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Martina Chane zeigt auf die Oberräder Felder, wo den Krähern derzeit nachgestellt wird. Am Rande finden sich noch Patronenhülsen und die Federn der getroffenen Vögel.

Von Schüssen geweckt

Oberrad: Die Jagd auf Krähen hat begonnen

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Idyllisch ist er, der Grüne-Soße-Wanderweg. Vorbei am gläsernen Grüne-Soße Denkmal, entlang der Felder der Oberräder Gärtnereien. Doch viele Spaziergänger fühle sich nicht wohl in ihrer Haut. Wird hier doch scharf geschossen. Auf Krähen.

Frankfurt - Martina Chane (39) fehlen die Worte. Am Montagmorgen wird sie von Schüssen geweckt. "Das klingt wie im Krieg", sagt sie. Und : "Vom Himmel fielen Krähen." Einige sind sofort tot, andere zappeln noch. Chane ist den Tränen nahe. Sie hat den Verein Projekt Oase gegründet, kümmert sich um kranke und verletzte Vögel. "Vergangenen Mittwoch ging es wieder los. Einige der getroffenen Vögel haben noch gelebt. Das geht gar nicht. Er quält sie." Anwohner haben sie angerufen. "Das machen viele, wenn es um verletzte Vögel geht", sagt sie. "Ich bringe sie notfalls zum Tierarzt oder zur Wildvogelstation."

Die Ernte schützen

Die Vogelkennerin beobachtet seit Jahren das Verhalten von Krähen, Nilgänsen, Falken und Singvögeln. Sie hat Fernsehtechnik studiert, gibt Nachhilfe in Mathe, Physik und Chemie. Sie hält Federn in der Hand, die sie auf den Feldern gefunden hat. Und Plastikhülsen, aus denen Schrot geschossen wird. "Der Jäger stellt Attrappen auf, versteckt sich im Gebüsch und schießt dann." Dass in den Gärtnerfeldern in Oberrad Krähen gejagt werden, soll für weniger Ernteschäden sorgen. Von Anfang August bis Ende Dezember ist die Jagd auf Rabenkrähen und Elstern offiziell erlaubt. Saatkrähen sind ganzjährig geschützt.

Die Oberräder Felder liegen mitten im "Grüne-Soße-Wanderweg", den auch Touristen besuchen. Kinder gehen durch die Felder zur Schule, Erwachsene und Familien mit ihren Hunden spazieren. Eine Vorwarnung, dass jetzt wieder geschossen wird, gab es nicht.

Der Ortsbeirat 5 hatte Anfang des Jahres einstimmig einen Antrag gestellt, dass die Bevölkerung vorab informiert werden soll, wenn die Jagd schon nicht verboten werden könne. Der Magistrat hatte dem Antrag zugestimmt.

Schilder aufstellen

"Die Untere Jagdbehörde wird sich mit dem Pächter des Jagdrevieres in Verbindung setzen. Er wird gebeten, bei der zukünftigen Jagdausübung mit Hilfe von Schildern an mehreren verschiedenen Orten auf das jeweils akute Jagdgeschehen hinzuweisen" hieß es im April. Ortsvorsteher Christian Becker (CDU) ist empört. "Der Ortsbeirat ist nicht über die neue Jagd informiert worden."

Auch viele Gärtner wissen von nichts. Christoph Stoll hat dem Jäger von Anfang an keinen Zutritt zu seinem Grundstück gegeben. "Darüber, dass jetzt wieder geschossen wird, habe ich keine Information erhalten." Noch schlimmer ist es für Anwohner. "Man sieht nur torkelnde Vögel", sagt ein Nachbar, der Hunde betreut und oft in den Feldern unterwegs ist. Einige Felder sind verpachtet an Familien, die ihr eigenes Gemüse ziehen. "Das haben sich die Leute bestimmt anders vorgestellt", vermutet der Hundefreund. Und: " Er schießt im Wohngebiet. Keine 150 Meter von Häusern entfernt. Wir haben Angst um uns selber und um unsere Hunde", sagt er entnervt, als wieder Schüsse zu hören sind.

Ist die Schießerei auf Krähen sinnvoll?

Eine Frau, die ebenfalls an den Gärten wohnt, hat ebenfalls Angst. "Wie sollen unsere Kinder sicher zur Schule kommen, wenn hier einfach rumgeballert wird? Das ist einfach traurig. Menschen haben Angst, Singvögel geraten in Panik und spazieren gehen wird lebensgefährlich." Auch sie hat einen Hund. "Er frisst gerne Gras auf einer Wiese hier. Da traue ich mich nicht mehr hin."

Ob das Schießen auf Krähen überhaupt sinnvoll ist, ist umstritten. Grüne-Soße-Königin Susanne Reichert hat einen anderen Vorschlag. "Geführte Hunde würden die Krähen auch verjagen. Ich wäre mit meinem Lennox sofort dabei." Chane plant jetzt eine Unterschriftenliste gegen die umstrittene Jagd.

Die Jagd mit Greifvögeln hat in Hessen Tradition. Auch heute noch sind Habicht, Bussard und Falke dazu unterwegs. Die Tiere sind vielseitig einsetzbar, trotzdem sehen Umweltschützer die Beizjagd nicht gern.

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