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Die Golf AG des Riedberg-Gymnaiums beim Training ---> Aufgenommen am 06. Dezember 2012, Golfplatz Am Martinszehnten 6, Frankfurt am Main, Kalbach, Bonames von Christian Christes (FNP)

Stadtteil-Serie (Teil 31)

Kalbach: Belesen und sportlich

In unserer Stadtteil-Serie haben wir diese Woche Kalbach unter die Lupe genommen. Dort hat sich im dörflichen Idyll städtisches Leben etabliert.

Viele haben im Lauf der Jahrhunderte den schönen Ort Kalbach am Rand des Taunus begehrt und ihr Eigen genannt. Darunter das Kloster Fulda, der Kurstaat Mainz und die preußische Provinz Hessen-Nassau. Bekannt gemacht hat Kalbach auch der Leichenzug des Heiligen Bonifatius: Er soll in „Caltenbach“ im Jahr 754 auf seinem Weg nach Fulda Rast gemacht haben.

Während der alte Ortskern beschaulich geblieben ist, sind die Verkehrswege rund um den Stadtteil seit der Eingemeindung zu Frankfurt im Jahr 1972 gewachsen. Mit dem 2004 angesiedelten Frischezentrum (ehemals Großmarkthalle Ostend) und dem Gewerbegebiet „Am Martinszehnten“ ist Kalbach zu einem wichtigen Handelsstandort geworden. Das damit erhöhte Verkehrsaufkommen und die Nähe zu den Autobahnen A 5 und A 661 sorgen für lärmende Blechlawinen im   rund 8500 Einwohner zählenden Stadtteil.

Doch finden sich auch einige idyllische Ecken: Zwischen dem historischen Kern und dem neuen Quartier im Osten, dem Riedberg mit rund 3500 Bewohnern, laden Feldwege und Wiesen zur Erholung ein, schlängelt sich der Kalbach durch den Freizeitpark. Sehr beliebt ist auch der Kastanienhof – die Betreiber offerieren ein großes Angebot für

Therapeutisches Reiten

für behinderte Kinder und Jugendliche. Erst belächelt, dann rege genutzt ist der 2017 von der Metzgerfamilie Kaiser aufgestellte Wurstautomat, der erste der Stadt. Den Literaturpreis „Kalbacher Klapperschlange“ vergibt seit 1988 der Kinderverein, respektive eine Jury aus Kindern und Jugendlichen: Dies war deutschlandweit einmalig. Und wenn die Leute nicht lesen, dann sporteln sie im Sport- und Freizeitzentrum „Am Martinszehnten“. Reporter Ben Kilb hat den durchstreift, den Tradition und Moderne gleichermaßen prägen.

1733 bis 1765 wurde die katholische St. Laurentiuskirche im Bauernbarockstil erbaut. Tiroler Bauleute unter der Leitung des Meisters Christian Fritz hatten das Gebäude über mehrere Jahrzehnte errichtet.

Neben dem Gewerbegebiet „Am Martinszehnten“ befindet sich unter anderem die Kalbacher Driving Range, respektive hat der Golf-Club „Golf Range“ dort sein Domizil. Die Anlage verfügt über 30 freie sowie 22 überdachte Mattenabschlagplätze. Im Winter und abends sorgt eine Flutlichtanlage auch bei Dunkelheit für beste Trainingsbedingungen. Neulinge und erfahrene Golfer können beim Spiel auf der 9-Loch-Anlage den Blick auf die Frankfurter Skyline genießen. Und wer meint, die Trendsportart sei eine überaus teure, der irrt: Hier ist man ab 90 Euro im Monat dabei.

