Mentorin Christina Moser-Eggs freut sich auf ihre Aufgabe. Noch säuberlich verpackt liegt auf den Tischen vor jedem Kind ein funkelnagelneuer Laptop. foto: reinhardt
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Mentorin Christina Moser-Eggs freut sich auf ihre Aufgabe. Noch säuberlich verpackt liegt auf den Tischen vor jedem Kind ein funkelnagelneuer Laptop. foto: reinhardt

Schule

Zu jedem Computer gibt's einen Mentor dazu

  • vonFriedrich Reinhardt
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50 Carlo-Mierendorff-Schüler aus Preungesheim hatten keinen Internetzugang - Laptop-Spende hilft

Zögerlich lernen sich die Schüler und Mentoren in der Turnhalle der Carlo-Mierendorff-Schule kennen. Generationsübergreifender Small-Talk war noch nie einfach. Die zwölf Jahre alte Nirmin packt den neuen Laptop aus. Da braucht sie die Hilfe der Mentorin Christina Moser-Eggs nicht. Und das Kennwort, um den Computer einzuschalten, kennt die Mentorin auch nicht. Hilfesuchend schaut die Schülerin zu ihrer Mutter, die zuckt mit den Schultern und schaut sich um.

13 Tische sind in der Turnhalle akkurat aufgebaut, auf jedem steht ein Laptop, neu, noch verpackt und gespendet von der Crespo Foundation. Den Computer werden die Schüler nach der Auftaktveranstaltung mit nach Hause nehmen können und ihn "nach erfolgreichem Projektabschluss" behalten können, wie es Carla Leesker, die pädagogische Leiterin der Carlo-Mierendorff-Schule, ausdrückt. Erfolgskriterien gibt es allerdings nicht. Sprich: Die Schüler bekommen den Laptop geschenkt und für die ersten Monate noch einen Mentor dazu.

Leesker hatte im April und Mai, während des Corona-Lockdowns, eine Umfrage unter den Eltern und Schülern gestartet, wie die Schüler Zuhause mit Computern und Internet ausgestattet sind. "Die Auflistung war eine große...", Leesker bricht den Satz ab. Sie bleibt sachlich und sagt: "50 Jugendliche haben kein digitales Endgerät oder maximal ein Smartphone, das oft kaputtes ist, und kein Internet." Eine mehr als unerfreuliche Statistik.

Ohne Internet kein Unterricht

Doch Internet und digitale Endgeräten hat der Unterricht während des Lockdowns vorausgesetzt. Für die Kinder ohne Internet, die teilweise kaum zu erreichen gewesen seien, hätten Lehrer zwar Arbeitsblätter ausgedruckt. Aber: "Wir sind schnell auf eine digitale Lernplattform gewechselt", sagt Leesker. Von dieser professionelleren Form des digitalen Lernens waren 50 Schüler ausgeschlossen.

"Am Anfang dachten wir ja, Corona macht alle gleich", sagt Moser-Eggs. "Dann haben wir gelernt, dass das Gegenteil der Fall ist." Die Mentorin Moser-Eggs ist 42 Jahre alt, Preungesheimerin und freiberufliche PR-Beraterin. In den nächsten drei Monaten wird sie einmal in der Woche mit "ihrem Schüler" über das Internet video-telefonieren. Sie wird "Kontakt aufbauen und unterstützen", formuliert Moser-Eggs den Kern ihrer Aufgabe im Projekt. Ganz leicht zu erklären sei die aber nicht. "Wir sollen das Kind ja nicht besser machen."

Mentoren sollen Struktur geben

Die Mentoren sollten auch keine IT-Berater für die Schüler für ihre neuen Laptops sein und würden auch keine Nachhilfe geben. "Das könnten wir ja gar nicht leisten." Aufgabe der Mentoren sei es, den Kindern "Struktur zu geben", sagt Leesker. "Wie organisiere ich meinen Lernalltag? Wo kann ich mir Hilfe holen? Hast du einen Arbeitsplatz?", zählt die pädagogische Leiterin die Fragen auf, bei denen die Mentoren helfen sollen.

Außerdem stünden sie im Austausch mit dem Preungesheimer Quartiersmanagement. Habe etwa ein Kind keinen ruhigen Ort für die Hausaufgaben, "könnten wir nach einer Lösung suchen", sagt Quartiersmanagerin Angela Freiberg.

Aber kommt das Projekt nicht zu spät? Der Lockdown ist seit Beginn des Schuljahres für die Schulen vorbei und die Kinder werden wieder gemeinsam unterrichtet. "Keiner garantiert uns, dass das so bleibt", sagt Leesker. An der Carlo-Mierendorff-Schule habe man für den Ernstfall ein Konzept entwickelt, wie die Kinder abwechselnd eine Woche in der Schule und eine Woche Zuhause unterrichtet werden könnten. Auch könnte jederzeit Schulklassen wegen Covid-19-Infektionen nach Hause geschickt werden. Darauf wolle man vorbereitet sein.

Außerdem gehöre es zur Aufgabe der Schule die Schüler auf das Leben im digitalen Zeitalter vorzubereiten. "E-Mails schreiben, sich online ein Ticket buchen, Internetrecherchen, Textverarbeitung oder der Umgang mit Exel und Power-Point; all das müssen Schüler heute beherrschen, wenn sie ins Berufsleben starten wollen. "Ohne Computer könne man nicht mal eine Bewerbung schreiben", gibt Jugendhelfer Tom Lingenfelder zu bedenken.

"Mit digitaler Jugendarbeit stehen wir in Deutschland am Anfang", sagt Antje Grimberg von der Diakonie Offenbach-Dreieich-Rodgau, die etwa die Hälfte der Mentoren für das Projekt vermittelte. "Wenn heute ein Kind sagt, 'Ich habe eine Internetfreundin', denken wir: 'Na das ist ja keine richtige Freundin'."

Beim digitalen Lernprojekt könnten daher auch die Mentoren etwas von "ihren" Schülern lernen. Wer diese Schüler sein werden, wird sich bis zum Ende der Auftaktveranstaltung gezeigt haben.

Die zwölf Jahre alte Nirmin hat das Passwort mittlerweile herausgefunden. Moser-Eggs war da schon weiter gezogen, an einen anderen Tisch, um einen anderen Schüler kennenzulernen. Friedrich Reinhardt

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