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Tausende Container werden jährlich auf dem Gelände umgeschlagen.

Transport

Jeden Tag kommen am DUSS-Terminal im Ostend Waren aus der ganzen Welt an

Hunderte Kilometer haben die roten, grünen oder gelben Container hinter sich, wenn sie am Umschlagbahnhof im Frankfurter Osten ankommen. Ihr Weg ist dort jedoch noch nicht zu Ende.

Frankfurt - Über ganz Frankfurt geht der Blick aus der gläsernen Kabine des 20 Meter hohen Portalkrans. Hochhäuser, grüne Parks, im Norden thront die Europäische Zentralbank über den Dächern. Doch für die Aussicht hat Damla Köse (24) gerade keine Zeit.

Die Leitstellendisponentin des Container-Terminals DUSS (das steht für Deutsche Umschlaggesellschaft Schiene-Straße) ist gerade an einem roten, etwa 30 Tonnen schweren Container zehn Meter unter ihr interessiert. Noch steht der auf einem Güterzug, der heute Morgen aus Griechenland angekommen ist. Köse muss ihn nun für den weiteren Transport in Frankfurt und den Außenbezirken umladen - der Laster steht schon bereit.

Globaler Knotenpunkt

Aufrecht sitzt Köse in ihrem drehbaren Kontroll-Stuhl mit den vielen blinkenden Knöpfen. Mit der rechten Hand greift sie an den Steuerungshebel, bewegt ihn langsam nach vorne. Die Hebevorrichtung des Krans, auch Spreader genannt, setzt sich in Bewegung.

An Stahlseilen befestigt fährt sie mit einem leisen Summen vom oberen Teil des Krans Richtung Boden. Köse manövriert ihn genau über den Container - Zentimeterarbeit. Mit einem lauten Rums liegt die Vorrichtung auf. Die Krankabine wackelt. Ein kurzes Klicken, die Metallklötze rasten ein und der Container geht in die Luft - auf den Lkw-Anhänger zu. Vorsichtig setzt die Last dort auf.

Nach vier Jahren beim Container-Terminal ist das Bedienen des Krans für Köse längst Routine. "Das lernt man schnell, ist so ähnlich wie Autofahren", sagt die Angestellte und lenkt den Kran schon wieder über die Schienen zurück zum Ausgangpunkt. "Tetris für Erwachsene".

Jeden Tag kommen auf dem 2004 errichteten Terminal im Frankfurter Ostend etwa vier bis fünf Züge aus aller Welt an. Voll beladen mit Containern, die einen Weg von mehreren hundert Kilometern hinter sich haben. Von Sportschuhen, über Gartenartikel bis zu Orangen für das nächste Sonderangebot im Supermarkt ist alles dabei. Von der Schiene werden die Güter auf die Straße umgeschlagen und umgekehrt. Jährlich könnten auf dem Gelände an der Ferdinand-Happ-Straße bis zu 100 000 Container umgeschlagen werden. Derzeit ist das Terminal der Deutsche-Bahn-Tochtergesellschaft jedoch nur bei einer Auslastung von 60 Prozent.

"Wir haben noch Potenzial", sagt Terminalleiter Eric Zamis. Der Betrieb ist im Vergleich mit anderen Umschlaganlagen in Deutschland zwar relativ klein, hat jedoch einen entscheidenden Vorteil: "Das Besondere am Frankfurter Terminal ist die stadtnahe Lage. Viele andere Betriebe haben ihren Standort weit außerhalb", sagt Zamis.

Ausgeklügeltes System

Im Zwei-Schicht-Betrieb von 5.30 bis 21.30 Uhr sind knapp 20 Mitarbeiter täglich damit beschäftigt, Züge und Lastwagen zu be- und entladen. Um die tonnenschweren Lasten zu bewegen, helfen zwei Portalkräne. Über vier Gleise laufen sie über das Gelände. Eine große logistische Herausforderung. Die mit einem ausgeklügelten System jeden Tag aufs Neue bewältigt wird.

Als Gehirn des Container-Terminals könnte man die Leitstelle im Westen bezeichnen. Ein kleines, weißes Gebäude. Hier wird der gesamte Terminal überwacht und koordiniert. Die Mitarbeiter sitzen an großen Bildschirmen, auf denen die Schienen, Lager- und Standplätze in einer Grafik mit Farben und Nummern markiert sind. Die Lkw-Fahrer erhalten dort ihre Frachtpapiere, An- und Ablieferscheine und werden informiert, an welchem Standplatz sie ihren Container abholen können.

In der Leitstelle ist viel los. Am Ausgabefenster, das auf gleicher Höhe mit der Fahrerkabine des Lkw ist, reicht ein Mitarbeiter gerade Papiere zum Fahrer rüber. Zwei weitere Transportfahrzeuge haben sich dahinter eingereiht. Die Route von Lkw-Fahrer Alexander Huwa führt ihn heute nach Eichenzell bei Fulda. Dort wird er einen Container, gefüllt mit Gasgrills, abliefern.

Eine weiterer wichtiger Stopp ist für die Fahrer der sogenannte Checker. Er nimmt die Daten und Schäden an den Containern auf, kontrolliert auf Beulen oder Risse. "Damit während der Fahrt auf dem Güterzug nichts aufreißt und was herausfällt", sagt Köse.

Seit vier Jahren arbeitet die gebürtige Hanauerin im Terminal. "Der Beruf ist sehr abwechslungsreich. Ich arbeite zwar mehr in der Dispo im Büro, aber wenn Leute fehlen, gehe ich auch mal raus und bediene den Kran". Eigentlich ein von Männern dominierter Job, doch "die hab' ich im Griff", sagt Damla Köse und lächelt.

VON SVENJA WALLOCHA

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