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Landtagswahl 2018 in Hessen

IT-Experten sollen Pannen bei der Übermittlung der Ergebnisse am Wahlabend aufklären

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Als bei der Landtagswahl die Zahlen aus den einzelnen Stimmbezirken einliefen, streikte das „Wahlweb Hessen“. Dieses Computersystem wurde zum ersten Mal landesweit genutzt, um die Ergebnisse zu erfassen.

Die technischen Pannen bei der hessischen Landtagswahl vor anderthalb Wochen sind noch nicht vollständig aufgeklärt. „Die Spezialisten unserer IT-Abteilung arbeiten fieberhaft daran, die Ursache der Probleme zu finden“, sagt Andreas Büdinger, Abteilungsleiter Wahlen im Statistischen Landesamt in Wiesbaden. Bei Büdingers Behörde laufen am Wahlabend die Ergebnisse aus allen Kommunen zusammen. Daraus wird dann das vorläufige amtliche Endergebnis berechnet und noch in der Nacht so schnell wie möglich veröffentlicht.

Diesmal kam es jedoch zu deutlichen Verzögerungen. Denn das landeseigene Computersystem „Wahlweb Hessen“ lief nicht so, wie es sollte. Frankfurt war davon besonders stark betroffen – aber auch in anderen Kommunen gab es technische Schwierigkeiten.

„Das System bremste und verzögerte die Erfassung der Wahlergebnisse, verfälscht wurden sie dadurch aber nicht“, sagt Büdinger. „Wir nehmen diese Probleme sehr ernst, denn für die öffentliche Akzeptanz von Wahlen ist es wichtig, dass alles reibungslos funktioniert.“ Weshalb es zu den Verzögerungen gekommen sei, könne er frühestens nächste Woche sagen.

Neue Technik war noch nie im realen Einsatz

In Frankfurt sieht man eine Wurzel des Problems darin, dass der flächendeckende Einsatz des „Wahlweb Hessen“ zuvor nie unter Realbedingungen getestet wurde. Tatsächlich kam das System bei dieser Landtagswahl zum ersten Mal in allen hessischen Kommunen zum Einsatz. Bislang nutzten die meisten Gemeinden eigene Programme zur Erfassung der Wahlergebnisse. Sehr verbreitet war die Software „PC Wahl“. Auch die Stadt Frankfurt setzte dieses Programm ein.

Doch 2017 warnten Experten vor möglichen Sicherheitslücken in „PC Wahl“. Der Chaos Computer Club (CCC) demonstrierte, wie Hacker darüber gefälschte Wahlergebnisse einspeisen könnten. Als entscheidende Schwachstelle identifizierten der CCC eine Schnittstelle zwischen „PC Wahl“ und „Wahlweb Hessen“, über die Daten aus den kommunalen Wahlämtern nach Wiesbaden übertragen wurden. 

Darauf reagierte der Landeswahlleiter, indem er den Kommunen nun den Einsatz eigener Programme untersagte. Sie müssen ihre Zahlen nun direkt in das landeseigene „Wahlweb“ eingeben. Bei der Hessenwahl am Sonntag vor einer Woche wurde dieser neue Übertragungsweg zum ersten Mal angewandt. Offenbar war das System mit dem Ansturm überfordert.

„40 PC-Arbeitsplätze standen in Frankfurt am Wahlabend bereit“, sagt Günter Murr, Sprecher des für Wahlorganisation zuständigen Dezernenten Jan Schneider (CDU). „Aber nur an zwei Computern hat die Anmeldung im ,Wahlweb‘-System sofort funktioniert.“ Die Folge war: „Mitarbeiter des Wahlamtes mussten die Schnellmeldungen aus den Wahllokalen erst auf Zetteln notieren und sie später in das Computersystem übertragen“, sagt Murr. Das habe nicht nur zu Verzögerungen geführt, sondern sei eine potenzielle Fehlerquelle.

Frankfurt hat auf Risiko hingewiesen

"Wir haben bereits vor der Wahl auf das Risiko hingewiesen, dass das System im Echtbetrieb nicht so laufen könnte, wie es sollte“, sagt Murr. Im Statistischen Landesamt verweist man auf erfolgreiche Belastungstests vor der Wahl. „Wir haben ,Wahlweb‘ mit 1000 Anwendern innerhalb kurzer Zeit getestet, da lief es sehr zuverlässig“, sagt Abteilungsleiter Büdinger. „Wenn es mit 1000 Anwendern gut geht, bedeutet das nicht, dass es auch mit 1200 funktioniert“, entgegnet Dezernatssprecher Murr.

In Frankfurt kam es neben den Computerproblemen auch zu Pannen in einzelnen Wahllokalen. Heute Vormittag sollen im Wahlausschuss daher die korrigierten Ergebnisse bekanntgegeben werden. Ob die knappe schwarz-grüne Mehrheit im Landtag dann wackelt, bleibt abzuwarten.

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