Juwelier setzt Räuber mit Pfefferspray schachmatt

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„Geld und Gold“ verlangte der nachlässig gekleidete Mann im August vergangenen Jahres von dem Juwelier und Goldhändler an der Kleinmarkthalle in der Hasengasse.

„Geld und Gold“ verlangte der nachlässig gekleidete Mann im August vergangenen Jahres von dem Juwelier und Goldhändler an der Kleinmarkthalle in der Hasengasse. Doch der Geschäftsmann behielt die Oberhand. Er gab dem Räuber eine Portion Pfefferspray ins Gesicht und ermöglichte so die Festnahme.

Der Prozess gegen den Obdachlosen gestaltete sich gestern vor dem Landgericht zügig: Der mutmaßliche Täter räumte ohne weitere Umschweife den Anklagevorwurf ein. An jenem 18. August war er wieder einmal unterwegs in der Innenstadt. Die Sozialwohnung in Niederursel hatte er vor zehn Tagen aufgegeben und in der Geldbörse herrschte Ebbe. Dazu kamen seit neuester Zeit Auswanderungsgedanken.

Mit dem Geld aus einem Überfall könnte man das Startkapital für eine neue Existenz am Mittelmeer erlangen, dachte sich der recht naive Mann. Denn auch eine so schwerwiegende Straftat will gelernt sein.

Denn als der hagere Räuber jedenfalls in dem kleinen Laden seiner Forderung Ausdruck verlieh, bewahrte der Geschäftsmann Contenance: „Ist das Ihr Ernst?“, fragte er zurück. Der Räuber zeigte ihm daraufhin die Innentasche seiner Jacke, in der ein Messer und eine Dose Pfefferspray verstaut waren. Jetzt reagierte der Juwelier blitzschnell. Er nahm selbst ein Fläschchen Pfefferspray, das er für solch kritische Fälle stets zur Hand hat, und besprühte den ungebetenen Kunden.

Der verlor für einen kurzen Moment den Überblick, taumelte und ließ sich von dem Geschäftsführer festhalten, der zuvor schon über einen Notfallknopf die Polizei alarmiert hatte. Die Festnahme des Räubers war nur mehr eine Formsache.

In dem Prozess zeigte sich, dass der Räuber an diesem Tage Glück hatte, auf einen so unerschrockenen und couragierten Geschäftsmann getroffen zu sein. Bis auf ein etwas flaues Gefühl während der ersten Tage nach dem Vorfall – besonders, wenn Kunden mit geschlossenen Taschen in den Laden kamen – stellten sich nämlich keinerlei psychische Nachwirkungen bei ihm ein. Er steht nach wie vor in seinem kleinen Laden und handelt mit Gold, Juwelen und Schmuck. „Wenn die Folgen massiver gewesen wären, sähe es anders aus“, sagte die Staatsanwältin mit Blick auf manche Opfer, die an Überfällen weit schwerer zu kauen haben und oftmals langfristige professionelle Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Keiner wisse schließlich, wie er auf einen solchen Vorfall reagiere.

Die ansonsten reich verbreitete Beschaffungskriminalität schied bei diesem Raubüberfall hingegen aus. Der Angeklagte hatte zwar in der Vergangenheit ein Drogenproblem, ist jedoch nach eigenen Angaben seit längerer Zeit davon losgekommen. Auch hatte er zum Zeitpunkt des Überfalls nichts getrunken – er machte auf die Anklagevertreterin einen eloquenten, reflektierenden Eindruck. So schieden all diese strafmildernden Gesichtspunkte aus – die Staatsanwältin konnte die ansonsten drohende Mindeststrafe von fünf Jahren nur deshalb auf drei Jahre drücken, weil es beim Versuch geblieben war.

Der Verteidiger legte sich im Strafmaß nicht fest, plädierte aber gleichwohl auf eine milde Strafe. Die 6. Große Strafkammer erbat sich Bedenkzeit und will nun am Freitagvormittag das Urteil bekanntgeben.

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