Halten Abstand: Oliver Stör (Jagdklub St. Hubertus, von links), David Hänsel (Sachsenhäuser Jagdklub), Uli Kremer (Jägervereinigung Usingen) sowie Pfarrer Thomas Sinning und Eberhard Weiss.
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Halten Abstand: Oliver Stör (Jagdklub St. Hubertus, von links), David Hänsel (Sachsenhäuser Jagdklub), Uli Kremer (Jägervereinigung Usingen) sowie Pfarrer Thomas Sinning und Eberhard Weiss.

Erntedank in Sachsenhausen

Jäger blasen der Kirche den Marsch

  • vonStefanie Wehr
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Am 4. Oktober feiert die Bergkirche das Traditionsfest nicht nur wegen Corona anders als sonst. Jagdhörner werden erschallen.

"Es ist für uns ein Experiment, aber ich bin gespannt und freue mich darauf", sagt Thomas Sinning, Pfarrer der Dreikönigsgemeinde. Für die Mitglieder der Bergkirche wird zum Erntedankfest im Corona-Jahr alles anders sein - aber nicht minder festlich. Wenn nicht sogar festlicher als gewöhnlich: Denn ein großes Bläsercorps wird vor der Kirche aufspielen. Die Jagdhornbläser dreier Jagdvereine - des Sachsenhäuser Jagdklubs, von St. Hubertus Offenbach Stadt und Land und von der Jägervereinigung Usingen werden kommende Woche Sonntag, am 4. Oktober, in ihren grünen Lodenmänteln auf dem Platz vor der evangelischen Kirche stehen und Waidmanns Dank, Hubertusmarsch - und natürlich die Goetheturm-Fanfare spielen. Jeder der drei Vereine entsendet eine Handvoll zum Auftritt an der Bergkirche, so dass etwa 15 Bläser dort stehen werden. Einen Erntedank-Aufbau mit Dekoration wird es auch geben.

Um das große Ereignis zu planen, haben sich die Abgesandten der Jäger mit Pfarrer Sinning getroffen. "Wir beginnen mit dem Hubertusmarsch, der hat was Getragenes, etwas Kirchliches", sagt der Offenbacher Bläserobmann Oliver Stör. "Sehr gut, und dann singt die Gemeinde ,Alle guten Gaben' von Matthias Claudius", kündigt Pfarrer Sinning an. Denn das ist das Besondere an diesem musikalischen Gottesdienst: "Die Gemeinde kann endlich wieder singen, weil wir draußen sein werden und die Abstände gut einhalten können", freut sich der Geistliche. Der Organist wird die Gemeinde beim Singen begleiten.

Trotzdem rechnet Sinning mit weniger Gästen als in den Vorjahren, wo zu Erntedank oft bis zu 200 Besucher kamen. Wegen Corona bleiben einige Familien mit Kindern aus der Bergkita wohl fern. "Die Kinder haben bei Erntedank stets das Programm gestaltet, doch das ist dieses Jahr nicht möglich, weil die Kitagruppen wegen Corona nicht alle zusammenkommen können", erklärt Sinning.

Stattdessen ist ein Dialog über die globale Welt, in der wir leben, geplant. "Unser Essen wird aus der ganzen Welt hierhergebracht. Dafür soll das Bewusstsein geschärft werden." Und die Jäger wollen ihrerseits der Schöpfung dafür danken, dass sie ihr das Wild entnehmen können, um davon zu speisen. "Das passt gut zusammen", findet David Hänsel, Vorsitzender des Sachsenhäuser Jagdklubs. Denn die Jäger ehren jedes Tier, das erlegt wird, und pflegen das Brauchtum etwa der letzten Äsung. "Und so ist auch jedes Bläserkonzert im Grunde eine Danksagung."

Nicht jeder Jagdverein kann sich solch engagierter Bläsercorps rühmen. "Wir legen großen Wert auf Brauchtum", sagt auch Uli Kremer, Bläserobmann aus Usingen. Die Taunusjäger üben jeden Dienstag um 19 Uhr am Usinger Hattsteinweiher und blasen in diversen Kirchen im Hintertaunus.

Und im engeren Sinne danken die Bläser mit ihrem Konzert zu Erntedank auch der Bergkirche selbst: Denn der Gemeinde ist es zu verdanken, dass die Jäger einen Ort haben, an dem sie in diesem Winter üben können. Das Vereinshaus des SJK ist nämlich zu klein, um darin unter Coronabedingungen die Jagdhörner erschallen zu lassen. "Die Gemeinde hat uns angeboten, dass wir montags in der Kirche üben können", erklärt Hänsel. "Denn der Innenraum ist groß genug, um die Abstände zu wahren."

Seit Mitte September spielen die Bläser also montags in der Kirche. "Das ist für uns großartig, dass wir in der Kirche einen Raum gefunden haben. Wir wollen in Übung bleiben, auch wenn dieses Jahr das traditionelle und in den vergangenen Jahren immer beliebter gewordene Neujahrsblasen am Goetheturm wegen Corona wohl ausfallen muss", bedauert Hänsel.

Umso mehr freuen sich die Bläser über die Auftrittsmöglichkeit an Erntedank. "Das Konzert ist ein Gewinn für alle Beteiligten", freut sich auch Pfarrer Sinning.

Erntedank in der Bergkirche

Sonntag, 4. Oktober, 11 Uhr vor der Bergkirche, Sachsenhäuser Landwehrweg 157

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