Ungewöhnlicher Kreisparteitag der CDU: Spitzenkandidat Nils Kößler spricht im Stadion am Bornheimer Hang zu den Delegierten, die auf der Haupttribüne sitzen - mit coronatauglich ganz viel Abstand. Sie wählten in zur Nummer eins für den Kommunalwahlkampf.
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Ungewöhnlicher Kreisparteitag der CDU: Spitzenkandidat Nils Kößler spricht im Stadion am Bornheimer Hang zu den Delegierten, die auf der Haupttribüne sitzen - mit coronatauglich ganz viel Abstand. Sie wählten in zur Nummer eins für den Kommunalwahlkampf.

Kommunalwahl

Junges Team soll die Frankfurter CDU zu starkem Sieg führen

  • Dennis Pfeiffer-Goldmann
    vonDennis Pfeiffer-Goldmann
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Der Parteitag der Christdemokraten fand wegen Corona im FSV-Stadion statt. Nils Kößler ist Spitzenkandidat.

In der nächsten Römer-Koalition will die CDU eine stärkere Rolle spielen. Dieses Ziel gibt Römer-Fraktionschef Nils Kößler aus. Mit 98,2 Prozent Zustimmung haben ihn die Delegierten beim Kreisparteitag am Sonntag zum Spitzenkandidat für die Kommunalwahl am 14. März gewählt. Der Parteitag war rundherum ein Novum - wegen Corona.

"Hier, Platz zehn." Sara Steinhardt aus dem Gallus hat ihren Sitzplatz auf der Haupttribüne des Stadions am Bornheimer Hang gefunden. Sie will sich aber kein Fußballspiel des FSV anschauen. Sie ist Delegierte beim Kreisparteitag. Mit dem ist die CDU in die Arena umgezogen: Mit viel Abstand und an der frischen Luft ist das Infektionsrisiko minimal.

Das aber hat Folgen, auch für Sara Steinhardt. Nicht nur, weil Maske getragen werden muss. Gatte Nico sitzt zwar neben ihr - aber mit Sicherheitsabstand sechs Plätze weiter. Die knapp 230 Delegierten sind über die gesamte Haupttribüne verteilt.

"CDU ist aktivster Spieler in der Koalition"

"Ich freue mich, dass wir den Parteitag überhaupt stattfinden lassen können", sagt CDU-Kreisvorsitzender Jan Schneider. Das Fußballstadion als Ambiente, "passt doch gut, wenn wir hier unsere Mannschaft und den Spielführer aufstellen". Das Parteitagspräsidium residiert unter einem Pavillon 20 Meter weit draußen auf dem Spielfeld residiert. Als der Parteichef spricht, reißt der böige Wind Blätter vom Tisch, weht sie weit verteilt auf den Rasen. "Das war mein Redemanuskript", kommentiert Schneider den Kladderadatsch. "Das bringt uns fünf bis zehn Minuten."

Die Situation nimmt Nils Kößler auf: Die CDU wolle bei der Wahl "frischen Wind in den Römer bringen". Auf der Bremse stünden SPD und Grüne, die CDU sei "der dynamischste und aktivste Spieler in dieser Koalition". Sie habe zuletzt das Ausweiten von Corona-Tests, das Aufklären der Awo-Affäre und die Zukunft der Paulskirche vorangetrieben. Im Wahlkampf müsse man das herausstellen. "Eine sichere Stadt" verspricht der Spitzenkandidat, genug Arbeitsplätze und soziale Angebote. Seit einem Jahr Fraktionschef, betont er den CDU-Anspruch, Volkspartei zu sein, vom Arbeiter bis zum Unternehmer: "Wir wollen alle mitnehmen, niemanden zurücklassen."

Statt der "Flickschusterei" der Verkehrspolitik der SPD sei "ein Großkonzept nötig, wie die Stadt die Verkehrsströme bewältigt", sagt Kößler. Die CDU wolle die Bürger bei der Wahl des Verkehrsmittels nicht bevormunden, den Nahverkehr ausbauen, die Innenstadt "autoarm, aber nicht autofrei" gestalten. Die Mainkai-Sperrung sei "Volksverdummung", sagt der Fraktionschef: "Ein Symbol nicht für die Verkehrswende, sondern für die Planlosigkeit der aktuellen Verkehrspolitik" der SPD.

"Blender": Kößler kritisiert Feldmann scharf

Mehr Wohnungen müssten gebaut, Familien das Bilden von Wohnungseigentum ermöglicht werden, erklärt Kößler. Unter SPD-Chef Mike Josef als Planungsdezernent seien zuletzt die Zahlen fertiggestellter und genehmigter Wohnungen stark gesunken. Die CDU wolle neben Gesamtschulen auch anderen Schulformen bauen, betont Jan Schneider.

Zum "Anfang vom Ende der Ära Feldmann" müsse die Wahl werden, fordert der CDU-Chef: "Dass sich ein Stadtoberhaupt um sich statt um die Menschen der Stadt kümmert, muss sich schnellstens ändern." Wie SPD-OB Peter Feldmann die Awo-Affäre aussitze und mit kostenlosen Angeboten "Opium fürs Volk" verteile, sei peinlich, findet Nils Kößler: "Unsere Stadt hat eine bessere Politik als die von diesem Blender verdient." Damit die nächste Stadtregierung "mehr zustande bringt, braucht es mehr CDU", sagt der Spitzenkandidat.

Mehr als 30 CDU-Stadtverordnete gibt Jan Schneider als Ziel für den Römer vor, heute sind es 23. Die neue Fraktion wird jünger und weiblicher, zeigen die Namen auf den ersten 40 Listenplätzen. Das Durchschnittsalter sinkt um elf Jahre, die Hälfte sind Frauen - ohne Quote, weil die Kandidatinnen überzeugten, betont der Parteichef. Die Delegierten goutieren den Generationswechsel: Es gibt keine Gegenkandidatur.

Das freut auch Sara Steinhardt. Mit Listenplatz sieben ist sie wohl bald Stadtverordnete. "Freut mich, dass die Partei sieht, wer arbeitet." Wofür sich die Lehrerin einsetzen will im Römer? "Mehr Realschulen bauen." Zuvor kommt noch ihr Sohn zur Welt, Termin nächste Woche. Den besonderen Parteitag wollte sich die Hochschwangere nicht entgehen lassen. Zwar habe das Hallo sagen, das Schwätzchen am Rande gefehlt, sagt Sara Steinhardt. Aber ein Parteitag im Stadion "ist schon sehr cool".

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