60 Jahre im Dienste der Liebe

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Seine Aufgaben als Priester waren für Klaus Greef schon immer mehr als ein Beruf. Sein Glaube und das Handeln danach sind für ihn eine Berufung, der er bis heute folgt. Am Sonntag feiert er das 60. Jubiläum seiner Weihe mit einer Messe im Dom.

Klaus Greef empfängt Besucher gerne am Esstisch seiner Zweizimmerwohnung im Franziska-Schervier-Seniorenzentrum. Bei Kaffee und Lebkuchen hat man hier Ausblick auf das neue Gebäude der Europäischen Zentralbank und den Ententeich in der Obermainanlage. „Hier lebt es sich schöner als in jedem Hotel. Man muss nie einsam sein und kann täglich beten, dass die Banker das Richtige mit unserem Geld und der Wirtschaft machen“, sagt der 85-Jährige und lächelt dabei. Den Priester und ehemaligen Frankfurter Stadtdekan bringt schon lange nichts mehr aus der Ruhe. Freundlich ist er, gesundheitlich fit, er strahlt Zuversicht, Ruhe und Gelassenheit aus.

Hätte Greef aufgrund der Altersgrenze der katholischen Kirche sein Amt mit 67 Jahren nicht bereits aufgeben müssen, wäre er wohl bis heute offiziell im Dienst. Ehrenamtlich ist er nach wie vor als Seelsorger und Priester tätig. „Jeden Mittwoch veranstalte ich in unserer hauseigenen Kapelle einen Gottesdienst. Zur Fastenzeit gibt es zusätzliche Angebote und auch in anderen Seniorenheimen halte ich Messen, wenn diese das wollen“, erzählt Greef aus seinem Alltag.

60 Jahre ist es inzwischen her, dass er die Priesterweihe empfangen hat und bis heute hat ihn sein Glaube nie verlassen. „Es ist nicht selbstverständlich zu glauben, aber ich war schon früh mit den Grenzfragen des Lebens, mit Tod und Zerstörung konfrontiert.“ Sein Vater und sein Bruder sind früh gestorben. Zusammen mit seiner Mutter zog Greef im Alter von sieben Jahren aus Duisburg in deren Heimatstadt Frankfurt. Als er neun war, begann der Zweite Weltkrieg. „Den ersten großen Bombenangriff auf Frankfurt 1943 habe ich sehr intensiv erlebt. Wir saßen alle gemeinsam im Keller und bangten um unser Leben.“

Die katholische Kirchengemeinde Allerheiligen, in der seine Mutter sehr engagiert war, gab ihm in dieser schweren Zeit Halt. „Es war eine sehr solidarische Gemeinschaft, die Menschen haben sich gegenseitig geholfen. Mit unserem Glauben haben wir eine Art stillen Widerstand gegen den Totalitarismus geleistet, denn als Christen wurden wir oft als schlechte Menschen bezeichnet, weil Jesus Jude war“, sagt Greef. Der Krieg und die NS-Diktatur gehörten mit zu den Erfahrungen, die ihn bewegten, sich nach dem Abitur am Heinrich-von-Gagern-Gymnasium sich für das Fach Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen einzuschreiben.

„Für meinen Beruf ist es wichtig, auf das einzugehen, was Jesus wollte, nämlich das Reich Gottes auf Erden zu verwirklichen.“ Für Greef bedeutet dies, Gutes zu tun, solidarisch miteinander zu sein und sich gegenseitig zu lieben. Seine Arbeit als Priester sieht er mehr als Berufung denn als Beruf: „Es war ein Ruf von Gott, den ich spürte und nicht allein meine Entscheidung.“

Einen anderen Lebensweg kann sich Greef für sich nicht vorstellen. Mit 25 Jahren empfing er im Limburger Dom die Priesterweihe. Nachdem er dort und im Westerwald als Kaplan tätig war, kam 1962 der Auftrag, eine Pfarrgemeinde aufzubauen. „Damals wurden beim zweiten Vatikanischen Konzil zahlreiche Neuerungen beschlossen“, sagt Greef. Die katholische Kirche wollte offener und die Ökumene gefördert werden.

Zehn Jahre später vertraute man ihm eine größere Gemeinde in Lahnstein am Rhein an und wiederum zehn Jahre später trat der Priester das Amt des Stadtdekans in Frankfurt an. „Es war schön, wieder zurück zu dürfen, auch wenn mir zu Beginn etwas bange vor so einer großen Aufgabe war. Sie umfasste 52 Gemeinden. Aber die Stadt werde ich immer als mein Zuhause sehen“, sagt Greef. Als Dekan sei es sein Ziel gewesen, zusammenzuführen. „Die Arbeit der sozialen Einrichtungen, genauso wie die verschiedenen Institutionen christlicher Bildung und die Ökumene allgemein wollte ich näher zueinander bringen.“

Bis heute ist es sein Ziel, menschliche Bindungen zu stärken: „Es gibt die vertikale Liebe vom Mensch zu Gott und die horizontale Liebe zwischen den Menschen. Beide Arten von Liebe können wir intensivieren.“ Dafür will sich Klaus Greef weiter einsetzen, wie er es sein ganzes Leben getan hat. Dann wird er wohl auch noch sein eisernes Priesterjubiläum feiern.

Vorerst steht das Dankamt zum 60. Jubiläum der Priesterweihe am Sonntag, 8. März, um 16 Uhr im Frankfurter Dom an.

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