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Frankfurts Bürohochhäuser sind laut des Beratungsunternehmens Jones Lang LaSalle wieder stärker gefragt. Der Flächenumsatz war im Vorjahr sogar so groß wie nie.

Immobilienmarkt

Jetzt werden in Frankfurt auch die Büroflächen knapp

Dass Wohnungen in Frankfurt knapp sind, ist längst bekannt. Doch nun scheint es sich auch auf dem Büromarkt in diese Richtung zu entwickeln, wie das Beratungsunternehmen Jones Lang LaSalle gestern für das vergangene Jahr bilanzierte.

Die Nachfrage nach Büros ist in der Mainmetropole so stark wie nie. Bereits im vergangenen Jahr habe sich die derzeitige Nachfrage nach großen und modernen Büroflächen abgezeichnet, berichteten die Fachleute des Beratungsunternehmens Jones Lang LaSalle (JLL) gestern. Und dennoch wurden sie von den Zahlen überrascht: „Wir haben am Ende des Jahres 2017 erwartet, dass der Umsatz rund 450 000 Quadratmeter erreichen werde, doch wurden in Frankfurt am Ende des Jahres tatsächlich über 711 000 Quadratmeter umgesetzt“, berichtete Markus Kullmann, Leiter der Vermietung von Büroimmobilien bei JLL.

„Damit“, bilanzierte er, „hat Frankfurt sogar das beste Jahr in seiner Bürovermietungsgeschichte erreicht.“ Allerdings relativierte Kullmann diese Entwicklung mit dem Hinweis auf zwei große Flächenvermietungen. Die Deutsche Bundesbank hat ein Ausweichquartier wegen des Umbaus ihrer Zentrale mit über 44 000 Quadratmetern im 142-Meter-Hochhaus des Frankfurter Businesscenters an der Mainzer Landstraße für seine rund 2000 Mitarbeiter gefunden und die Bahn AG mietete in der City West 53 000 Quadratmeter.

Weiter berichtete Kullmann über ein neues Segment im Büromarkt, das sich in Frankfurt auf 46 000 Quadratmetern etabliert hat: Die sogenannten „Flexible Workspaces“, hier kann man sich Büros für kürzere oder längere Zeiträume flexibel in den notwendigen Größen anmieten. Davon hat sich allein das Unternehmen WeWork in der neu strukturierten „Upper Zeil“ zwischen Kaufhof und My Zeil rund 10 000 Quadratmeter gesichert.

Überrascht zeigte sich der Immobilienberater über die Hanauer Landstraße. Dort hat Lang & Cie das ehemalige Raab-Karcher-Areal mit 60 000 Quadratmetern oberirdisch fast fertiggestellt. Acht Häuser wurden errichtet, darunter zwei Hotels, von denen das erste den Betrieb bereits aufgenommen hat.

Im Fokus der Immobilienwirtschaft ist auch bereits der Kaiserlei, wo die Mieten nach Angaben von JLL zwischen 8 und 11,50 Euro pro Quadratmeter und Monat kosten. Überhaupt nehmen Immobilienentwickler jetzt auch die sogenannten B-Standorte ins Visier. In diesen für Frankfurt von der Gesellschaft für Immobilienforschung etablierten Radius gehören neben dem Kaiserlei auch Eschborn und der Flughafen zum Stadtgebiet.

Nach Beobachtung der Immobilienberater werden die Projektentwicklungen in Eschborn als Ausweichquartiere in Kauf genommen, nachdem vor einigen Jahren Frankfurt mit seinen fallenden Mietpreisen als Rückkehrhafen diente. Das Mertonviertel steht derzeit im besonderen Interesse der Branche, weil das frühere Lurgi-Haus mit über 87 000 Quadratmetern Bürofläche verkauft wurde. Der neue Eigentümer, Aroundtown, soll vorhaben, das Gebäude mit einer Sanierung neu im Büroimmobilienmarkt zu positionieren.

Die Mieten in der Frankfurter City sind mittlerweile auf 38 Euro pro Quadratmeter im Monat gestiegen. Sie könnten bis Ende dieses Jahres nach Angaben von Beobachtern weiter auf 38,50 Euro klettern. Durch den zunehmenden Druck auf den Markt mussten zuletzt auch zwei mittelständische Unternehmen die Stadt verlassen, obwohl sie es nicht wollten. Keine passenden Grundstücke fanden die Walter Mandausch GmbH, die mit ihrem Aktenarchiv mit rund 2500 Quadratmetern nach Dietzenbach ziehen musste, sowie die Christian Bollin Armaturenfabrik. Die alteingesessene Firma produziert mittlerweile in Oberursel.

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