Nach Drogenrazzia

Junker macht Ernst: Dealer fliegen aus Platensiedlung raus

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600 Gramm Haschisch, 25 Gramm Kokain, 33 000 Euro Bargeld, Mobiltelefone, Schreckschusswaffen und gestohlene Fahrräder – die Razzia am vergangenen Wochenende in der Platensiedlung war erfolgreich. Für die Polizei ist dies jedoch nur ein erster Schritt in die richtige Richtung, um die gravierenden Probleme im Quartier zu beheben.

„Der Erfolg zeigt uns ganz klar: Wir haben in den vergangenen Monaten gut gearbeitet und deswegen nicht in den falschen Wohnungen gesucht“, zeigte sich Edgar Ramelow, Leiter des 12. Polizeireviers, nach der Drogenrazzia in der Platensiedlung mehr als zufrieden. Rauschgift, Bargeld und Waffen wurden gefunden. Sechs Wohnungen habe man am vergangenen Dienstagvormittag durchsucht, teilweise mussten sogar die Türen aufgebrochen werden. Diese „Erkennbarkeit“ der Behausungen erleichtert wiederum die Arbeit für Frank Junker, Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG Frankfurt Holding: „Er sieht direkt, welche Familien betroffen sind“, sagt Ramelow.

Denn ABG-Chef Junker macht jetzt Ernst und greift durch. Er will Mieter aus den betreffenden Wohnungen in der Franz-Werfel-Straße werfen. So, wie er es im Frühjahr bereits angekündigt hatte. „Wer in seiner Wohnung illegale Drogen aufbewahrt, anbaut oder verkauft, bekommt den Mietvertrag gekündigt“, sagt er damals im Gespräch mit dieser Zeitung. Rechtlich sei ein solcher Rauswurf möglich, denn es handle sich um eine vertragswidrige Nutzung der Wohnräume.

„Dank des erfolgreichen Polizeieinsatzes haben wir nun eine Grundlage, um gegen die Drogenkriminalität in der Platensiedlung vorzugehen“, sagt Junker. Diese massiven mietrechtlichen Konsequenzen seien wichtig, damit die frühere US-Soldaten-Siedlung „wieder sicher wird und man sich dort wieder wohlfühlt“, sagte er.

Bereits seit Anfang des Jahres steht die Siedlung aus den 1950er Jahren unter genauer Beobachtung der Polizei. In der Silvesternacht brannten dort Mülltonnen, Polizeibeamte wurden angegriffen und sogar am helllichten Tag auf der Straße gedealt. Vier zusätzliche Einsatzkräfte stellte das 12. Polizeirevier deswegen ab. Insgesamt waren es sechs Beamte, die sich ausschließlich um das Problemquartier kümmerten. Möglich war dies nur durch die Unterstützung des Polizeireviers Nord, betont Ramelow. Einen sanften Druck habe man durch die stetige Präsenz ausgeübt, so der Revierleiter. „Jetzt sind wir auf dem Stand, dass eine gesunde Paranoia herrscht“, sagt er.

Das spürt auch Rachid Rawas (SPD), Vorsitzender des Regionalrates Ginnheim sowie stellvertretender Ortsvorsteher. Er war während der Razzia im Nachbarschaftsbüro, wirklich mitbekommen hat er jedoch nichts. „Das lief alles sehr sanft und leise ab. Erst als ich am Nachmittag zurück kam, habe ich eine Unruhe und Aufregung gespürt, die in der Luft lag“, sagt er. Auf der Straße hätten die jungen Erwachsenen gestanden und geredet. Es fielen sogar Sätze wie „Waren Sie bei euch auch?“, erinnert er sich. Deswegen ist Rawas überzeugt: Die Razzia kam zum richtigen Zeitpunkt und könnte ruhig regelmäßig wiederholt werden.

Auch, dass Frank Junker zu seinem Wort steht und den betroffenen Mietern kündigt, findet der Stadtteilpolitiker richtig und wichtig. „Man muss hart durchgreifen, auch wenn man damit in die Schicksale von Familien eingreift. Denn es sind die Kinder, die die Fehler machen, nicht die Eltern. Aber wahrscheinlich begreifen sie nur so, was ihr Nachwuchs so alles treibt“, sagt Rawas. Er hat sogar schon davon gehörte, dass Jugendliche in der Platensiedlung ihre Eltern schlagen sollen. Auch Ortsvorsteher Friedrich Hesse (CDU) unterstützt die Vorgehensweise der ABG. „Ich möchte auch nicht solche Menschen in meiner Wohnung haben“, sagt er.

Trotzdem sind sich die Stadtteilpolitiker einig: Diese Maßnahme alleine reicht nicht aus. „Sozialarbeit kann hier helfen. Schon länger setzen wir uns für Streetworker im Quartier ein“, sagt Rawas. Ihm ist allerdings durchaus bewusst, dass Verbesserungen Zeit brauchen: „Das geht sicher nicht von heute auf morgen, aber wir müssen eben dranbleiben.“

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