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Jugendfeuerwehr zeigt in Griesheim ihr Können

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Wasser marsch: Die Nieder Jugendfeuerwehr zeigte einen Löschangriff auf das frühere Feuerlöscherlager der Werkfeuerwehr von Infrasite Griesheim. Bis zu 35 Prozent der Jugendfeuerwehrleute sind inzwischen Mädchen. Alle FOTOs: Holger Vonhof
Wasser marsch: Die Nieder Jugendfeuerwehr zeigte einen Löschangriff auf das frühere Feuerlöscherlager der Werkfeuerwehr von Infrasite Griesheim. Bis zu 35 Prozent der Jugendfeuerwehrleute sind inzwischen Mädchen. Alle FOTOs: Holger Vonhof © Holger Vonhof

Zur Großübung an der Frankfurter „Westside“ hatte auch das Feuerwehrmuseum geöffnet.

Die „Westside“, das ist jetzt der Industriepark Griesheim, früher Werk Griesheim der Hoechst AG, anno dazumal besser bekannt als „die Chemisch“. Der Immobilienentwickler BEOS AG hat das rund 73 Hektar große Gelände vom Eigentümer Clariant bis 2118 im Erbbaurecht übernommen und will es in ein modernes Gewerbequartier umwandeln (wir berichteten). Weil deshalb derzeit dort viel leer steht, durfte die Jugendfeuerwehr Frankfurt am Samstag ihre große Herbstabschlussübung dort abhalten: 24 von 28 Jugendwehren aus ganz Frankfurt waren dabei. „Das ist das große Familientreffen zum Jahresabschluss“, sagt Stefan Cornel, Referent für Jugendarbeit in der Geschäftsstelle der Jugendfeuerwehr.

Zwischen 10 und 17 Jahre alt sind die Jungen und Mädchen, die sich in der Jugendfeuerwehr engagieren, von Zeilsheim im Westen bis Fechenheim im Osten, von Nieder-Eschbach im Norden bis Niederrad im Süden. Rund 260 Nachwuchs-Feuerwehrleute, die den jeweiligen Freiwilligen Feuerwehren angegliedert sind, waren bei der großen Abschlussübung dabei. Hier galt es zu zeigen, was man übers Jahr praktisch gelernt hatte; jetzt geht es über die dunkle Jahreszeit eher in die Theoriestunden. Die Jugendfeuerwehrleute rückten mit sieben Löschzügen an, denn sieben Schadenslagen galt es zu meistern, vom Gebäudebrand mit Menschenrettung über einen Verkehrsunfall bis zur Gefahrenlage mit dem Austritt „giftiger“ Stoffe. Rund 30 Darsteller spielten die „Verletzten“ und waren entsprechend geschminkt; an mehreren Stellen des weitläufigen Geländes quoll Rauch aus den Fenstern. Fast 40 Fahrzeuge waren im Einsatz und rauschten über die Fritz-Klatte-Straße auf das „Westside“-Gelände; die Zuschauer - fast alle aus der Feuerwehr-Familie - hatten sich vor der ehemaligen Feuerwache der früheren Betreibergesellschaft Infrasite Griesheim versammelt, wo die Freiwillige Feuerwehr Enkheim auch den Grill für die Wurst nach getaner Arbeit aufgebaut hatte.

Stadtbrandinspektor Dirk Rübesamen, Stadtjugendfeuerwehrwart Christoph Gauderer und seine Stellvertreterin Melinda Fleckner, die die Großübung organisiert hatte, schauten zusammen mit Vertretern aus dem Römer auf dem weitläufigen Gelände mal hier, mal dort vorbei und sahen den Jungen und Mädchen beim Retten, Löschen und Bergen zu. „30 bis 35 Prozent sind Mädchen“, freut sich Melinda Fleckner: Feuerwehr ist keine Männerdomäne mehr. In vielen Stadtteilen habe die Kooperation mit Schulen, die Jugendfeuerwehr als Wahlpflicht- oder Projektunterricht anbieten, Kinder und Jugendliche für die lokale Stadtteilwehr begeistern können.

Auf große Begeisterung stieß beim Publikum auch der Einblick ins Feuerwehrmuseum, das seit 2019 in der früheren Werkfeuerwehrwache eingerichtet worden ist. Eigentlich hatte der Kreisfeuerwehrverband Wache, Hallen und Werkstätten als Katastrophenschutzlager angemietet (wir berichteten), konnte mit dem Bürogebäude aber nichts anfangen, weil die Räume zu klein und nicht mit dem Stapler befahrbar sind. Also ist der 2009 gegründete Feuerwehrgeschichts- und Museumsverein dort mit seiner Sammlung eingezogen. Und die kann sich sehen lassen: In der Halle steht seit August der Rettungshubschrauber Christoph II neben dem ersten „Rüstwagen Schiene“ von 1970 und mit Pferde- oder Menschenkraft gezogenen Handpumpen-Löschwagen aus dem 19. Jahrhundert In den Räumen gibt es Einblicke in verschiedene Aspekte der Feuerwehrgeschichte, so etwa „Fernmeldemittel“ von der Türmerglocke über ein Fernmelde-Tableau von 1900 bis zu Digitalfunk, dazu alte Feuerlöscher, Feuermelder, Uniformen und Helme sowie Rettungsutensilien. Besondere Ausrüstungs-Exponate sind der um 1900 gebaute Rauchschutzhelm „Feuertaucher“, der an einen alten Taucherhelm erinnert, und eine 1,5 Tonnen schwere 2-Mann-Taucherdruckkammer. Im Obergeschoss sind Archivräume untergebracht, die von Interessierten für Recherchen genutzt werden können. Wie lange noch, das ist fraglich: „Unser Vertrag hier läuft im Juli ab“, sagt Ralf Keine vom Museumsverein. „Wir hoffen, dass wir bleiben können und in das zukünftige Konzept des Geländes integriert werden. Wir haben viel zeit und Geld hier reingesteckt.“ Holger Vonhof

Das Feuerwehrmuseum

kann nach Anmeldung besichtigt werden. Termine gibt’s unter 0174 / 1 59 56 84 oder per E-Mail an museum@fgmv.org.

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