+
Der Schüler Joshua will unbedingt Lokführer werden. Fahrer Janik Nolepa passt auf, dass bei der Probefahrt alles klappt.

Azubis

Mit 20 Jahren schon Lokführer: Deutsche Bahn lässt zu Testzwecken den Nachwuchs mit dem ICE fahren

  • schließen

Für das kommende Jahr wirbt die Bahn schon jetzt um Auszubildende. 380 Azubis hat die Bahn im September in Hessen angestellt. So viele werden es auch 2019 – alleine 80 Lokführer und 68 Fahrdienstleiter hessenweit. Um diese Berufe kennenzulernen, konnten Schüler an einem Samstag mit einem ICE fahren lernen.

Für Joshua (18) ist es klar: „Ich will zur Bahn“, sagt der Gießener. Zum ersten Mal kann er jetzt im Cockpit eines ICE Platz nehmen.

Lokführer Janik Nolepa steht neben ihm, erklärt die Bedienung. Aber im Grunde ist es einfach. Es gibt nur drei Hebel: „Einer ist der Tempomat, einer ist die Fahrt und der dritte die Bremse“, sagt Nolepa. Aber natürlich: die Sicherheit. „Deswegen gibt es den Sicherheitsschalter am Boden“, ein Pedal, das Joshua treten muss. Aber alle 30 Sekunden spätestens muss er es loslassen. Sonst gibt es eine Vollbremsung. „Totmannschalter“ hieß das früher.

Hin und her im ICE

Langsam setzt der ICE sich in Bewegung. Er rollt – Joshua hat voll beschleunigt, doch der Tempomat begrenzt die Fahrt auf 25 km/h – auf einem Betriebsgleis der Fernzug-Werkstatt in Griesheim. Hierher sind an diesem Samstagmorgen 23 junge Leute gekommen. Der älteste ist 21, die jüngsten sind 14 Jahre alt. Unter der Verantwortung von André-Marcel Dambach dürfen sie selbst fahren. Dambach ist seit kurzem selbst Lokführer und rangiert täglich Züge im Griesheimer Reparaturwerk. Auf einem der Gleise ist nun der ICE „Torgau“ unterwegs – einige hundert Meter Gleis und dann zurück zum Bahnsteig. Die Fahrer, Dambach und Nolepa, haben sich auf die beiden Cockpits an den Enden des Zuges aufgeteilt. Joshua schimpft: „Mist!“ Eben hat es eine Vollbremsung gegeben. „Pedal“, sagt Nolepa lakonisch. Er hat diese ersten Misserfolgserlebnisse schon hinter sich, wird in der kommenden Woche fertig mit seiner verkürzten Ausbildung, ist dann, mit 20 Jahren, Lokführer. „Es ist mein Traumberuf, es macht Spaß.“

Viele sind begeistert

Auffällig: Viele der jungen Leute, die an diesem Samstag zur Veranstaltung der Bahn gekommen sind, um sich den Beruf des Lokführers mal genauer anzuschauen, sind schon begeistert von dem Arbeitgeber. „Ich will mich auf jeden Fall bewerben“, sagt Ture (21). Nach seinem Fachabitur erlitt er eine Verletzung, konnte nicht sofort in die Ausbildung starten, will es jetzt nachholen. Auch Malick (16) aus Mainz will es sich mal anschauen, heute, an einem eigentlich freien Samstag. Aus Bruchsal ist die 15-jährige Cellina nach Frankfurt gekommen. Allerdings, sie zuckt mit der Schulter. „Ich bin hier, weil meine Mutter bei der Bahn arbeitet. Ich glaube nicht, dass ich Lokführerin werden möchte.“

Das ist auch eine Entscheidung, die richtig ist, sagt Elena Nees von der Personalabteilung der Bahn. „Wir wollen, dass die jungen Leute sich hier beim Ausbildungs-Casting anschauen, was sie machen könnten.“ Dazu zählen die Berufe Lokführer – sei es auf dem ICE, bei DB Regio oder auch bei DB Cargo – und schließlich der Beruf des Fahrdienstleiters, eine Art Fluglotse, nur für die Schiene. „67 Lok-Azubis stellen wir für die Region in Frankfurt im kommenden Jahr ein“, erläutert Nees, „hessenweit 80“. Vom beklagten Mangel an Bewerbern spürt das Großunternehmen bislang wenig: „Wir konnten alle Ausbildungsstellen besetzen.“

Kein Wunder – Lokführer, das ist ein Beruf mit einer gewissen Bekanntheit, schon aus den Kinderzimmern. „Manche haben falsche Vorstellungen, aber wir bilden bei der Bahn in 50 Berufen aus“, sagt Nees. 3600 Stellen werden jedes Jahr besetzt – reine Ausbildung. Hinzu kommen noch die Möglichkeiten des Dualen Studiums.

Bundesweit veranstalten die Personal-Recruiter Azubi-Castings, wie an diesem Samstagmorgen in Griesheim. „Heute Mittag fahren wir noch nach Darmstadt, wo man den Beruf des Fahrdienstleiters und des Lokführers bei DB Cargo kennenlernen kann“, sagt Neeb.

Für Joshua aus Gießen ist die Entscheidung schon gefallen. „Ich werde mich bewerben, wieder und wieder, wenn’s diesmal nicht klappt.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare