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Sportliche Übungen für die Nackenmuskulatur gibt?s bei den Straßenbahnen der VGF zusammen mit dem Kauf der Fahrkarte: Ist die Bahn schon da? Um diese Frage zu beantworten, müssen die Bahnfahrer ihren Kopf um 180 Grad drehen.

Bänke an der Tram-Haltestelle

„Ist die Bahn schon da? Ich sehe sie nicht!“

Schildbürgerstreich oder Notwendigkeit? An der Haltestelle auf der Schweizer Straße warten die Bahnfahrenden mit dem Rücken zur Straße. Beobachtet man die Passanten, muss man unweigerlich an Loriot denken.

Von CHRISTIAN MAYER

Der Großmeister des Humors hätte sich die Szenerie nicht schöner ausdenken können: Der Wartende sitzt – womöglich mit einer druckfrischen Ausgabe der FNP in der Hand – auf der Bank mit Blick Richtung Drogerie, hinter ihm fährt die Bahn ein, ein kurzer Blick zurück, ach, es ist die falsche Tram, Kopf wieder nach vorne, und so geht das womöglich eine Zeit lang weiter.

FNP-Leserin Claudia Weber war es, die aufgrund unserer Geschichte von der selbst gezimmerten Haltestelle auf unserer Facebook-Seite die Frage gestellt hat, warum die Wartebank an der Haltestelle Schweizer Straße an die Wand schaut, also von der Straße weg. „Da war doch wieder Alkohol im Spiel“, mutmaßt sie in dem Sozialen Netz.

„Nein, die Bänke stehen nicht verkehrt herum“, entgegnet Bernd Conrads, bei den Frankfurter Verkehrsbetrieben (VGF) zuständig für die Pressearbeit, auf Nachfrage der FNP. Sein Telefon dürfte dieser Tage kaum still stehen, war die Resonanz auf den Do-it-yourself-Haltestellen-Bau doch ungewöhnlich hoch. „Die Bank hätte nicht näher an die Straße herangedurft und auch nicht weiter auf den Gehweg“, so seine Antwort (die genauen baulichen Vorschriften in nebenstehendem Infokasten).

Dennoch – Verständnis will sich bei den Frankfurtern nicht so recht einstellen. „Das nennt man Frankfurter Unsinn“, schreibt FNP-Leser Clemens Riesser auf Facebook. Und Stefan Löbrich mutmaßt: „Ganz klar: Aufbauanleitung verkehrt herum gehalten.“ Auch vor Ort stellt sich schnell heraus: Die Bank eignet sich für die meisten allenfalls als Ablagefläche für Handtaschen und Pakete. Viele lehnen sich an der Rückenlehne an – mit Blick auf die Straße. „Vielleicht hat der gegenüberliegende Drogeriemarkt viel Geld bezahlt für diese Werbung, immerhin ist man so gezwungen, in das Schaufenster zu gucken“; munkelt die 19-jährige Dilara Yeter schmunzelnd. Die Abiturientin zieht es vor, im Stehen auf ihre Bahn zu warten. An gesetzliche Vorschriften will sie nicht so recht glauben und erinnert an die vielen Haltestellen in der Stadt, an der die Bänke mit Blick auf die Straße stehen – „nicht zuletzt an der Haltestelle direkt um die Ecke.“

Agnes Huber hingegen, die gerade auf dem Weg nach Hause ist, findet die Anordnung „eigentlich ganz gut“. Sie denkt an die Mütter mit Kinderwagen, die jetzt mehr Platz haben, die Wagen auf dem Gehweg abzustellen. Einzig einen kleinen Gang zwischen den Bänken würde sie sich wünschen, da der Weg in die Bahn sonst recht umständlich ist.

Nach einer Stunde vor Ort wird klar: So wirklich nutzen wollen die Frankfurter diesen Ausguck in das Drogeriemarkt-Schaufenster niemand. Die meisten warten – stehend – an der Stelle, an der auch der Einstieg in die Tram ist. Fazit der Mehrzahl: Diese Wartebank hätte man sich sparen können!

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