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Zahl der Straftaten von Kindern in Frankfurt wieder gestiegen

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Von: Julia Lorenz

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Kinder unter 14 Jahren sind strafunmündig. Wenn sie gegen Gesetze verstoßen, werden die Vergehen als Verdachtsfall dem Jugendamt gemeldet.

Frankfurt - Die Liste der Delikte von Kindern unter 14 Jahren in Frankfurt ist lang: Ladendiebstahl, räuberische Erpressung, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Autofahren ohne Führerschein, Brandstiftung. Nachdem die polizeilichen Verdachtsmeldungen über tatverdächtige Kinder und Jugendliche 2020 deutlich zurückgegangen waren, sind sie im vergangenen Jahr wieder gestiegen und befinden sich wieder über dem Niveau von vor der Corona-Pandemie.

Das geht aus dem 14. Magistratsbericht hervor, der sich mit strafunmündigen Kindern unter 14 Jahren in Frankfurt befasst. Da diese Altersgruppe noch strafunmündig ist, spricht man allerdings nicht von Straftaten. Es handelt sich zunächst um polizeiliche Verdachtsmeldungen, die dem Jugend- und Sozialamt mitgeteilt werden.

Im Jahr 2020 gab es 303 solcher Meldungen - der niedrigste Wert in den vergangenen Jahren. Im Jahr 2021 stieg die Gesamtzahl dann aber wieder um 191 Fälle auf 494 Verdachtsmeldungen. Diese Zahl ist vergleichbar mit 2011. Damals gab es 491 Delikte, die den Sozialdiensten von der Polizei gemeldet wurden.

Der Grüneburgpark war im Sommer immer wieder Schauplatz von Zwischenfällen mit oftmals jugendlichen Straftätern. Überfälle, Raub, Schlägereien und eine Messerstecherei beschäftigten die Polizei. Zahlen für 2022 gibt es allerdings noch nicht. ARCHIVFOTO: Rainer Rüffer
Der Grüneburgpark war im Sommer immer wieder Schauplatz von Zwischenfällen mit oftmals jugendlichen Straftätern. © Rainer Rüffer

Frankfurt: Zahl der Straftaten bei jungen Menschen steigt nicht proportional mit Bevölkerungswachstum

„Der Rückgang der Meldungen im Jahr 2020 ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den pandemiebedingten Lockdown zurückzuführen“, teilt Miriam Bandar, Sprecherin von Sozialdezernentin Elke Voitl (Grüne) auf Anfrage dieser Zeitung mit und weist auf die damaligen Schließungen des Einzelhandels, Homeschooling und Einschränkungen der sozialen Kontakte hin.

Im Jahr 2010 war die Zahl der Verdachtsmeldungen noch viel höher als heutzutage. Damals lagen dem Jugend- und Sozialamt 654 gemeldete Fälle vor. Allerdings war die Zahl im Jahr 2015 zwischenzeitlich auf einen Tiefpunkt gesunken. Damals gab es lediglich 320 Verdachtsmeldungen, danach stieg die Zahl der Fälle wieder, aber nie stark. Deshalb kommt der Magistrat zu dem Schluss: „Trotz der stetig wachsenden und gestiegenen Bevölkerungszahl haben sich die Verdachtsmeldungen während der letzten zehn Jahre nicht erhöht.“

„Wir sind davon überzeugt, dass zahlreiche präventive Angebote greifen“, kommentiert Bandar den Rückgang der Meldungen seit 2010. Dazu würden Aufklärungsprogramme über Gewalt oder Drogenkonsum in Schulen, die Arbeit der Offenen Kinder- und Jugendarbeit bis hin zu weiteren Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe zählen. „Hier einen klaren Zusammenhang durch konkrete Zahlen zu erstellen ist jedoch wie im sozialen Bereich generell nur schwer möglich.“

Frankfurt: Jungen unter 14 Jahren häufiger straffällig als Mädchen

Aus den vorgelegten Zahlen geht außerdem hervor, dass bei den Jungen mehr Verdachtsmeldungen verzeichnet wurden als noch 2019, bei den Mädchen waren es hingegen etwas weniger. Der Großteil der Meldungen entfällt auf die Altersgruppen der Zwölf- bis Dreizehnjährigen.

