Bunter Tisch – Höchst

Jugendliche am Rand der Gesellschaft

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Radikale Islamisten erhalten auf der ganzen Welt Zulauf junger Männer und Frauen – auch aus Deutschland. Warum aber ziehen Jugendliche überhaupt in den „heiligen Krieg“? Diese und weitere Fragen erörterte die jetzt Initiative „Bunter Tisch – Höchst miteinander“.

Das Thema ist angesichts des weiterhin tobenden Syrien-Kriegs, der Konflikte mit dem „Islamischen Staat“, den Pegida-Demonstrationen in ganz Deutschland und zuletzt wegen der Anschläge von Paris hochaktuell – insofern überraschte es nicht, dass das Stadtgespräch „Bunter Tisch – Höchst miteinander“ mit rund 40 Gästen gut besucht war. Das Thema nämlich, so stellte es der Moderator Edgar Weick vor, lautete: „Wie kommt es, dass sich unsere Nachbarskinder radikalisieren und in einen ,heiligen Krieg’ ziehen? Warum sind sie in eine Szene abgerutscht, die sie dazu verführt, ihr Leben für eine radikale Idee zu opfern? Und was lässt sich dagegen unternehmen?“

Christamaria Weber vom Amt für kulturelle Angelegenheiten stellte dabei eingangs fest, dass das Leben junger Menschen ganz allgemein von den Faktoren „Sinnfindung, Selbstfindung und Abgrenzung von Eltern, Erwachsenen und System“ dominiert werde: „Wenn die Sinnsuche dann mit Schwierigkeiten in der Familie und Diskriminierungserfahrungen zusammenfällt und man eine Gemeinschaft findet, in der einzig zählt, dass man gläubig ist, wirkt das sehr attraktiv auf junge Menschen.“ In Deutschland komme es schließlich häufig vor, berichtete Weber, dass Menschen bloß wegen arabisch klingender Namen – etwa bei der Jobsuche – „durchs Raster fallen“: „Das ist bitter und sehr kränkend für sie, weil sie sich selbstverständlich als Teil des Landes verstehen.“

Saba Nur Cheema von der Bildungsstätte Anne Frank berichtete diesbezüglich, dass sich Jugendliche „an den Rand der Gesellschaft gedrängt“ fühlten: „Frustriert, ausgeschlossen, diskriminiert.“ Die Jugendlichen fragten sich auch angesichts der medialen Berichterstattung: „Wie wird denn über uns gesprochen? Warum sind wir immer die anderen?“ Saba Nur Cheema meint deswegen, jeder müsse die Art und Weise, wie über arabischstämmige Jugendliche gesprochen werde, überprüfen: „Diese Entwicklung muss aufgefangen werden“, sagte sie.

Dass sich Jugendliche ausgerechnet im islamischen Glauben radikalisieren, erklärte Abdassamad El Yazidi vom Deutsch-Islamischen Vereinsverband Rhein-Main unter anderem über eine oftmals „gute religiöse Bindung der Familie, egal ob der Glauben dort praktiziert wird oder nicht: Teenager suchen Halt in der Religion und stellen Fragen, auf die sie oft nicht die Antworten erhalten, die sie erwarten“, sagte El Yazidi. Dieser Entwicklung müsste sich die islamische Community selbstkritisch stellen, betonte der Verbandsvertreter. Denn ansonsten fänden sich die Jugendlichen manchmal in Gruppen wieder, „welche ihre Opferrolle stärken und die jungen Menschen isolieren“. Wobei El Yazidi betonte, dass dieses Phänomen auch beispielsweise aus der rechtsradikalen Skinhead-Szene bekannt sei.

Der vierte aufgrund seines Sachverstands geladene Gast, Diether Heesemann vom Verein „Frankfurter Rechtshilfekomitee für Ausländer“, verwies daher auf den Missstand, dass es zu wenig muslimische Jugendarbeit gebe. Dies wiederum sei darauf zurückzuführen, dass das Personal „überwiegend mittelloser Moscheevereine“ – genau wie das Personal anderer Kirchen – langsam überaltere und daher andere Prioritäten als Jugendarbeit im Blick habe.

Im Recht wie in der Bildung gäbe es zudem, sagte Heesemann, „Diskriminierungspotential noch und nöcher“, könnten Frauen doch nicht mit Kopftuch an hessischen Schulen unterrichten – ihre Karrierechancen endeten somit nach dem Studium. Insgesamt forderte Diether Heesemann mehr „professionelle, multiethnisch orientierte Sozialpädagogen und Lehrer“ zum Auffangen und Aufklären von Jugendlichen.

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