Maja Wolff
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Maja Wolff

Grüne-Soße-Festival

"Jetzt kann jeder mitmachen, in der ganzen Region"

  • vonUte Vetter
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Maja Wolff trotzt der Pandemie mit einer Gala im Frankfurter Frischezentrum

Sie ist vieles, diese Maja Wolff: Künstlerin, Schauspielerin, Kabarettistin und engagierte Frankfurterin. Vor 13 Jahren initiierte sie mit Torsten Müller das Grüne-Soße-Festival, packte 2017 und 2019 den Grüne-Soße-Tag drauf und zwei Weltrekordversuche im Grüne-Soße-Essen. Nun hat Corona sie wie viele andere ausgebremst. Doch sie geht mit einer besonderen Gala an den Start, wie sie Redakteurin Ute Vetter erzählt.

Frau Wolff, Sie hatten im März bereits 5000 Tickets fürs Festival verkauft. Dann kam Corona. Wie war das?

Das war unwirklich und löste in beruflicher Hinsicht zuerst eine Schockstarre aus. Aber auch interessiertes Staunen, dass ein Virus in diese Zeit grätscht - zwischen Greta Thunberg und weltpolitischen Verirrungen.

Was hat das für Auswirkungen auf die Grüne-Soße-Festival GmbH?

Wir sind wie viele andere damit beschäftigt, unsere Firma irgendwie über die Runden zu bekommen. Wir suchen Unterstützer und versuchen bei allen Entscheidungen Risiken zu meiden.

Und die Mitarbeiter?

Wir hatten alle in Kurzarbeit, die "Freien" waren schlagartig ohne Arbeit.

Hat die Stadt geholfen, wurden Sie unterstützt?

In den ersten Monaten hatte ich den Eindruck, jetzt gilt "Hilf Dir selbst". Das lag daran, dass auf einmal gefühlt alle Leute nicht mehr zurechtkamen. Dann sucht man das Naheliegende, die Soforthilfe, den Vermieter usw. Wir überlegten ständig, wer uns wie helfen kann. Da helfen stabile Partnerschaften und eine große Sympathie, die wir hier genießen.

Sie wollten das Festival trotz Corona im Herbst organisieren?

Ja, das Team hat viele Ideen entwickelt und geprüft, etwa Test-Essen im Autokino. Doch bei der Vorstellung, dass jemand sieben Gläschen mit Kartoffeln, Eiern und Abstimmkarte durchs Fenster gereicht bekommt, war Schluss.

Was folgte daraus?

Wir kamen auf die starke Idee, die Show in drei Kirchen gleichzeitig zu spielen. Wie man uns kennt, also im Dom, in der Heiliggeist- und der Paulskirche. Durch meine vielen sozialen Projekte und den Wunsch, Dinge zu verändern in Richtung Gemeinschaft und Miteinander habe ich vor Hürden keine Angst - aber diese war definitiv zu hoch.

Und jetzt?

Nach einer sechstägigen Flucht ans Meer entstand die Idee mit dem Live-Stream in die Gastronomie. Wir kamen darauf, weil wir stets überlegt haben, was hilft jetzt eigentlich? Wie macht man es so, dass nicht nur wir unseren Arsch retten? Jetzt ist eine große Gala geplant am 10. Oktober im Frischezentrum Kalbach.

Eine Gala zwischen Gemüse?

Wir haben nach einer spektakulären Live-Location gesucht mit viel Platz, weil niemand vorhersehen kann, wie die Abstandsregeln sind. Die Show zeigen wir per Livestream in vielen Lokalen in Frankfurt und Umgebung. Alle Künstler haben zugesagt, wir werden eine tollen Abend bieten.

Die Gala findet also in vielen Restaurants, Hotels und Lokalen statt. Nur in Frankfurt oder auch in der Region?

Toll ist, jetzt kann jeder mitmachen. In der ganzen Region - überall da, wo man Gäste mit Grüner Soße, Kartoffeln und Eiern bewirten und einen Live-Stream zeigen kann. So können viele Gastronomen einen Event veranstalten, gleichzeitig findet unsere Love-Mark "Grie Soß" neue Wege - raus aus Frankfurt in die Welt.

Ein Gast schaut sich in einem Lokal den Gala-Livestream an und bekommt Grüne Soße mit Beilagen serviert?

Genau. Viele Lokale machen das ja auch beim Fußball und sind technisch gut ausgestattet. Die Herausforderung ist, die Show so zu gestalten, dass wir die Zuschauer am Bildschirm nicht verlieren. Hierzu wird es eine Guideline geben, die Tipps für ein Festivalfeeling bietet. Alle kennen es vom Public Viewing. Es schafft Gemeinschaftsgefühl und ist in dem Fall eine tolle Alternative.

Wie viele Gastronomiebetriebe machen bisher mit?

Bis jetzt sind es fast 40 Gastronomiebetriebe und Locations in Frankfurt, aber auch in Bad Vilbel, Bad Nauheim, Darmstadt, Glauburg, Hanau, Karben, Taunusstein, Oberursel. Wer seine Lieblings-Location vermisst, kann sie uns vorschlagen. Die Liste gibt es auf unserer Homepage.

Wenn ich in diesen Zeiten nicht gerne ausgehe, kann ich die Gala auch außerhalb der Gastronomie sehen?

Ja. Man kann den Livestream-Link separat auf unserer Homepage für 7 Euro kaufen und zu Hause schauen. Uns ist wichtig, dass sich das jeder leisten kann.

Den Streaming-Link kann jeder kaufen?

