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Das Grundstück am Kaiserlei könnte für Bau des Fernbahntunnels benötigt werden. (Archivbild)

Ein Standort, viele Pläne

Wegen Fernbahntunnel: Muss sich geplante Multifunktionshalle einen neuen Standort suchen? 

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Die an der Stadtgrenze von Frankfurt geplante Multifunktionshalle muss sich vielleicht einen neuen Standort suchen. Der Grund: Der Bau des Fernbahntunnels. 

  • Viele Pläne für Grundstück am Kaiserlei
  • Fernbahntunnel soll bis zum Kaiserlei verlaufen
  • Offenbach plant ein Hochhaus

Frankfurt – Heute soll es also um das Grundstück am Kaiserlei gehen, wenn der Stiftungsrat des Allgemeinen Almosenkastens zusammenkommt. Die mildtätige Stiftung ist Besitzerin des rund 13 000 Quadratmeter großen Areals, das die Stadt Frankfurt ihrem favorisierten Investor, der französischen Holding Lagardère, für eine Multifunktionshalle am Kaiserlei seit Jahren geradezu auf dem Silbertablett anbietet. Die Stadt ging sogar so weit, dem Investor das Baugrundstück unentgeltlich zu offerieren, was teuer für die Steuerzahler geworden wäre, denn die Erbpacht zu marktüblichem Zins, welche die Stiftung Almosenkasten erheben muss, um ihren Stiftungszweck zu erfüllen, hätte dann aus öffentlichen Mitteln bestritten werden müssen. Dazu kam es schließlich nicht, weil es gegen EU-Recht verstoßen hätte.

Seit etlichen Jahren zieht sich die Geschichte von der Idee einer Multifunktionshalle an der Stadtgrenze zu Offenbach. Der von Sport- und Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) zum Bewerber erster Klasse geadelte Investor Lagardère überraschte bislang eher mit Kapricen als mit Tatkraft. Für das mit 130 Millionen Euro veranschlagte Projekt wollte Lagardère ein Bürgschaftsprogramm des Landes Hessen nutzen. Die Stadt Frankfurt hätte sich mit einer Rückbürgschaft an der Absicherung der Finanzierung beteiligen müssen, was gegen die Ausschreibungsrichtlinien verstoßen hätte. Im Spätsommer vergangenen Jahres legte Lagardère ein neues Finanzierungskonzept vor, ohne Bürgschaftsabsicherung.

Frankfurt: Multifunktionshalle am Kaiserlei im Koalitionsvertrag vereinbart

Markus Frank (CDU) freute sich daraufhin öffentlich über "einen guten Tag für Frankfurt". Indessen haben die Stadtverordneten die jüngsten Investitionsplanungen aus dem Hause Lagardère noch nicht zur Kenntnis bekommen. Nicht einmal die Koalitionspartner wissen bis heute Bescheid. Noch im November erklärte Frank, er dürfe vorerst nicht über Details sprechen.

Die Multifunktionshalle ist im Koalitionsvertrag vereinbart. Der Standort Kaiserlei indessen ist dort nicht festgeschrieben.

Frank und Baudezernent Jan Schneider (CDU) stellten nach einer ersten Prüfung des neu vorgelegten Konzeptes immerhin fest, dass "wesentliche Eckpunkte" darin zu den Anforderungen der Stadt passten. Sollten weitere Verhandlungen positiv verlaufen, würde man eine Vorlage erstellen, die dann den Stadtverordneten zur Zustimmung vorgelegt werden solle.

Kaiserlei: Offenbach plant ein Hochhaus

Während man sich in Frankfurt also viel Zeit gönnt in Sachen Realisierung einer Großarena, entwickeln sich an unterschiedlichen Stellen völlig neue Sachverhalte.

Die Stadt Offenbach hat auf ihrem angrenzenden Grund, der für den Hallenbau vonnöten wäre, längst geplant: ein Hochhaus. Die Aussicht auf beträchtliche Gewerbesteuereinnahmen dürfte die Neigung der notorisch klammen Nachbarstadt, das Areal an die Stadt Frankfurt oder ihren Geschäftspartner abzutreten, gering halten. Sorgen macht man sich im Offenbacher Rathaus auch über die mögliche Rückforderung des Bundes über einen Zuschuss von 30 Millionen Euro. Die Förderung hatten die Nachbarn für die Umgestaltung des Kaiserkreisels erhalten - unter der Prämisse, dass das Verkehrsaufkommen dort nicht wachsen dürfe - eine Bedingung, die mit einer Großarena am Kreisel nur schwer einzuhalten sein dürfte.