Hamza Özdemir arbeitet im Frischezentrum neben der A 661. Dort bieten rund 110 Lebensmittel- und Spezialitätenhändler, Importeure und regionale Erzeuger auf 23 000 Quadratmetern Waren an. Kunden sind etwa 3000 Hotel- und Restaurantbetreiber, Köche und Gastronomen, Großküchen- und Imbissinhaber, Wochenmarkthändler, Hofläden und Lebensmitteleinzelhändler aus dem Rhein-Main-Gebiet. Betreiber ist eine GmbH, die zu einem Viertel der Stadt Frankfurt gehört und zu zwei Dritteln den Zentrums-Händlern. Der Warenumschlag beträgt jährlich etwa 440 000 Tonnen.

Hannes (10) und Olaf Neidhardt (16) genießen ihre Lektüre in der Bücherei für Kinder und Jugendliche im Alten Rathaus. Der Träger, der Kalbacher Kinderverein, ist ein Grund, warum der Ort auch vielen anderen Kindern im Land ein Begriff ist: Seit dem Jahr 1988 vergibt er mit der „Kalbacher Klapperschlange“ einen undotierten Literaturpreis, über den eine Jury entscheidet, die sich aus Kindern und Jugendlichen im Alter von acht bis 13 Jahren aus Kalbach zusammensetzt. Die „Klapperschlange“ war der erste Jugendliteraturpreis Deutschlands, der von einer reinen Kinderjury vergeben wurde.

Das Alte Rathaus erfüllt gleich vier Funktionen: Es ist Sitz des Bürgerbüros und des Schiedsmannes. Im obersten Stockwerk hat sich der Kinderverein mit seiner Bücherei für Kinder und Jugendliche niedergelassen. Im Bürgerbüro ist zudem das Heimatmuseum angesiedelt, in dem Exponate, Schriftstücke und Infotexte aus der mehr als 1200-jährigen Geschichte Kalbachs ausgestellt werden. Um dem Museum Platz zu bieten, soll nun ein Raum zu einem Museumszimmer umgewandelt werden. Der Ortsbeirat und die Vereine, welche das Rathaus bereits nutzen, müssen den Plänen nur noch zustimmen.

Karin Kaiser steht am Wurstautomat ihres Familienunternehmens in der Kalbacher Hauptstraße. Mittlerweile steht ein weiteres Gerät in der Ernst-Abbe-Straße. Nicht nur die Kalbacher lieben die „Öffnungszeit“ rund um die Uhr.

Der Kalbach mäandert durch den Ort.   1979 war ein Teich in einem Betonbecken angelegt worden. Um ihn vor dem Austrocknen zu schützen, entfernte die Stadt das undichte Betonbecken im vergangenen Jahr und schloss ihn an den natürlichen Bachlauf des Kalbachs an. Viele Bewohner fürchteten, dass der Park damit einen Teil seiner natürlichen Idylle verlieren könnte. Obwohl der Weiher nun Geschichte ist, hat das Areal eine Renaturierung erfahren.

Auf dem Kastanienhof hat sich das Kinderförderzentrum

Therapeutisches Reiten

des Vereins zur Förderung der Integration Behinderter Taunus niedergelassen. Hier werden wöchentlich rund 200 Kinder in verschiedenen Therapien mit Pferden gefördert. Das Reiten ist eine besondere Therapieform, die zur Verbesserung und Linderung psychosozialer Probleme und Störungen sowie bei der Behandlung körperlicher Behinderungen eingesetzt wird. Nirgendwo sonst in Hessen ist das Therapieangebot rund um das Pferd so umfangreich wie auf dem Kalbacher Kastanienhof.

Das Sport- und Freizeitzentrum „Am Martinszehnten“ wurde 1992 nach dreijähriger Bauzeit in Betrieb genommen und war 2009 auch einer der Austragungsorte des Internationalen Deutschen Turnfestes. Auch steigen hier das Down-Sportlerfestival und das Integrative Spiel- und Sportfest des TSV Bonames und des Rollstuhl-Sport-Clubs. Daneben gibt es hier auch ein Restaurant sowie einen Clubraum mit schöner Terrasse und ein Kolleg, das zu mieten ist.

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