Baumdoktor und -sylist

Jörg Renneissen hübscht unsere Weihnachtsfichte auf

Vom 26. November an erstrahlt der traditionelle Riesen-Weihnachtsbaum auf dem Römer in voller Pracht. Dafür braucht es viele LED-Lichter und vor allem Zeit, die Jörg Renneissen jedes Jahr in die Dekoration steckt. In diesem Jahr hat er sein 20. Jubiläum als Frankfurts Baumstylist.

Baumdoktor, Make-up-Artist oder eben Baumstylist. Jörg Renneissen hat viele Namen und eine wichtige Aufgabe: das Schmücken des Frankfurter Weihnachtsbaums.

Seit 20 Jahren begibt er sich in schwindelerregende Höhen, damit die Besucher des Weihnachtsmarkts was zum Staunen haben. Ursprünglich ist er gelernter Elektromeister und Geschäftsführer der Firma „Elektro Katzmann“, die seit Jahren Frankfurts Events betreuen. „Ob Dippemess’ oder Weihnachtsmarkt, wir sorgen dafür, dass die Stromversorgung läuft“, sagt Renneissen. In diesem Zuge hat er auch Thomas Feda, Chef der Tourismus und Congress GmbH kennengelernt, der ihn Ende der 1990er Jahre zu seinem Baumstylisten machte.

Von der Baumauswahl bis zum 24. Dezember ist er seither Fedas wichtigster Mann, wenn es um den traditionellen Riesen-Weihnachtsbaum vor dem Römer geht. Auch diesmal war Renneissen wieder dabei, als eine Frankfurter Delegation für die Baumauswahl in den Spessart fuhr. Während sich die Jury vorrangig um die Schönheit des Baumes Gedanken machte, hatte er ein Blick auf die Hauptkriterien: ein gerade gewachsener Stamm, eine Mindesthöhe von 30 Metern und gleichmäßig starke Äste auf allen Seiten. All das hat die Spessartfichte dieses Jahr zu bieten. Und die Schönheitsmakel? Die sind für Renneissen kein Problem. „Zum Schluss sah bisher jeder Baum schön aus“, dafür sind er und sein drei Mann starkes Team Profis. Selbst als vor drei Jahren die Baumspitze durch den Transport abgebrochen wurde, wusste Renneissen Rat: „Über den kaputten Baumwipfel haben wir ein Metallrohr gestülpt und das abgebrochene Stück darin festgeschraubt. Fertig“. Der 49-Jährige versteht sein Handwerk. Auch die Spessartfichte wird wohl bei ihm in den OP müssen.

Ein paar Löcher werden noch mit Ästen aufgefüllt, damit die Fichte am Ende schön dicht aussieht. Wie viele Äste dafür noch dran geschummelt werden müssen, kann er nicht genau sagen. In der Regel so zwischen 30 und 80 Stück. „Besonders wichtig sind dabei die Seiten zur Braubachstraße und zum historischen Viertel“. Etwa ein bis zwei Tage dauert die Retusche. Danach beginnt Renneissen mit dem Schmücken. Jeder Ast wird einzeln bestückt, bis zu 4200 LED-Lichter werden dafür benötigt. Dazu kommen knapp 300 rote Riesen-Schleifen. Acht bis neun Tage stehen Renneissen und sein Team dafür bei Wind und Wetter, von morgens bis abends auf dem Kran. „Das ist nicht nur mein Beruf, sondern auch eine Leidenschaft“. Die staunenden Besucher auf dem Weihnachtsmarkt seien ausreichend Lob und Anerkennung. Die Kritik der Weihnachtsbaummeckerer lassen Renneissen kalt. Um den Weihnachtsbaum bei ihm daheim kümmert sich jedoch seine Frau. Dafür fehle ihm die Zeit, wenn er bis kurz vor Heiligabend die über 200 Stände auf dem Weihnachtsmarkt mit Strom versorgen muss. Auf die Frage, ob um den Baum nicht ein bisschen viel Tamtam gemacht wird, muss er schmunzeln. Der Baum sei nun mal das Aushängeschild der Stadt, „da ist das dann schon gerechtfertigt“.

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