Frankfurt: Fernbahntunnel soll bis zum Kaiserlei verlaufen

Inzwischen sind noch ganz andere Planungen im Spiel. Als die Konzeption einer Multifunktionshalle vor Jahren an den Start ging, ahnte wohl niemand etwas von einem neuen Fernbahntunnel. Für das mutmaßlich aktuell größte Tunnelbau-Projekt Europas, Investitionsvolumen rund 3,56 Milliarden Euro, meldete das Bundesverkehrsministerium Ende 2018 "vordringlichen Bedarf" an.

Der sieben Kilometer lange zweigleisige Fernbahntunnel soll von Niederrad über den Hauptbahnhof bis zum Kaiserlei verlaufen. Ziel ist es, den Frankfurter Hauptbahnhof zu entlasten, indem man ihn für einen Teil des Fernverkehrs zum Durchgangsbahnhof macht. Das Vorhaben wird vom Bundesministerium eingeordnet als "zentrales Element eines Zukunftskonzepts für den Eisenbahnknoten Frankfurt". Eine Machbarkeitsstudie ist in Gang gesetzt. Das Ergebnis soll im ersten Quartal des kommenden Jahres vorgelegt werden.

Wenn dieser Skizze zufolge der Tunnel am Kaiserlei enden, also dort der neue Schienenweg wieder an die Oberfläche kommen soll, um an das bestehende Schienennetz Anschluss zu finden, stellen sich womöglich ganz neue Fragen und Anforderungen an die Stadt Frankfurt und den Wirtschaftsdezernenten. Zum Beispiel die, ob das Frankfurter Grundstück nicht eher benötigt wird für den Tunnelmund als für eine Arena.

Kaiserlei: Investor verkauft Sportsparte

Neue Verhältnisse gibt es auch beim vom Frankfurter Wirtschaftsdezernenten bevorzugten Investor. Der Medienkonzern Lagardère, ohnehin bislang nie als Immobilienentwickler in Erscheinung getreten, ist gerade dabei, sein Unternehmen neu aufzustellen. Man will sich künftig mehr auf sein Kerngeschäft Lagardère Publishing konzentrieren und sich von seiner Tochter Sport & Entertainment trennen. Der amerikanische Finanzinvestor H.I.G. Capital will 75 Prozent der Tochter für 110 Millionen Euro erwerben. Der Deal soll bis Ende des ersten Quartals dieses Jahres abgeschlossen sein. H.I.G. ist dafür bekannt, Firmen aufzukaufen und zu zerschlagen, um größtmögliche Rendite zu erzielen, eine klassische Heuschrecke also.

Laut von der US-Börse NASDAQ veröffentlichter Zahlen sieht Lagardère zudem einer Abschreibung von rund 210 bis 240 Millionen Euro entgegen, die aus der Auflösung des Vertrags mit dem Afrikanischen Fußballverband stammt. Was den Wert von Lagardère empfindlich drückt.

Kaiserlei: Lagardère-Tochter Langano soll beim Bau der Multifunktionshalle verantwortlich handeln

Beim Frankfurter Hallenbau soll die Lagardère-Tochter Langano verantwortlich handeln, die nach dem Verkauf der Sport & Entertainment-Sparte beim Konzern verbleibt. Im Sportdezernat heißt es, man sehe die sich bereits seit Monaten abzeichnenden und nun konkret werdenden Veränderungen beim Wunsch-Geschäftspartner Lagardère einigermaßen entspannt.

Ein Vertreter von Langano hat sich bislang öffentlich nicht zu dem Hallenbau geäußert oder das Projekt auf Fachausschuss-Ebene vorgestellt. Auf der Homepage von Lagardère sucht man das Vorhaben am Kaiserlei vergebens.

VON SYLVIA A. MENZDORF

Am Kaiserlei zwischen Frankfurt und Offenbach soll eine Veranstaltungshalle gebaut werden. Juristen sehen Probleme. Ein Bekenntnis, die Arena am Kaiserlei bauen zu wollen, legt Frankfurts Sportdezernent Markus Frank (CDU) ab. Andere Nutzungen für die Fläche schließt er aus.

Der Bau wurde jetzt genehmigt: Frankfurt bekommt vier neue Hochhäuser. Sie sollen mitten in der Innenstadt gebaut werden.

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