Pop-Art trifft Waschmaschine: Lounge-Inhaber Münür "Micky" Olca-Schütz (l.) und Roger Schaefer mit Arbeiten des Frankfurter Künstlers Heinz Zimmermann. Ab sofort zu sehen in der Kaiserstraße 26. FOTO: rainer rüffer
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Pop-Art trifft Waschmaschine: Lounge-Inhaber Münür "Micky" Olca-Schütz (l.) und Roger Schaefer mit Arbeiten des Frankfurter Künstlers Heinz Zimmermann. Ab sofort zu sehen in der Kaiserstraße 26.

Frankfurter Geschäftsleben

Kaffee, Cocktails, Kunst im Schleudergang

  • VonSabine Schramek
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In der Experience Lounge im Bahnhofsviertel kann man sogar Kühlschränke ordern

Dass Widersprüchliches wie Rotlichtmilieu, In-Viertel für Kreative und Clubs, und blankes Elend im Bahnhofsviertel zu Hause ist, ist nicht neu. Neu ist allerdings ein Geschäft in der Kaiserstraße, das anscheinend völlig Widersprüchliches vereint. Café, Partylocation, Kunstgalerie und Bar kombiniert mit Waschmaschinen, Kühlschränken und offener Küche.

Waschmaschine überrascht

Treffen sich ein Gastronom und ein Haushaltsgeräte-Händler im Bahnhofsviertel. Was wie ein plumper Witz anfängt, ist eine außergewöhnliche Geschäftsidee geworden. Münür "Micky" Olca-Schütz kann sich ein breites Grinsen hinter der edlen Holztheke mit königsblauen Leuchtleisten nicht verkneifen, wenn Passanten am Eingang zwischen zwei riesigen Olivenbäumen das Gemälde einer Ballerina entdecken, dahinter Pop-Art à la Udo Lindenberg, die nah an Originale kommt. Gemütliche Tische mit Zeitungen aller Art laden die Leute hinter der gläsernen Eingangstür zum Verweilen bei Kaffee und Kuchen ein. Dennoch gehen sie neugierig weiter. Tief in den 35 Meter langen Raum hinein. "Da steht ja eine Waschmaschine", sagt jeder, der zum ersten Mal in die "Haier Experience Lounge" in der Kaiserstraße 26 betritt, erstaunt, bevor er die nächste sieht und sich wundert.

Geschäftsführer Olca-Schütz genießt die verblüfften Blicke sichtlich. Bei jedem Schritt in dem Industriedesign-Raum, der mit warmen Farben und perfektem Licht Kunst Neugierde weckt, gibt es neue Überraschungen. Moderne Ölgemälde des Frankfurter Künstlers Heinz Zimmermann auf antiken Staffeleien, Kaffeeautomaten aus Chrom, Sammeltassen und Taschen. Auf einer gigantischen offenen Kochinsel im hinteren Teil des Raumes duftet es nach Lasagne und Kartoffelsuppe, an den Wänden sind Aquarell-Malereien von Tieren wie zufällig ins Licht gerückt. "Diese Bilder und auch die Ballerina im Schaufenster hat eine 93-jährige Frau gemalt, die im Altersheim wohnt. Der Erlös ihrer Kunst finanziert ihr Leben im Heim", erzählt Olca-Schütz.

Mal was ganz Neues machen

Die Kunst passt ebenso perfekt in den Raum, wie die perfekt integrierten Kühlschränke, Waschmaschinen, Weinkühlschränke und andere Haushaltsgeräte aus Chrom und Titan. Für eine Café-Bar mit Essen sind es ungewöhnlich viele, wenn man genau hinsieht und entdeckt, wie sie in Holzregale- und Schränke eingebaut sind. Sanfte Lounge-Musik klingt über unsichtbare Boxen in den Lichtschienen an der Decke. "Ursprünglich wollte ich mich nach 30 Jahren im Hausgeräte-Geschäft zur Ruhe setzen", sagt Roger Schäfer. "Dann ging Haier 2018 an die Börse und bei einem Abendessen mit Persönlichkeiten von Liebherr kam mir die Idee, etwas ganz Neues zu machen".

Haier ist nicht sehr bekannt. Die Firma wurde 1984 in China gegründet und hatte früh eine Kooperation mit Liebherr. Die zweite Silbe des Namens stammt aus der zweiten Silbe des deutschen Unternehmens. Mittlerweile ist Haier Weltmarktführer, der rasant expandiert. 2016 hat das Unternehmen die Hausgeräte-sparte des amerikanischen Konzerns General Electric gekauft, 2018 die italienische Cany-Gruppe, die zu Hoover gehört.

"Die Marke will auch in Deutschland bekannter werden und wir haben überlegt", so Schäfer. "Als dann immer lauter kritisiert wurde, dass die Innenstädte aussterben, wollten wir etwas dagegen setzen und haben zusammengeschmissen, was uns beiden jeweils besonders wichtig ist", sagt er und schaut auf seinen langjährigen Freund Olca-Schütz, mit dem er früher schon Fußball gespielt hat. Die Möbel hat sich der Gastronom ausgedacht, die Wandfarbe der Haushaltsgeräte-Spezialist. Kunst mögen beide. Musik, Essen und Getränke auch. Ende September war es so weit und Leben füllt das Ambiente, das wie ein völlig neues Konzept eines Gemischtwarenladens für Abwechslung sorgt. Eine kubanische Nacht mit Live-Musik, Zigarrendreherin, Ballerina, Künstlern, jede Menge Essen und Cocktails machte den Auftakt.

Am Samstag wird hier Party gemacht

Seitdem gibt es montags bis samstags zwischen 10 und 21 Uhr und sonntags zwischen 10 und 18 Uhr Kaffee, leckere Kuchen, selbstgemachte Limonade, Bowls, Wein, Cocktails und Zeit zum Abschalten zwischen Kunst und Chrom. Die edlen Kühlschränke, Waschmaschinen und anderen Geräte kommen auch so ohne Druck an den Mann oder die Frau. Partys und Vernissagen gibt es regelmäßig. Die nächste steigt am 16. Oktober. SABINE SCHRAMEK

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