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Diese Rakete wurde in der Sicherheitszone zwischen Alter und Untermainbrücke gezündet. Die Mehrheit hielt sich aber ans Böllerverbot, dort kam man ungefährdet ins neue Jahr. Foto: Michael Faust

Silvester

Jahresanfang in Frankfurt: Zwischen Party und Randale

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Es ist alles gut gegangen, aber ein durchweg friedliches Fest war die Silvesternacht im Herzen Frankfurts nicht. In den ersten Stunden des Jahres tobten sich dort vor allem übermütige junge Männer aus.

Stadt und Polizei meldeten sich gestern zufrieden zu Wort: Das Sicherheitskonzept für die Silvesternacht sei aufgegangen, es gab zwar serienweise Notrufe und Zwischenfälle, schwerere Unfälle oder Straftaten sind hingegen ausgeblieben. „Eine arbeitsintensive, aber aus polizeilicher Sicht silvestertypische Nacht“, heißt es in der Bilanz der Beamten.

Als „silvestertypisch“ gilt demnach, dass Mülltonnen, Container und Autos brennen, Feuerwerkskörper in Menschenmengen fliegen und auch Rettungskräfte und Polizeibeamte damit beschossen werden. Noch ein weiteres Thema gehört zum Jahreswechsel: Bislang hat die Polizei keine Strafanzeigen wegen sexueller Belästigung aus dieser Nacht vorliegen.

Tausende Menschen waren gegen Mitternacht in der Innenstadt unterwegs, wo für alle, die geschützt feiern wollten, am nördlichen Mainufer eine Sicherheitszone eingerichtet worden war. Etwa 5000 Menschen sahen sich von dort aus das Feuerwerk an und stießen aufs neue Jahr an, unter ihnen auch Familien mit Kindern, größere Gruppen von Männern und Frauen.

Das Ufer, die Straßen rundum und die Brücken außerhalb der Sicherheitszone waren unterdessen fest in der Hand junger Männer. Dort drohte die Stimmung immer mal wieder zu kippen, gab es gefährliche Scharmützel mit hin- und herfliegenden Böllern und Raketen. Ein Passant berichtete gar von „Jagdszenen“. Andere schätzten die Lage weniger dramatisch ein, doch alle wussten von gefährlichen Szenen zu berichten: So hätten sich an der Hauptwache junge Männer einen Spaß daraus gemacht, Raketen quer zwischen die Füße der Menschen zu schießen. Dort wie am Mainufer sahen die Beamten, die mit Spezialfahrzeugen an den Kontrollpunkten zur Sicherheitszone standen, zwar großmütig, aber nicht unbeteiligt zu. Es gab in der Nacht insgesamt 31 Festnahmen; wegen der Böllerei, aber auch wegen Taschendiebstahls, Drogen- und Waffenbesitz und Angriffen auf Polizisten.

Das trauten sich sogar zwei 16-Jährige. Sie fuhren gegen 18 Uhr mit der S-Bahn nach Höchst und drohten damit, im Zug eine Silvesterrakete zu zünden. Im Bahnhof ließ einer dann die Rakete horizontal über den Bahnsteig fliegen, schoss mit einer Schreckschusswaffe sechsmal in die Luft und rief dazu “Ich knall’ euch ab!“. Die Polizei war schnell zur Stelle, denn einer ihrer Kollegen hatte die Jugendlichen in der Bahn beobachtet und sie alarmiert. Die jungen Männer stießen gegen die Beamten böse Drohungen aus.

Nur mit einem Sondereinsatzkommando konnte die Polizei einen Anwohner am Wiesenhüttenplatz im Gutleutviertel stoppen. Der 69-Jährige hatte eine Silvesterfeier in seinem Hinterhof vom Fenster aus mit Böllern beschossen und danach mit einer Pistole gedroht. Als daraufhin die Polizei läutete, weigerte sich der Mann, die Tür zu öffnen. Nun rückte das SEK an und fand in der Wohnung Schreckschuss- und Luftwaffen, Munition und Feuerwerk. Am Ende rächte sich die Aufregung für den Randalierer: Er bekam Herzprobleme und musste erstmal zum Notarzt gebracht werden.

Auch anderswo gab es statt Party Randale. Das fing schon in der Nacht zuvor an. So zog in Fechenheim eine Gruppe durch die Straßen, zündete Feuerwerk und setzte Mülltonnen in Brand. In der Konstanzer Straße brannte schließlich am Sonntag gegen 4 Uhr morgens ein Unterstand mit Mülltonnen und Fahrrädern. Der Sachschaden liegt bei 20 000 Euro.

In der Silvesternacht waren dann Preungesheim und Ginnheim zwei Zentren, in denen Polizisten Mühe hatten, die Brandstifter zu stoppen. In Preungesheim wurden schließlich ein 18 und ein 20 Jahre alter Mann festgenommen, danach habe sich die Lage stark beruhigt (siehe auch Text unten).

Insgesamt wurden der Feuerwehr 91 Brände gemeldet, 169 Mal schickte die Leitstelle einen Rettungswagen los. Allein zwischen Mitternacht und 1 Uhr mussten die Einsatzkräfte zu 46 Bränden, von denen acht sich auf Balkonen ereigneten, und 52 Rettungsdiensteinsätzen ausrücken.

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