Auf in den Kampf zum Wohl der Bäume: Mit viel Enthusiasmus und Gießkannen bewaffnet starten Hugo (mit Brille) und Henri Schulte ihre Initiative im Lasten-Fahrrad ihre Mutter Anja. Mit dabei als Unterstützer: Oliver Bomsdorf und Andrea Ernesti.
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Auf in den Kampf zum Wohl der Bäume: Mit viel Enthusiasmus und Gießkannen bewaffnet starten Hugo (mit Brille) und Henri Schulte ihre Initiative im Lasten-Fahrrad ihre Mutter Anja. Mit dabei als Unterstützer: Oliver Bomsdorf und Andrea Ernesti.

Klimawandel

Junge Naturschützer helfen Bäumen - nach dem Gießkannenprinzip

  • Michael Forst
    vonMichael Forst
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Die Brüder Hugo (8) und Henri (7) haben eine Hilfsaktion für hitzegeplagte Pflanzen an der Königsteiner Straße gestartet.

Hugo und Henri haben eine Menge vor. Unter anderem wollen die beiden Brüder aus Höchst alle Bienen retten, die Nashörner in Afrika vor Wilderern schützen und den Klimawandel stoppen. Am liebsten alles gleich und sofort. Doch ihre Mama, Anja Schulte, rät zu kleineren Schritten.

Und genau in diesem Sinne starten Hugo (8) und Henri (7) gerade mit einer Initiative zum Gießen der unter der Sommerhitze leidenden Bäume entlang der Königsteiner Straße: Chauffiert in Anja Schultes Lastenfahrrad, fahren sie ab Anfang nächster Woche von Haus zu Haus, werfen kreativ gestaltete Flugblätter in die Briefkästen, sprechen mit Passanten und leisten Überzeugungsarbeit für ihren Plan.

Den haben die beiden genau ausgearbeitet: "Wenn sich für jeden Baum zwei Häuser zuständig fühlen, dann müsste eine Familie ungefähr alle zehn Tage gießen", informiert ihr Blatt. "Für den Baum zählt jeder Tropfen, also wäre es super, wenn Ihr dem Baum so ein bis zwei Gießkannen voll Wasser gönnt," heißt es darin weiter. Auch das große Ziel ist genau formuliert: "So können wir unsere Allee noch lange genießen und die Bäume spenden uns allen in den heißen Sommermonaten Schatten."

Zeichnung zeigt den Plan genau

Damit's auch wirklich jeder kapiert, haben die Jungs noch eine Zeichnung dazu gestellt, die das Prinzip veranschaulicht: "Gießkanne + trockener Baum = gesunder Baum mit stolzer grüner Krone". Noch Fragen? Ja! Wie sind Hugo und Henri auf diese Idee gekommen - da stecken doch bestimmt die Eltern dahinter? Anja Schulte winkt beim Treffen mit dieser Zeitung auf der Kö ab: "Meine Söhne haben vor einigen Wochen im Radio einen Beitrag über die leidenden Stadtbäume gehört", erzählt sie. Das habe beide sehr beschäftigt, und beim Abendessen sei die Frage aufgekommen, wie sie denn den in der unmittelbaren Umgebung wachsenden Bäumen helfen könnten.

Projekt findet die ersten Unterstützer

"Täglich selber gießen", war der erste Einfall des Brüderpaares - von der Konrad-Glatt-Straße bis zur Esso-Tankstelle in Unterliederbach. Das sei doch etwas zu viel Arbeit, gab die Mama zu bedenken und beauftragte ihre Söhne, sich etwas anderes einfallen zu lassen. Die Idee zur nachbarschaftlichen Rettungsaktion nach dem "Gießkannenprinzip" war geboren.

Und die findet bereits eifrige Unterstützer: "Ich war sofort begeistert", berichtet etwa Oliver Bomsdorf vom Online-Design-Geschäft "What's next", der die Flugblätter gestaltet und druckt. "Vor allem, dass dieser Einfall von den Kindern kommt, finde ich großartig." Auch bei Andrea Ernesti, Besitzerin des Blumenladens "Orchidee" an der Kö, fiel die Idee auf fruchtbaren Boden. Das Wohl der Bäume in ihrer Straße ist der Pflanzenexpertin ohnehin ein Herzensanliegen; die riesige Buche vor ihrem Geschäft gießt sie seit Beginn der Trockenzeit. "Schauen Sie mal", sagt Andrea Ernesti und zeigt nach oben auf die braune Krone des Nachbarbaums. "Die Spitzen sind vertrocknet und völlig kraftlos", beschreibt sie die Folgen der Trockenheit und ergänzt: "Wenn es mal stürmt, fallen hier überall ganze Zweige herunter."

Höchste Zeit also für das Hilfsprojekt von Hugo und Henri. Die beiden quirligen Brüder beeindrucken mit ihrem Naturwissen, das sie im Unterschied zu manchem Experten anschaulich zu vermitteln wissen. Das kommt nicht von ungefähr, denn zu Hause hören die Brüder mit Begeisterung die CDs aus der Kinder-Wissensreihe "Was ist was?", erzählt Anja Schulte. Aber auch im Hort des Kinderzentrums Peter-Fischer-Allee ist die Umwelt ein großes Thema - und schließlich sorgt der Bienenstock im Garten eines Freundes für spannende Einblicke in die Insektenwelt.

Doch zurück zum Projekt und dem dringenden Handlungsbedarf an der Kö: "Die Bäume bräuchten eigentlich so viel Wasser", doziert Henri von seinem Sitz in Mamas Lastenfahrrad aus und deutet auf das volle Wasserglas in seiner Hand. Spricht's, leert das Glas in einem Zug und stellt mit Blick auf die letzten Tropfen am Glasboden fest: "Durch die viele Hitze bleibt ihnen aber nur so wenig übrig." Zwei beherzte Brüder, klare Sprache, klarer Plan: Da ist Hoffnung für die hitzegeplagten Bäume an der Königsteiner. michael Forst

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