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Mittendrin in den skulpturalen Kunstwerken der Ausstellung, die von straffällig gewordenen Jugendlichen angefertigt wurde: Petra Väth, Geschäftsführerin der Jugend-Kultur-Werkstatt Falkenheim Gallus, und Kai Wolf, künstlerischer Leiter der Bildhauerwerkstatt Gallus.

Bildhauerwerkstatt Gallus

Eine Ausstellung zeigt Kunstwerke von straffällig gewordenen Jugendlichen

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Jugendliche, die in Konflikt mit dem Gesetz geraten sind, können ihre auferlegten Sozialstunden in der Bildhauerwerkstatt Gallus ableisten. Durch handwerkliches Arbeiten können sie ihre Fähigkeiten entdecken, lernen Ausdauer und Struktur.

Groß und weitläufig wirken die beiden Hallen der Bildhauerwerkstatt Gallus auf dem Gelände der ehemaligen Druckfarbenfabrik in der Gutleutstraße 294. Mit jeweils rund 200 Quadratmetern bieten die Flächen ausreichend Platz, um mit Materialien wie Holz, Metall und Stein zu arbeiten. Aus diesen Rohstoffen, die teils nur schwer und mit viel Kraftaufwand bearbeitet werden können, fertigen Jugendliche unter Anleitung des Bildhauers Kai Wolf, seit zwei Jahren künstlerischer Leiter der Werkstatt, skulpturale Objekte an, die dort heute von 15 bis 19 Uhr ausgestellt werden. Anlass ist ein „Tag der offenen Tür“.

Die Bildhauerwerkstatt ist ein Projekt der Jugend-Kultur-Werkstatt Falkenheim Gallus (JKWF), die ihre Räume in der Herxheimer Straße 4 hat. Der gemeinnützige Verein ist freier Träger der Jugendhilfe und fördert durch kreative Angebote insbesondere sozial benachteiligte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene beispielsweise durch Projektwochen und Ferienaktionen.

Dazu gehören auch Jugendliche, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten und durch richterliche Auflagen und Weisungen Sozialstunden auferlegt bekommen haben. Sie erhalten in der Bildhauerwerkstatt Gallus die Möglichkeit, diese dort abzuleisten. Das Projekt wird neben der künstlerischen Betreuung durch Bildhauer Kai Wolf auch pädagogisch begleitet.

Die Ausstellung in den Räumen zeigt die Arbeiten dieser Jugendlichen – Objekte aus Holz, Metall und Stein, oft auch miteinander kombiniert. Die Werke, die präsentiert werden, gehen teils noch zurück auf die Anfänge des Projekts, das im Jahr 1992 startete. „Das älteste Stück der Ausstellung ist dieses hier“, sagt Petra Väth, Geschäftsführerin und pädagogische Leiterin der JKWF. Sie zeigt auf einen Eisenmann, der, ebenfalls aus Metall gefertigt, auf einem Hochrad sitzt.

Werke werden verkauft

Wie viel Kreativität in den jungen Menschen steckt, die bis zu dreimal pro Woche zum Arbeiten in die Bildhauerwerkstatt kommen, macht die große Vielfalt der Werke deutlich, die von fantasievollen Masken über Metallarbeiten und Objekten aus Holz reicht, die Musikinstrumenten nachempfunden sind. Jedes Werk wird zum Kauf angeboten – die Preise liegen zwischen 50 Euro bis 1000 Euro. Der Erlös fließt wieder ins Projekt hinein und wird beispielsweise für den Ankauf von neuen Materialien verwendet.

„Mit der Ausstellung möchten wir die Werke einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen und zeigen, dass die Jugendlichen Ideen und Fähigkeiten haben und sich engagieren“, betont Väth. Gleichzeitig sei es für die Jugendlichen eine neue, positive und anerkennende Erfahrung, dass andere ihre Arbeiten kaufen und sich Zuhause als Kunstwerk hinstellen. Außerdem können sie in dem Projekt ihre eigenen Fähigkeiten entdecken und lernen Struktur. Die Zeit, in der die Jugendlichen dort aktiv sind, hängt von der Höhe der Sozialstunden ab. „Das variiert zwischen zehn und 120 Stunden“, sagt Petra Väth.

Seit 2000 hat die JKWF die Räume der Bildhauerwerkstatt auf dem Gelände im Gutleutviertel, auf dem sich beispielsweise auch das Tanzhaus West und das Theater Landungsbrücken Frankfurt befindet. „Die meisten Jugendlichen, die zu uns kommen, haben zuvor noch nie künstlerisch gearbeitet“, erzählt Petra Väth. Der Umgang mit Materialien und Werkzeugen sei daher etwas Neues und genauso eine Herausforderung, wie die Ideenfindung und die Umsetzung. Warum sie Sozialstunden ableisten müssen, das interessiere erst einmal niemanden. „Wir fragen nicht nach den Gründen“, sagt sie.

Körperlich anstrengend

Bei der Arbeit mit den Jugendlichen ist es für Bildhauer Kai Wolf wichtig, dass, wie er sagt, „die Kreativität im Fluss ist“. Die Atmosphäre sei sehr arbeitsam und auch laut, vor allem wenn der Winkelschleifer an sei oder an der Drehbank gearbeitet werde. Die bildhauerische Tätigkeit sei zudem auch körperlich anstrengend. Unbearbeitete, naturbelassene Holzblöcke, die schwer aussehen, stehen gestapelt in der Ecke einer der beiden Hallen. „Ich arbeite sehr gerne mit unterschiedlichen Materialien, kombiniere häufig Holz und Metall“, schildert Wolf. Das Schweißen von Metall habe einen besonderen Reiz.

Doch bevor es ans handwerkliche Arbeiten geht, steht erst einmal die Ideenfindung an. Dass dies nicht leicht ist, weiß Wolf aus eigener Erfahrung. Jeder Jugendliche soll seine eigene Idee ganz selbständig finden. „Das ist mir sehr wichtig“, sagt er. Die Ergebnisse zeigen jedenfalls, wie groß die Kreativität ist.

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