vornehmlich aus dem eigenen Stadtteil. Seit vier Jahren sucht die Stadt vergeblich einen Investor. Nun soll gebaut werden. Aber nicht für Senioren, wie Ortsvorsteher Helmut Seuffert beim gestrigen Neujahrsempfang des Ortsbeirats 14 erklärte: Hier sollen 120 Flüchtlinge eine Bleibe finden.

Selbst für den Fraktionsvorsitzenden der CDU im Ortsbeirat, Bernd Kölling, ist die Zahl 120 neu – auch wenn die Nachricht, dass auf dem Gelände eine Flüchtlingsunterkunft entstehen soll, seit mehr als einem Monat als Gerücht in Harheim zirkuliert. Bislang habe die Stadt nur erklärt, dass hier gebaut werde, dass es offenbar auch einen Investor gebe, sagt Seuffert – und dass so gebaut werde, dass dort irgendwann auch Senioren einziehen könnten. „Das hat Ängste im Stadtteil geschürt, denn mehr als dieses Wenige weiß ich auch nicht“, sagt Seuffert. Ängste vor allem im Baugebiet, in unmittelbarer Nachbarschaft. Diffuse Ängste, etwa vor einem Wertverlust der Grundstücke oder davor, wer die neuen Nachbarn sein könnten.

Um den Menschen diese Ängste zu nehmen, müsse die Stadt möglichst bald die Harheimer darüber informieren, was auf der Brache geschehen soll, sagen Seuffert und Kölling. Kölling betont, dass die Harheimer Politiker das Gelände nach wie vor zum Wohnen für Senioren nutzen wollen – so wie es im Bebauungsplan festgelegt sei. Die CDU werde prüfen lassen, ob die vom Sozialdezernat geplante Verwendung so überhaupt zulässig ist. Die vorübergehende Nutzung des Grundstücks für Flüchtlinge nehme seine Fraktion hin, „das geht im Moment nicht anders“, sagt Kölling. Trotzdem wolle sie wissen, was „vorübergehend“ bedeute. Wie lange das Gebäude, das dort entstehen soll, für Flüchtlinge statt Senioren genutzt werde, sei wohl nicht absehbar.

Ohne die mögliche Nutzung als Flüchtlingsunterkunft zu nennen, haben die CDU einerseits sowie Grüne und SPD andererseits für die heute Abend um 20 Uhr im Clubraum 4 des Saalbau Harheim, In den Schafgärten 21, beginnende Sitzung des Ortsbeirats zwei Anträge an den Magistrat gestellt. SPD und Grüne fordern, beim Bau der Wohnanlage einzuplanen, dass „Gemeinschaftsräume auch für die Begegnung mit Menschen außerhalb dieser Anlage, sowie eventuell als Ort für einen Jugendtreff eingerichtet und genutzt werden können“.

Die CDU erinnert den Magistrat daran, dass das Ziel, auf dem Grundstück Altenwohnungen zu bauen, nichts an Aktualität verloren habe. Auch soll weiterhin die „Voraussetzung für familiengerechtes Wohnen“ geschaffen werden. Auf dem Gelände im Norden des Baugebiets sollte „Gemeinschafts orientiertes Wohnen um halböffentliche Wohnhöfe“ entstehen.

Ursprünglich hatte das Sozialdezernat geplant, in der heutigen Sitzung die Pläne für die Flüchtlingsunterkunft vorzustellen. Da sich aber auch Planungsdezernent Olaf Cunitz angekündigt hatte, um das Baugebiet „Am Eschbachtal“ vorzustellen, beschloss das Sozialdezernat, seine Präsentation auf die Februar-Sitzung zu verschieben. Sowohl Kölling als auch Seuffert regen nun an, nicht so lange zu warten, sondern die Pläne bereits vorher in einer Sondersitzung des Ortsbeirats vorzustellen.

(hau)

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