+
Erhobenen Hauptes genießen die Harheimer Jungstörche im Nest die Aussicht in 15 Metern Höhe.

In Harheim wächst der erste Nachwuchs seit 1968 heran

Jungstörche sind bald flügge

  • schließen

Nicht nur zwei, sondern gar drei Jungstörche gibt es in diesem Jahr in Frankfurt – der erste Storchennachwuchs im Stadtgebiet seit 48 Jahren. Die Jungvögel gedeihen gut, sehen fast schon aus wie ihre Eltern. Bald heißt es Abschied nehmen: Den Winter verbringen sie in Spanien.

Fast sehen die drei Jungstörche, die vom Nest nahe der Nidda in Harheim hinabschauen, schon aus wie ihre Eltern. Das Storchentypische schwarz-weiße Gefieder haben sie bereits, ihr flauschiges Babykleid haben sie abgelegt. Nur die Schnäbel sind noch etwas kurz und auch ein wenig kleiner als ihre Eltern sind sie noch. „Sie machen auch schon erste Flugversuche oben auf dem Nest. Verlassen werden sie es aber wohl erst in zwei, drei Wochen“, sagt Ingolf Grabow.

Der Vogelschutzbeauftragte des Umweltverbands Nabu beobachtet die Vögel seit sie in Frankfurt einen Nistplatz gesucht haben. „Inzwischen wissen wir, wer einer der Elternteile ist“, sagt Grabow – und sieht sich in der früheren Einschätzung bestätigt, dass die Störche noch jung und unerfahren sind. „Unser beringter Eltern-Storch ist nur zwei Jahre alt. Er ist 2014 in Gelnhausen Meerholz mit drei Geschwistern groß geworden.“ Geboren wurde er also nur 32 Kilometer entfernt. Gespeichert werden die Daten aller beringten Vögel, auch wo sie geboren oder gesichtet wurden, von der „Vogelwarte Helgoland“, dem Institut für Vogelforschung in Wilhelmshafen.

Die Fachliteratur müsse neu geschrieben werden, denn dort sei zu lesen, im fortpflanzungsfähigen Alter seien Störche erst mit drei bis fünf Jahren. „Ich habe auch mit Klaus Hillerich von der Arbeitsgruppe Weißstorchberingung Hessen gesprochen. Er erklärte, in Südhessen seien so junge Storcheneltern nicht ungewöhnlich.“

Ob es sich bei dem beringten Elternteil – der andere trägt keinen Ring – um Papa oder Mama handele, wisse man nicht, sagt Grabow. „Man kann das nur anhand der Größe schätzen, die männlichen Tiere sind ein wenig größer.“ Da der Unterschied aber gering sei, müssten die Tiere dazu direkt nebeneinander und in der richtigen Position stehen.

Dem Nachwuchs geht es unterdessen gut, sagt Grabow. „Sie entwickeln sich recht gut, fressen das Mitgebrachte, putzen sich, machen Fluggymnastik. Und sie sind gut erzogen, denn sie ,entleeren‘ sich über den Nestrand nach draußen.“

Wenn Ende August die ersten Störche in Hessen sich schon wieder samt Nachwuchs auf den Weg ins Winterquartier machen, werden die Frankfurter Störche wohl noch einige Wochen hier verweilen - sind sie doch später geschlüpft als die meisten ihrer Artgenossen.

„Erstmal werden sie gemeinsam mit den Eltern auf Nahrungssuche gehen.“ Denn sie müssen sich stärken für den anstrengenden Flug nach Spanien. „Früher überwinterten die hessischen Störche meist im Senegal in Westafrika. Inzwischen bleiben die meisten den Winter über aber in Spanien. In den Korkeichenwäldern finden sie dort ideale Bedingungen zum Überwintern.“ Dadurch steige die Chance, die Vögel wiederzusehen – denn der Flug ist weniger anstrengend.

Beringt wird der erste Frankfurter Storchennachwuchs seit 1968 nicht, sagt Grabow. Nicht nur weil es längst zu spät ist, denn beringen könne man die Mitte Juni geboren Tiere nur in den ersten zwei Lebenswochen, wenn sie noch ihr Dunenkleid haben. „Sie später zu beringen, könnte sie aufscheuchen, so dass sie sich verletzen. Das wollen wir nicht“, sagt Grabow.

In Harheim gebe es aber auch praktische Gründe, so Grabow. „Das Nest oben auf dem Mast ist so hoch, dass wir mit einem Hubsteiger hinauf müssten.“ Zum einen sei die Störung der Vögel dadurch größer, zum anderen werde das Feld unter dem Nest durch das Fahrzeug zu stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

Auch wenn der Abschied im Spätsommer schwer fallen wird: Vom Anfüttern der Störche, um sie auch im Winter in Frankfurt zu halten wie in Schierstein oder in Gemeinden im Elsass, rät der Vogelschutzexperte ab. „Die Tiere sollen doch wild bleiben, sie sollen keine Haustiere sein.“ Und anders als viele der ähnlich großen Graureiher, die auch im Winter in Deutschland zurecht kommen, finden die Störche nicht selbst ihr Futter.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare