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Jan Schneider hört auf

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Von: Julia Lorenz

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Packte gerne mit an, dennoch ist dem scheidenden Frankfurter CDU-Chef Jan Schneider die Partei und vor allem die Wählerschaft zunehmend entglitten. Bei den jüngsten Wahlen wurden die Christdemokraten wiederholt von den Bürgern abgestraft.
Packte gerne mit an, dennoch ist dem scheidenden Frankfurter CDU-Chef Jan Schneider die Partei und vor allem die Wählerschaft zunehmend entglitten. Bei den jüngsten Wahlen wurden die Christdemokraten wiederholt von den Bürgern abgestraft. © Rolf Oeser

Der CDU-Chef zieht Konsequenzen aus den Wahlniederlagen und tritt im März nicht erneut an.

Frankfurt -Der CDU-Kreisvorsitzende Jan Schneider kandidiert nach gut fünf Jahren an der Spitze auf dem Parteitag im März nicht noch einmal für den Posten. Diese Entscheidung hat der 40-Jährige am Dienstagabend auf einer Sitzung des Kreisvorstandes bekanntgegeben.

"Mir ist dieser Schritt nicht leicht gefallen", sagte Schneider am Mittwoch im Gespräch mit dieser Zeitung. Aber er habe als Kreisvorsitzender die Verantwortung für die "zwei herben Wahlniederlagen" im vergangenen Jahr übernehmen und Konsequenzen ziehen müssen. "Mit meiner Entscheidung will ich der CDU in Frankfurt helfen, eine glaubwürdige und überzeugende Neuaufstellung anzugehen. Das wird leichter gehen, wenn auch an der Spitze eine personelle Veränderung erfolgt", sagte Schneider. "Es ist kein Abschied in Groll oder Verärgerung."

Zur Erinnerung: Im März 2021 hat die CDU die Kommunalwahl gegen die Grünen, die stärkste Kraft wurden, verloren. Die Christdemokraten mussten daraufhin ihre Regierungsverantwortung im Römer abgeben, ebenso wie Schneider selbst sein Amt als Dezernent. Bei der Bundestagswahl im September traf es die Partei noch härter. Mit nur 18,1 Prozent der Wählerstimmen - ein historischer Tiefstand - landete die Union in Frankfurt hinter Grünen und SPD, verlor beide Direktmandate.

"Schnell wieder auf die Beine kommen"

"Als ich vor fünf Jahren den Posten angetreten habe, war mein oberstes Ziel, den Abwärtstrend zu stoppen und die CDU wieder fit für die Großstadt zu machen", sagte Schneider. "Jetzt muss ich aber leider sagen, dass ich dieses Ziel nicht erreicht habe." Deshalb der Rückzug. Denn er sei "der festen Überzeugung, dass die CDU schneller wieder auf die Beine kommt, wenn auch das Gesicht der Partei in Zukunft ein anderes ist".

Dieses neue Gesicht wird nun gesucht. Bereits Ende des vergangenen Jahres hatten drei bekannte Christdemokraten ihr Interesse an einer Nachfolge Schneiders bekundet: die ehemalige Bundestagsabgeordnete Bettina Wiesmann, der ehemalige Kämmerer und designierte Staatssekretär Uwe Becker und der Fraktionsvorsitzende im Römer Nils Kößler.

Um einen Konkurrenzkampf auf offener Bühne zu vermeiden und Geschlossenheit zu demonstrieren, hat sich der Kreisvorstand am Dienstagabend darauf geeinigt, "ein geordnetes Verfahren" anzustreben und zunächst nur innerhalb der Partei zu reden. "Natürlich sind alle gespannt, wer mein Nachfolger oder meine Nachfolgerin wird", sagte Schneider gestern. Aber es gehe nicht nur darum, einen neuen Vorsitzenden oder eine neue Vorsitzende zu finden, sondern wie der Kreisvorstand insgesamt ein neues und überzeugendes Team darstellen könne. Deshalb soll es in den kommenden Wochen parteiintern Gespräche mit Interessenten für den Posten geben. Diese wird der Ehrenvorsitzende und frühere Kreisvorsitzende Udo Corts moderieren. Seine drei Nachfolger Boris Rhein, Uwe Becker und Jan Schneider werden ebenfalls daran teilnehmen.

Spätestens Anfang Februar soll den Parteimitgliedern ein Kandidat oder eine Kandidatin präsentiert werden. "Es ist auch möglich, dass es zwei Kandidaten werden, die sich dann einer Abstimmung stellen müssen", so Schneider. Bettina Wiesmann begrüßte im Gespräch mit dieser Zeitung das angestrebte Verfahren. "Es ist ein richtiger erster Schritt und ich hoffe, dass wir zu einer guten Lösung kommen werden." Eine eigene Kandidatur wollte sie aber nicht kommentieren. "Ich habe im Dezember gesagt, dass ich zur Verfügung stehen würde, aber ich muss das auch nicht unbedingt machen." Auch Uwe Becker und Nils Kößler hielten sich bedeckt. Kößler teilte lediglich mit: "Die Entscheidung von Herrn Schneider verdient großen Respekt. Für sein Engagement für die Frankfurter CDU möchte ich ihm herzlich danken."

Der neue Kreisvorstand soll am 12. März auf einem Parteitag in Präsenz, aber unter der 2G+-Regel, gewählt werden. Jan Schneider selbst wird künftig, "wenn es gewünscht wird", nur noch als normales Mitglied im Kreisvorstand aktiv sein. An vorderster Front will er aber nicht mehr mitmischen. Julia Lorenz

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