"Montagsgesellschaft" Frankfurt

Joey Kelly quält sich am liebsten allein

Mein größter Erfolg? Dass mich meine Frau noch nicht verlassen hat“, lacht Joey Kelly und wird dann gleich wieder ernst. „Denn wer ist da, wenn man jemanden braucht? Die Familie.“

Mein größter Erfolg? Dass mich meine Frau noch nicht verlassen hat“, lacht Joey Kelly und wird dann gleich wieder ernst. „Denn wer ist da, wenn man jemanden braucht? Die Familie.“

Genau darum geht es an diesem Abend bei der Veranstaltung der „Montagsgesellschaft“, einem Frankfurter Verein für bürgerliches Engagement, der regelmäßig zu Vorträgen und Podiumsdiskussionen ins Falkenstein Grand Kempinski einlädt: Wer hilfebedürftig wird, kann sich glücklich schätzen über tragfähige familiäre Strukturen und wahre Freundschaften.

Einer, der davon aus leidvoller Erfahrung berichten kann, ist der Handball-Weltmeister von 1978, Joachim „Jo“ Deckarm . Seit einem Sturz auf den Hinterkopf bei einem Spiel 1979 ist er schwerbehindert, aber in seinem Umfeld bestens integriert und betreut. „Es war Glück, in dieser tollen Mannschaft von 1978 gespielt zu haben“, sagt er. Sein ehemaliger Mannschaftskollege, der Trainer der WM-Sieger-Mannschaft von 2007, Heiner Brand , ist voller Bewunderung: „Von ihm kann man Kampfgeist lernen – und was man mit unbedingtem Willen erreichen kann.“ Leidenschaft, Motivation, Freundschaft und Respekt sind Themen, die auch Brand bewegen, aber „ein echtes Team-Gefühl zu entwickeln, ist im heutigen Spitzensport deutlich schwieriger als damals bei uns“.

Als geborenen Einzelkämpfer bezeichnet sich Joey Kelly, früher Mitglied der Musikgruppe Kelly Family und inzwischen Extremsportler. „Während meiner Zeit als Bandmitglied musste ich mir den Teamgeist antrainieren, was mir schwerfiel. Aber mein Vater hat jedem Einzelnen das Gefühl gegeben, ein wichtiger Teil des großen Ganzen zu sein“, erinnert er sich. Auch wenn die Kellys stundenlang bei Eiseskälte im Freien spielten und die Motivation auf einen Tiefpunkt sank: „Am Ende überwog der Stolz, dazuzugehören.“

Diese Erfahrungen halfen ihm, stark zu sein, wenn er beim Sport auf ein Team angewiesen ist. Wie etwa beim 500-Kilometer-Wettlauf zum Südpol 2011 – unter anderem mit ZDF-Talker Markus Lanz . „Vier Leute auf vier Quadratmeter in einem Zelt. Da ist gute Stimmung wichtig, um die Motivation zu steigern. Markus Lanz hat – für mich überraschend – besonders dazu beigetragen; vor seiner Leistung habe ich größten Respekt.“

Bereits mit Anfang 20 entwickelte Joey Kelly Ambitionen zu immer neuen Herausforderungen: „Ich hatte gewettet, dass ich einen Jedermann-Triathlon schaffe. Aus diesem Glücksgefühl erwuchsen Leidenschaft und Disziplin, um diesen Weg weiterzugehen. Aber auch, wenn man seine Berufung gefunden hat, ist Spaß an der Sache wichtig, sonst würde man gar nicht den nötigen Trainingsumfang bewältigen.“ Seine außergewöhnliche Zähigkeit stellte er gerade beim 441-Kilometer-Wüstenlauf in Namibia unter Beweis.

Ob er mit seinen extrem sportlichen Aktivitäten etwas anderes kompensieren muss? Kelly lacht und überlegt: „Ist das eine Flucht – oder eine Sucht? Wäre ich ohne das unzufrieden? Nein, ich glaube nicht.“ Auch wenn er bei diesen Läufen ohne großes Publikum auskommt, genießt er die Aufmerksamkeit, die ihm die Events von Stefan Raab schenken: „Ich will mich zwar lieber über Leistung transportieren als über ,Micky-Maus-Fernsehen‘, aber diese Veranstaltungen haben einen starken Wettkampfcharakter und man tritt gegen echte Profis an“, gibt Kelly zu bedenken, der mitten in der Vorbereitung für die anstehende Wok-WM steckt.

In die Schuhe seiner Schwester Maite will er nicht schlüpfen: „Sie hat bei ,Let’s Dance‘ die Fahne der Familie hochgehalten. Wenn ich da mitmache, will ich Höchstleistung bringen, doch ich würde zwei Jahre Vorbereitung brauchen, weil ich so steif bin.“ So will er das lieber bleiben lassen – ebenso

wie ein musikalisches Engagement: „Eine Joey-Kelly-Solomusik braucht kein Mensch. Ich bleibe da, wo meine Stärken sind.“

(skr)

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