Schaut man sich die Delikte der Mädchen und Jungen in den Jahren 2020 und 2021 genauer an, zeigt sich, dass Eigentumsdelikte mit 148 und 202 Meldungen den Großteil der Verdachtsfälle ausmachen, gefolgt von Körperverletzung mit 66 und 119 Meldungen und Sachbeschädigung mit 24 und 27 Meldungen. Zu den Eigentumsdelikten gehören unter anderem Ladendiebstahl, Fahrradklau, Unterschlagung, Hausfriedensbruch, Erpressung und Hehlerei.

Doch was passiert, wenn ein Kind unter 14 Jahren beim Klauen oder ähnlichem erwischt wird? „Nach polizeilicher Dokumentation werden Sorgeberechtigte und Jugendamt über den Verdacht der strafbaren Handlung informiert“, erklärt Miriam Bandar. Die Sozialdienste in den Sozialrathäusern prüfen daraufhin jeden Einzelfall und entscheiden, ob es sich um eine Bagatelle handelt oder ob den Familien ein Gesprächsangebot gemacht wird. „Wenn weiterer Unterstützungs- oder Beratungsbedarf vermutet wird, werden die Sorgeberechtigten kontaktiert“, erläutert Bandar. „In einem gemeinsamen Gespräch werden ihnen sowohl Möglichkeiten der niedrigschwelligen Kinder- und Jugendhilfe aufgezeigt als auch Leistungen der Erziehungshilfe vorgestellt und gegebenenfalls vermittelt.“

Frankfurt: Zwischen Mutproben und psychosozialen Problemen - Wenn Kinder straffällig werden

2021 wurden laut Magistratsbericht von den 494 Verdachtsfällen 144 als Bagatellfall eingeschätzt, ein Beratungsangebot wurde dann nicht gemacht. In 228 Fällen arbeitete der Sozialdienst bereits mit den Familien zusammen. In den 122 verbliebenen Fällen wurde den Familien ein Beratungsangebot gemacht - 59 Mal fand ein Gespräch statt, 63 Mal nicht. Insgesamt fand in den 350 nicht als Bagatelle eingestuften Fällen 287 Mal eine Beratung statt. Erfolgsquote: 82 Prozent.

Da das Beratungsangebot freiwillig ist, wurden vom Sozialdienst bei einer Ablehnung nur beim Vorliegen von Anhaltspunkten einer Kindeswohlgefährdung weitere Schritte unternommen. Im Jahr 2021 hat der Sozialdienst neun Gefährdungseinschätzungen vorgenommen.

Warum Kinder und Jugendliche straffällig werden, hat viele unterschiedliche Ursachen und Hintergründe, sagt Bandar. „Es reicht von einer Mutprobe, um sich in der Peergroup Anerkennung zu verschaffen bis hin zu psychosozialen Schwierigkeiten in ihren Lebenswelten oder eigenen Gewalterfahrungen“, schildert die Dezernatssprecherin. „Grundsätzlich kann es präventiv wirken, Kindern schon so früh wie möglich Werte zu vermitteln und ihnen diese auch vorzuleben.“ Des Weiteren spiele eine wesentliche Rolle, wie Konflikte untereinander gelöst würden. „Jeder Mensch, der mit einem jungen Menschen Umgang hat, sollte sich seines Vorbildcharakters bewusst sein“, betont Bandar. „Der eigene respektvolle Umgang mit dem jungen Menschen als auch der respektvolle Umgang mit anderen Personen sind prägend für dessen weitere Entwicklung.“ (Julia Lorenz)

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