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Ethan und Elizabeth Bensinger vor dem früheren Haus der Familie Bensinger (hinten rechts) in der Westendstraße

Filmprojek tvon Ethan Bensinger

Jüdischer Blick auf Deutschland

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Viele seiner Familienmitglieder wurden von den Nationalsozialisten ermordet, deshalb fühlte sich Ethan Bensinger in Deutschland stets unwohl. Erst die positiven Reaktionen junger Deutscher auf seinen Dokumentarfilm über jüdische Auswanderer in Chicago änderten seine Sicht auf die Heimat seiner Vorfahren. Wir haben Ethan Bensinger und andere Juden nach ihrem Blick auf Deutschland gefragt.

Eigentlich ist Frankfurt die Heimat von Ethan Bensingers Familie. In der Westendstraße 89 steht das Haus, das sein Großvater Hermann Bensinger einst baute. Doch bis vor zwei Jahren fielen Ethan Bensinger die Besuche in Deutschland stets schwer: Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 wanderte seine jüdische Familie nach Palästina aus. Ethan Bensinger, heute 67 Jahre alt, wurde in Israel geboren, wuchs in New York auf. „Nach Deutschland kam ich erstmals Mitte der 1970er Jahre als Anwalt. Es war schwer, denn ich saß Anwälten gegenüber, die 25 bis 30 Jahre älter waren. Und alles, woran ich denken konnte, war, dass diese grauhaarigen Männer mit den blauen Augen Nazis waren.“

Fuhr Bensinger im Zug, dachte er an die Güterwagen mit den vielen Deportierten: 40 Mitglieder seiner Familie wurden in Konzentrationslagern ermordet. „Sah ich einen Fabrikschornstein, dachte ich an die Krematorien von Auschwitz.“ Das änderte sich erst, als er vor zwei Jahren in Hamburg erstmals seinen Film „Refuge – Stories of the Selfhelp Home“ in Deutschland zeigte. Einen Film über die Bewohner eines jüdischen Seniorenheims in Chicago und die Schrecken, die sie in Nazi-Deutschland erlebten. Ein Film, den Bensinger nun erstmals in Frankfurt zeigte: Im Henry-und-Emma-Budge-Heim in Seckbach. „Wir erlebten so einen warmen Empfang damals in Hamburg, auch jetzt in Frankfurt. Seitdem ändert sich meine Einstellung.“

Doch werde er Deutschland wohl nie unbeschwert als Tourist bereisen, sagt Bensinger. Immer wieder holten ihn hier böse Erinnerungen ein: In einer Pension im Moseltal hing im Aufenthaltsraum das Foto eines SS-Soldaten, des Vaters des Inhabers. Beim Besuch in Worms wurde der jüdische Friedhof mit Hakenkreuzen verschandelt. Doch es gebe auch Positives, findet Bensinger. Etwa jene Menschen, die in Worms mit Kerzen am Straßenrand standen und die alten Grabsteinen säuberten. Oder die vielen schönen Gespräche mit jungen Deutschen, am Rande seiner Filmvorführungen.

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