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Wie dieser Mann soll der Verdächtige immer wieder Wohnungstüren aufgebrochen haben.

Polizei warnt

Jetzt beginnt die Zeit der Einbrüche in Frankfurt und Rhein-Main

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Die dunkle Jahreszeit hat begonnen – und mit ihr die Hauptsaison für Wohnungseinbrüche. Bei der Frankfurter Kriminalpolizei arbeiten 50 Beamte daran, Einzeltätern und organisierten Banden das Handwerk zu legen. Wie schwierig das ist, zeigt die relativ niedrige Aufklärungsquote.

Dass es in der dunklen Jahreszeit häufiger zu Wohnungseinbrüchen kommt als in der hellen, wird immer behauptet. Aber stimmt es auch? „Ja“, sagt Bernd Karb, zuständiger Kommissariatsleiter im Frankfurter Polizeipräsidium, auf Nachfrage dieser Zeitung. 2016 seien in Frankfurt 67,7 Prozent, also gut zwei Drittel der registrierten Wohnungseinbruchsdiebstähle in die dunklen Monate von Januar bis März und Oktober bis Dezember gefallen. Die restlichen 32,3 Prozent der Fälle habe die Kriminalpolizei in den hellen Monaten von April bis September verzeichnet.

Der Erste Kriminalhauptkommissar sagt, dass im November und Dezember besonders oft eingebrochen wird: 2016 fiel in diese beiden Monate fast ein Drittel aller Wohnungseinbrüche des Jahres, 2015 war es ähnlich gewesen. Die früher einsetzende Dunkelheit nutze Einbrechern auf der Suche nach Tatgelegenheiten in zweierlei Hinsicht: Erstens könnten sie an den Fenstern und deren Beleuchtung ablesen, wo jemand zu Hause ist und wo nicht. Und zweitens müssten sie im Schutz der Dunkelheit weniger Angst haben, von Zeugen gesehen zu werden.

Der Wohnungseinbruchsdiebstahl ist ein Massendelikt: Die Frankfurter Kriminalstatistik 2016 weist 1843 Fälle aus, das war der niedrigste Stand seit dem Jahr 2010. Bernd Karb und seine knapp 30 Kollegen vom Kommissariat 21 sehen darin allerdings keinen Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Zusammen mit den 20 Polizisten des Kommissariats 25 – zuständig für Bandenkriminalität – arbeiten sie daran, möglichst viele versuchte und vollendete Einbrüche aufzuklären.

Davon, dass das sehr schwierig ist, zeugt die relativ niedrige Aufklärungsquote. Diese konnte zwar zuletzt von gut zehn auf gut zwölfeinhalb Prozent gesteigert werden. Trotzdem bleiben von fünf Einbruchsfällen fast vier ungelöst. „Die Täter richten ihr ganzes Verhalten darauf aus, unentdeckt zu bleiben“, erklärt Karb. Weil sie die Türen und Fenster in der Regel mit normalen Schraubenziehern aufhebeln und Handschuhe tragen, um keine Fingerabdrücke zu hinterlassen, sei die Spurenlage meist schlecht. Die Ermittler stünden oft vor der Aufgabe, sozusagen „aus nichts etwas zu machen“.

Umso größer ist die Freude, wenn es doch gelingt, einen Täter zu ermitteln und festzunehmen. Im Mai ging der Polizei am Frankfurter Hauptbahnhof ein 40-jähriger Mann ins Netz, der insgesamt in mehr als 900 Wohnungen in Hessen, Bayern und Nordrhein-Westfalen eingebrochen sein soll. „Der Mann hebelte die Eingangstüren auf und stahl die Wertsachen aus dem Flur“, sagt Karb. Anders als andere Einbrecher sei er gar nicht weiter in die Häuser und Wohnungen vorgedrungen.

2016 ermittelte die Frankfurter Polizei insgesamt 194 Tatverdächtige. Das Spektrum reichte von Einzeltätern aus der Stadt bis zu Personen, die zu mobilen ausländischen Tätergruppen gehören. Gut 70 Prozent der Tatverdächtigen, die 2016 ermittelt wurden, waren Ausländer, fast 58 Prozent hatten keinen festen Wohnsitz. In Frankfurt seien die nördlichen und südlichen Stadtteile mit guter Verkehrsanbindung besonders stark von Einbrüchen betroffen, sagt Kriminalist Karb. Es gebe aber auch „weiße Flecken auf dem Stadtplan“, an denen so gut wie nie eingebrochen werde. „Das sind zum Beispiel Straßen mit stark vernetzten Nachbarn, wo ein Fremder sofort auffällt, oder Sackgassen ohne Fluchtmöglichkeiten, in denen man als Täter in der Falle sitzt.“

Die tägliche Zahl der Einbruchsmeldungen in Frankfurt schwankt nach Karbs Angaben stark: Mal gehe überhaupt keine Meldung ein, mal seien es mehrere Dutzend. Im zweiten Fall haben die Mitarbeiter der „Tatortgruppe“ besonders viel zu tun. Sie rücken bei einer Einbruchsmeldung sofort aus, um Spuren zu sichern und die Opfer zu befragen. Am Ende fertigen sie einen Bericht für das K 21 an, dessen Ermittler den Fall weiterbearbeiten. Die Kriminalisten suchen auch nach wiederkehrenden Mustern – zum Beispiel beim Vorgehen der Täter –, um Einbruchsserien zu erkennen.

„Einbrüche sind für die Opfer oft traumatische Erlebnisse“, sagt Julia Meyer, Leiterin der Frankfurter Kriminalinspektion 21, zu der das Einbruchskommissariat gehört. Die Vorstellung, dass ein Fremder in der Wohnung war und herumgewühlt hat, sei für viele Menschen eine große Belastung. „Das geht manchmal so weit, dass die Betroffenen ausziehen.“

Die Frage, was die Einbrecher vor allem stehlen, können die Einbruchsspezialisten übrigens kurz und knapp beantworten: „Geld und Schmuck.“

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