Statistik

Jeder vierte Flüchtling hat Arbeit

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Die Arbeitsagenturen ziehen eine positive Bilanz, was die Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt betrifft. Zur Wahrheit gehört aber, dass 75 Prozent der Migranten noch keinen Job haben.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat gestern eine positive Zwischenbilanz bei der Integration von Flüchtlingen auf dem deutschen Arbeitsmarkt gezogen. Die Erwartungen der BA seien knapp übertroffen worden, sagte Vorstandschef Detlef Scheele.

Jüngsten Zahlen aus dem Mai zufolge hätten mehr als 300 000 Menschen aus den acht Haupt-Asylländern einen Job gefunden – und damit knapp ein Drittel mehr als im Jahr davor. „Das läuft alles ganz gut“, so Scheele. Die Flüchtlingssituation auf dem Arbeitsmarkt gebe deshalb keine Veranlassung, schwarzzumalen. 238 000 der Geflüchteten mit Job – und damit der Großteil – seien sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Karl Brenke macht hier eine andere Rechnung auf. Nach Berechnungen des Arbeitsmarktexperten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) gehen von den Personen, die nach dem Januar 2014 bis Mai 2018 im Zuge der Flüchtlingswelle nach Deutschland gekommen sind, mittlerweile 174 000 Menschen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach.

Brenke macht aber weiter darauf aufmerksam, dass von den Geflüchteten wesentlich mehr, nämlich 538 000, Hartz-IV-Leistungen erhielten beziehungsweise arbeitssuchend seien. Das bedeute, dass nach der großen Flüchtlingswelle erst rund 24 Prozent einen „regulären“ Job haben, bei dem sie in die Sicherungssysteme einzahlten.

Und wie sieht es in Hessen aus? Nach Angaben der Regionaldirektion sind derzeit knapp 40 000 Menschen mit „Fluchtmigration“ arbeitssuchend gemeldet. 25 000 Menschen gehen einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nach.

Die Regionaldirektion Hessen weist darauf hin, dass die Statistik richtig gelesen werden muss. Sozialversicherungspflichtige Stellen würden von den Arbeitgebern gemeldet. Deshalb tauchten darin auch Flüchtlinge auf, die schon lange Jahre in Hessen arbeiteten. „Einer von 100 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Hessen kommt aus einem nichteuropäischen Asylherkunftsland“, sagt Frank Martin, Leiter der BA Hessen. „Massiv gestiegen“ sei in dieser Gruppe die Zahl der Menschen, die einen Job angetreten hätten: 2017 seien es 8000 Personen mehr gewesen als im Jahr zuvor.

Martin war in der Vergangenheit davon ausgegangen, dass erst Ende 2017 ein Großteil der ab 2015 eingereisten Flüchtlinge den Arbeitsmarkt erreichen würde. „Rund ein Drittel der Geflüchteten haben bereits eine Beschäftigung gefunden, ein Drittel befinden sich in Maßnahmen und ein weiteres Drittel ist arbeitslos“, erklärt der BA-Chef. Alles in allem zeigt sich Martin zufrieden mit der aktuellen Entwicklung: „Es wurden viele Weichen gestellt, und mehr Menschen haben eine Beschäftigung gefunden, als wir dachten. Die Motivation, eine Ausbildung oder eine Beschäftigung zu finden, ist hoch“, so Martin.

Die Menschen wollten in unserer Gesellschaft ankommen und in vielen Fällen auch etwas zurückgeben, sagt Martin. Ein Weg zur Anerkennung und Teilhabe sei, einen Job zu haben und nicht mehr auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein. Die meisten Arbeitnehmer haben einen afghanischen Pass (6700). Danach folgten Menschen aus Syrien (4470). Auf Platz drei kamen Menschen aus Pakistan (4340).

Derzeit fänden Geflüchtete in erster Linie in der Zeitarbeit, dem Handel, dem Gastgewerbe, in den wirtschaftlichen Dienstleistungen und in der Logistik sozialversicherungspflichtige Jobs. Die Bundesagentur für Arbeit geht davon aus, dass die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt 10 bis 15 Jahre dauern wird. Derzeit liegt die Arbeitslosenquote bei Flüchtlingen in Hessen bei 13,1 Prozent. Diese hebt sich deutlich von der allgemeinen Arbeitslosenquote im Lande ab (4,6 Prozent). Kommentar auf Seite 2

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