+
Frankfurt wird überaus realistisch wiedergeben: Die Simulatoren für Tram-Fahrer hat die VGF seit 2017 in Betrieb.

Verkehrsgesellschaft

Journalisten verursachen am Fahrsimulator der Straßenbahn einige Unfälle

  • schließen

Im Betriebshof an der Mannheimer Straße schult die Verkehrsgesellschaft Frankfurt ihre Straßenbahnfahrer. Journalisten durften gestern mal Platz nehmen im Führerstand einer Tram.

Um ehrlich zu sein, es sieht einfacher aus, als es ist. Alleine auf mein Konto gehen zwei Fußgänger (Radfahrer habe ich keine gesehen) und ein Taxi. „Kein Wunder, die Taxis sind die schlimmsten“, kommentiert Fahrlehrer Christian Wallner. Er leitet das neue Studio mit fünf Fahrsimulationen. Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt schult so rund 100 neue Fahrer pro Jahr.

Drei Monate dauert ein Kurs, der Theorie, Simulatortraining und schließlich „betreutes Fahren“ mit einem gestandenen Straßenbahnpiloten beinhaltet. Ja, es geht um die Straßenbahn. Eines von Frankfurts Nahverkehrsmitteln – nicht das schnellste, aber zum Fahren sicher das schwierigste.

Auch wenn es einfach aussieht. Ich habe mir einen Rundkurs ausgesucht, der vom Südbahnhof über den Lokalbahnhof und die Ignaz-Bubis-Brücke nach links am Römer vorbei, dann Willy-Brandt-Platz und Hauptbahnhof schließlich wieder zurück führt nach Sachsenhausen geht. Gleich am Anfang: Mein Signal springt auf Fahren, ich gebe Strom (Fahrregler ganz nach oben, um die Tram überhaupt zu beschleunigen), als von links ein Taxi bei Dunkelgelb die Kreuzung passiert und von mir erwischt wird. Opfer Nummer eins. Selbst schuld...

Das mit den zwei Fußgängern war so: An der Haltestelle Willy-Brandt-Platz habe ich hinten am Fahrzeug einen erwischt, der wohl noch in die Bahn wollte? Ich weiß nicht, wie es passiert ist. Ehrlich.

Der zweite: Das war der Zebrastreifen zwischen Römer und Paulsplatz. Ich habe meine Fahrgäste einsteigen lassen, dann Türen zu und Vollgas, auf dem Zebrastreifen ist gerade niemand. Dann war da plötzlich doch jemand, keine Ahnung woher.

Ich habe ziemlichen Respekt vor der Arbeit der Tramfahrer gewonnen. Meine Unfälle, meine überfahrenen Signale, meine Vollbremsungen waren jedoch alle so in den ersten 20 Minuten, danach hat es Klick gemacht. Ich weiß jetzt, dass es nicht geht, an der gelben Ampel noch mal Gas zu geben. Stattdessen muss man als Straßenbahnfahrer auf eine Ampel zufahren, als ob man davor zum Stehen kommen muss. Auch wenn sie Grün ist. Bei den Autofahrern, die das machen, werde ich immer zum Drängler. Auch wenn ich nur einen Fiat Panda habe.

Wichtig, ganz wichtig: Vorausschauend so fahren, dass man keine Vollbremsung einlegen muss. Also an der Haltestelle losfahren und Vollgas, aber nur bis Tempo 20 oder 30 beschleunigen und dann in konstanter Geschwindigkeit fahren. Vollgas mit 60 km/h und mehr erreichte ich eigentlich nur auf der Friedensbrücke und der Bubis-Brücke. Denn dort gibt es keine Kreuzungen.

Also, Respekt für die Tramfahrer, die das den ganzen Tag machen. Ich weiß jetzt ein bisschen, wie sich das anfühlen muss in den Schuhen eines Fahrers. Tramfahrer müssen anders denken als wir Autofahrer – und für uns empfiehlt es sich, uns ein wenig in deren Situation zu versetzen. Damit der Straßenverkehr in Frankfurt für alle sicherer wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare