In seinem Leben hat Packo Jansen schon so ziemlich alles verpackt. Warum nicht auch einmal sich selbst? Morgen aber ist Schluss. Dann schließt der 82 Jahre alte Mann mit den vielen Ideen sein Geschäft auf der Berliner Straße.
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In seinem Leben hat Packo Jansen schon so ziemlich alles verpackt. Warum nicht auch einmal sich selbst? Morgen aber ist Schluss. Dann schließt der 82 Jahre alte Mann mit den vielen Ideen sein Geschäft auf der Berliner Straße.

Einzelhandel in Frankfurt

Jetzt verpackt sich Packo selbst als Päckchen

  • vonSabine Schramek
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Nach 33 Jahren schließt am Samstag der einzigartige Laden für immer

Es gibt wohl kaum jemanden, der nicht schon staunend vor den großen Schaufenstern mit pinkfarbener Beschriftung an der Berliner Straße 72 gestanden hat. Seit 1987 hat Packo Jansen hier alles geplant, verpackt und verschönert, was es überhaupt als Geschenk zu verpacken gibt. Vom Verlobungsring bis zum Pferd und einem kompletten Hotel. Wegen Corona ist hier am Samstag aber endgültig Schluss mit kunterbunten Päckchen.

Kistchen, Kästen und bunte Kartons

Wo man hinsieht, stapeln und reihen sich Schleifen, Geschenkpapier, Kistchen, Kästchen, Kartons und dubioses Verpackungsmaterial aller Art. Mittendrin steht ein großer, schlanker Mann mit langen grauen Haaren, hellwachen blauen Augen und farblich passendem Pullover. "Es war eine schöne Zeit. Sie war großartig und spaßig", sagt Packo Jansen (82) mit sanfter Stimme. Mit offenen Armen begrüßt er Kunden, die es nicht glauben können, dass er aufhört, und gleich stapelweise edelstes Geschenkpapier und Seidenschleifen kaufen.

"Packo ist nicht irgendwer in irgendeinem Laden. Packo ist pure Kunst und eine richtige Frankfurter Institution", sagt eine ältere Dame in weißem Leinenkleid. "Er ist wie Christo, nur eben als Packo", fügt ihre Begleitung mit Tränen in den Augen hinzu.

"Geschenkverpacken" lautet Jansens Slogan, der weit untertrieben ist. In 33 Jahren hat er ganze Flugzeuge eingepackt, Betonmischmaschinen mit Pumpe, ein Hotel, Autos einzeln und im Zehnerpack, ein Pferd, Weihnachtsmarktbuden, Statuen, eine Geliebte, Träume, Messestände und alles, was sich als Geschenk verpacken lässt. Nur sich selber hat er bis heute nicht verpackt. Lachend wickelt er sich spontan von oben bis unten in knallrotes Glitzerpapier und lässt sich mit ebenso glitzernden grünen Schleifen zubinden. Nur das Gesicht bleibt zu sehen. "Heute gehe ich mal als Flasche", sagt er fröhlich, obwohl ihm gar nicht so ganz froh zumute ist. Der letzte Verkaufstag ist Samstag.

"Mit Corona kam der komplette Umsatzeinbruch. Ein Einbruch von 100 Prozent", sagt er. Eine Einigung mit den Vermietern gelang nicht. "Nach 33 Jahren ist das schon bitter, wenn man raus muss", sagt er leise, lächelt aber schnell wieder. Als zweiten Grund nennt er sein hohes Alter, das man dem schlanken, drahtigen Mann nicht ansieht. "Da macht man schon mal Fehler. Vielleicht ist das Ende deshalb auch gut", muntert er sich selbst auf.

Je mehr Kunden noch mal zu ihm kommen und die Schließung zutiefst bedauern, desto sicherer ist er sich, dass "sie sogar noch trauriger sind als ich selber". Immer wieder hört er, dass er nicht aufhören dürfe, dass man ihn vermissen würde, und viele bieten ihre Hilfe an. "Mir ist nicht zu helfen. Das Ende so ist zwar nicht schön, aber es muss ja weitergehen." Sein Optimismus ist unerschütterlich.

Der schönste Job der Welt

Als Verpackungskünstler hat er Jahrzehnte lang pure Freude, Überraschungen und Glück verkauft. Offenbar ist das ansteckend. "Für mich ist das der schönste Job der Welt. Vor allem für die vielen Komplimente, die ich bekomme, wenn etwas Verpacktes den Empfänger verzaubert, lohnt sich die gesamte Kreativität und der Aufwand."

Jansen war ursprünglich Marketing- und Produktmanager bei einem großen amerikanischen Konzern. Mit 49 Jahren wurde ihm klar, dass er nicht weiter in Abhängigkeit von CEOs leben wollte. Er kündigte und dachte drei Monate lang nach. Selbstständig wollte er werden. Bei einem befreundeten Juwelier kam ihm die Spontanidee des Verpackens. "Mein Kumpel erklärte mich für verrückt, als ich sagte, dass jeder mit jedem nur erdenklichen Wunsch und Auftrag zu mir kommen sollte."

Der Freund hatte Unrecht, denn Packo Jansen löste einen bundesweiten Boom aus. "Nicht mal ein Prozent der Kunden waren nicht glücklich", strahlt der Mann, der sein Verpackungsmaterial sorgfältig zusammenräumt. Dazwischen finden sich Ordner und Mappen, die voll sind mit Fotos und Zeitungsartikeln über seine Verpackungskunst. Verlobungsringe verpackte er in selbst gebauten Moosgärten in flachen Kartons, Geld in kunstvollen Bildern oder raschelndem Seidenpapier. Von außen ist niemals zu erkennen, was drinsteckt. In Jansen steckt jedenfalls ein Mann voller Optimismus, Kreativität und Herz. "Am Sonntag ist hier alles vorbei."

Er schmunzelt, denn er hört noch lange nicht auf. "Mein Sohn Frank (52) hat in Schlossborn im Taunus einen Online-Shop für Fahrräder und Zubehör. Er hat mir angeboten, bei ihm Räder zu verpacken. Ein schöneres Geschenk von einem Sohn an seinen Vater kann ich mir nicht vorstellen." SABINE SCHRAMEK

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