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Haben beide Grund zum Lächeln: Professor Ulrich Rieger (links) wegen der gelungenen Operationen, Otabek (rechts), weil er heute endlich nach Hause nach Usbekistan fliegen darf.

Ehrenamtliche Besucher gesucht

Hilfsprojekt hilft Kindern mit Verletzungen aus fernen Ländern

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Bis zu 400 Kinder holt "Friedensdorf International" jährlich für Operationen nach Deutschland. Dem zehnjährigen Otabek wird im Frankfurter Markus Krankenhaus geholfen.

Frankfurt - Auf einen Schlag ändert sich 2015 das Leben des damals sechsjährigen Otabek. Bei einer Gasexplosion in seiner Heimatprovinz Samarkand in Usbekistan erleidet er Verbrennungen dritten Grades. Die Haut an Hals, Händen und Teilen von Oberkörper und Kopf wird komplett zerstört. Otabek überlebt das Unglück. Aber die Erstversorgung in Usbekistan ist mangelhaft. "Bei uns würde man in so einem Fall das zerstörte Gewebe komplett abtragen und Haut transplantieren", sagt Professor Ulrich Rieger(43). Rieger ist Chefarzt der plastischen Chirurgie am Frankfurter Agaplesion Markus Krankenhaus. Bei Otabek ist das nicht passiert. Über Wochen baute sein Körper das zerstörte Gewebe ab und ersetzte es durch Narbengewebe. Viel Narbengewebe.

Bewegung eingeschränkt

"Am Hals waren Otabeks Narben bis zu zwei Zentimeter dick und bretthart", sagt Professor Rieger. Den Kopf drehen, neigen, selbst den Mund schließen, das ging alles nicht, als Otabek vor einem Jahr nach Deutschland kam.

Die Hilfsorganisation "Friedensdorf International" mit Hauptsitz in Oberhausen hat ihn für die notwendigen Operationen eingeflogen. "300 bis 400 Kinder holen wir pro Jahr nach Deutschland, die meisten davon aus Afghanistan. Zweimal pro Jahr, im Februar und August, fliegen wir von dort Kinder ein", berichtet Rita Hornung. Die 50-Jährige koordiniert von Sommerkahl bei Aschaffenburg aus für Süddeutschland die Verteilung der Kinder auf Krankenhäuser. Keine leichte Aufgabe, denn in Zeiten, in denen Kliniken unter wirtschaftlichem Druck stehen, erhält Hornung auch immer wieder Absagen.

Nicht so vom Markus Krankenhaus. "In den sechs Jahren, die ich hier im Haus bin, haben wir pro Jahr ein bis zwei Kinder pro bono operiert. Wir Ärzte stellen dabei unsere Expertise zur Verfügung, das Krankenhaus stellt kostenfrei das Bett bereit und sichert die anschließende Versorgung. Bisher hat unsere Geschäftsführung eine Anfrage von Friedensdorf International noch nie abgelehnt", betont Rieger.

Vier Operationen musste Otabek hier durchstehen. Das Narbengewebe am Hals wurde abgetragen und ein Gewebeersatz aufgebracht. 3000 Euro koste dieser, erklärt Rieger. "Die Firma Integra hat es uns für Otabek kostenfrei zur Verfügung gestellt. Auch das Sanitätshaus Raab unterstützt uns mit kostenfreien Handschienen nach Maß", sagt der Chefarzt. Sie sind notwendig, weil auch noch zusammengewachsene Finger von Otabek getrennt wurden.

Tapferer Patient

Starke Schmerzen habe er nach den Operationen gehabt, bestätigt Otabek nickend. Abgelenkt wurde er davon durch die Besuche ehrenamtlicher Helfer von "Friedensdorf International". Bestimmt spielten sie mit ihm auch sein Lieblingsspiel: Memory. Heute wird er das einpacken, denn morgen fliegt Otabek endlich wieder nach Hause. Ganz verheilt sind seine Wunden nicht, aber den dicken weißen Verband am Hals wechselt der Junge selbst. "Er weiß genau, wie das geht", erzählt Lara Küenzlen (33), Fachärztin für plastische Chirurgie, und man sieht ihr den Stolz auf ihren Patienten an. Alle im Markus Krankenhaus haben Otabek ins Herz geschlossen, "er wurde von Ärzten, Pflegern und Mitpatienten rührend umsorgt", erzählt Rieger. Vielleicht werden sie ihn noch mal wieder sehen. "Otabek soll in einem halben Jahr Fotos schicken. Dann sehen wir, ob Folgeoperationen notwendig sind." Doch jetzt lächelt Otabek erstmal bei dem Gedanken an zu Hause. Dank der Operationen kann er das wieder.

Mehrfach im Jahr werden von "Friedensdorf International" betreute Kinder in verschiedenen Frankfurter Krankenhäusern operiert. Die Kinder kommen beispielsweise aus Afghanistan, Usbekistan oder Angola und sind ohne ihre Familien in Deutschland. Durch Aufenthalte im Friedensdorf verstehen die meisten etwas deutsch. Oft liegen die kleinen Patienten mehrere Wochen im Krankenhaus. "Friedensdorf International" sucht immer Ehrenamtliche, die die Kinder regelmäßig besuchen. Wer Interesse hat, wendet sich per E-Mail an sommerkahl@friedensdorf.de  
ako

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