Ja, unbedingt, den muss jeder kaufen! Neben dem Stream bieten wir auch eine "Anleitung zur Abendgestaltung". Der Stream wird in diversen Kombinationen verkauft, die alle das Ziel haben, dass Menschen den Abend miteinander genießen.

Was ist mit jenen, die nicht zu Hause streamen können?

Für ältere Menschen und solche, die nicht im Netz unterwegs sind suchen wir noch Möglichkeiten. Wir sind etwa in Gespräche, dass es in allen Gemeindesälen den Livestream zu sehen gibt. Wir geben alles, damit "jeder" dabei sein kann.

Mit den Live-Streams versuchen Sie, den Ausfall von 5000 verkauften Tickets zu kompensieren. Kann das gelingen?

Wenn möglichst viele den Link für die Gala kaufen, wäre das ein gutes Signal. Aber wir wissen, was möglich ist und wie viel Zeit es braucht, etwas Neues zu etablieren. Das Wunder vom Frischezentrum (lacht). Wir freuen uns, wenn wir ins Ziel kommen. Das ist auch ein Wert in einer solchen Zeit. Nicht nur das Ergebnis zählt.

Was ist die Grüne-Soße-Box? Wann sollte man die bestellen, wann wird sie geliefert?

Wir machen Grüne-Soße-Boxen in allen Varianten, alles kommt mit der Post: "Kräuter pur". Es gibt die Box zum "Selbermachen" mit allen Zutaten und die "Fertigbox" mit einer Soße direkt vom Erzeuger sowie Kartoffeln und Eiern. Bestellt werden sollte am besten sofort, denn das Angebot ist nicht unbegrenzt. Bis zum 2. Oktober hat man eine Chance. Danach wird gepackt und versendet, damit alles rechtzeitig da ist. In allen Boxen ist der Livestream-Link mit enthalten.

Den Wettbewerb um die beste Grüne Soße gibt es diesmal nicht. Warum?

Wir sind seit Jahren in Kontakt mit der Gastronomie - auch jetzt. Der größte Wettbewerb für die Gastronomie heißt Corona. Niemand braucht jetzt die beste Grüne Soße der Stadt - wir brauchen Zusammenhalt. Der Wettkampf ist normalerweise ein Spaß, aber der ist den meisten gerade ziemlich vergangen. Das, was wir jetzt machen, unterstützt die Gastronomie und sie unterstützt uns. So ist es richtig.

Sie organisieren auch einen Spenden-Marathon noch bis 10. Oktober unter dem Motto "Kräuter für Künstler". Was steckt dahinter?

Wir wollten etwas für die gesamte Kultur tun, ein Zeichen der Unterstützung und des Miteinanders setzen für die Künstler und Kultureinrichtungen in Frankfurt und der Region. Viele sind durch die Pandemie unverschuldet in Not geraten. Wir wollen beim Genießen einer Grünen Soße daran erinnern, die Kultur nicht zu vergessen. Das Ganze funktioniert unkompliziert über einen QR-Code und mit dem Smartphone.

Wer ist Empfänger?

Ein Drittel der Spenden geht an die Initiative Kulturzeiter, die einzelne Künstler und Kulturschaffende unterstützt. Zwei Drittel gehen an freie Theater in der Region. Über diese Vergabe entscheidet ein siebenköpfiges ehrenamtliches Experten-Gremium. Wichtig: Das Grüne-Soße-Festival selbst profitiert in keiner Weise von dem Spendenmarathon. Wir wollen nur die Bekanntheit des Festivals nutzen, um viele Spenden zu generieren.

Wer organisiert und verwaltet das?

Es gibt einen neuen gemeinnützigen Verein "Grie Soß United e.V.", der die Spenden verwaltet. Das ist die erste große Aktion dieses Vereins. Weitere Aktivitäten sollen folgen.

Sie gelten als Hohepriesterin der Grünen Soße, engagieren sich für diese als "Love-Mark". Warum?

Keine Ahnung. Es ist die Liebe zur Stadt und es war die Herausforderung, aus ein paar Kräutern Kunst zu machen. Da die Grüne Soße schon lange viel zu günstig verkauft wird und die Gärtner sowieso ächzen hoffe ich jedenfalls nicht darauf, dass wir eines Tages am Gewinn beteiligt werden. Für mich bleibt es Kunst.

Für Ihre Ideen und ihr Engagement werden sie viel gelobt, auch von der Politik. Wie unterstützt letztere Sie?

Im Moment ist das sehr schwer zu sagen. Wie gesagt, alle sind sehr mit sich beschäftigt. Es sind die Netzwerke, die helfen, Unterstützer in der Stadt und beim Land. Was uns trägt, ist der Blick auf alle. Wir sind nicht die einzigen, die sich aus der Krise schuften müssen.

Sie sind Kulturschaffende und Unternehmerin. Wie gelingt Ihnen der Spagat?

Ich finde das spannend - aber im Moment macht es mich manchmal sehr empfindlich. Als Künstlerin muss ich mir Räume schaffen, in denen ich in die Luft gucke. Aus Leere entstehen gute Ideen und Kunst hat andere Gesetze. Als Unternehmerin muss ich 16 Stunden am Tag arbeiten und mein Team motivieren, diesen steinigen Weg jetzt zu gehen. Ich kann nicht lange nachdenken, ob alles richtig ist. Fehler einstecken, weiter gehen. Und an den Erfolg glauben. Wer jetzt sagt, dass es reicht, die Ärmel hochzukrempeln, um gut aus der Krise zu kommen, der täuscht sich - das gilt nicht für unsere Branche.

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