Immer wieder werden auf den Feldern von Georg Lang Kartoffeln gestohlen - zuletzt bedienten sich die Diebe aber zu ungeniert. Was Lang besonders ärgert: Sie buddelten die Knollen aus und ließen sie teilweise liegen. Zu viel Sonnenlicht schadet den Kartoffeln.
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Immer wieder werden auf den Feldern von Georg Lang Kartoffeln gestohlen - zuletzt bedienten sich die Diebe aber zu ungeniert. Was Lang besonders ärgert: Sie buddelten die Knollen aus und ließen sie teilweise liegen. Zu viel Sonnenlicht schadet den Kartoffeln.

Kriminell

Kalbach: Dreiste Kartoffel-Diebe hinterlassen ein Feld der Verwüstung

  • Judith Dietermann
    vonJudith Dietermann
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Wiederholungstäter schlagen erneut zu: Nicht zum ersten Mal wurden Kartoffeln von Familie Lang gestohlen.

Kalbach – Es sind nicht viele Spuren, die die dreisten Kartoffeldiebe auf dem 5000 Quadratmeter großen Acker an der Ecke Tal-/ Bonifatiusstraße hinterlassen haben. Lediglich zwei blaue Gummihandschuhe weisen darauf hin: Hier hat kein hungriges Tier die Erdäpfel ausgebuddelt. Es müssen Menschen gewesen sein, die auf rund 20 Quadratmetern die Dämme aufgebuddelt, Kartoffelpflanzen herausgerissen und sich die Taschen mit den Knollen vollgemacht haben.

„Das passiert immer wieder, damit muss man rechnen. Was mich jedoch besonders ärgert, sind die ausgebuddelten Kartoffeln, die einfach auf dem Feld liegen gelassen wurden“, erklärt Georg Lang, Inhaber der „Kartoffelkiste“, der das Kalbacher Familienunternehmen gemeinsam mit seinem Bruder in dritter Generation betreibt. Denn die Kartoffeln, die nun auf und nicht mehr unter der Erde liegen, können die Langs nicht mehr verkaufen. „Kartoffeln sind Nachtschattengewächse und lagen viel zu lange in der Sonne, die Schale ist quasi verbrannt“, sagt Lang, greift in die Erde und zeigt eine rotschalige Kartoffel.

Die Diebe hinterlassen ein Feld der Verwüstung: Laura ist hinüber und nicht mehr genießbar.

Das ist Laura, vorwiegend festkochend, erklärt der Kartoffelbauer. Typisch für Laura ist ihre rotgefärbte Schale. Die kann man jedoch nur noch erahnen, Lauras Schale ist jetzt eher dunkelbraun. Und rau, statt glatt und weich. „Die ist hinüber“, sagt Lang, dreht sich um und greift eine weitere Kartoffel. Marabel, mit einer hellgelben Schale. Eigentlich. Die Sonne hat sie grün verfärbt. „Auch nicht mehr genießbar“, sagt Lang und wirft sie fort.

Wie viele Kilogramm die dreisten Kartoffel-Diebe ausgebuddelt haben, das weiß der 35-Jährige freilich nicht. Ebenso wenig kann er einen Zeitpunkt benennen, wann die Tat geschah. „Ich bin nicht jeden Tag auf dem Feld, es muss irgendwann in der vergangenen Woche passiert sein“, sagt er. Und damit kurz vor Beginn der diesjährigen Ernte, mit der die Langs am Wochenende begonnen haben.

„Ich habe keinerlei Verständnis für eine solche Aktion und kann es auch nicht verstehen. Zumal Kartoffeln ja nicht zu den teuersten Produkten gehören. Aber viele Menschen haben leider mittlerweile den Respekt vor Lebensmitteln verloren“, sagt Georg Lang. Zumal es keine Selbstverständlichkeit sei, dass es in einer Großstadt wie Frankfurt noch eine recht gut funktionierende Landwirtschaft gebe und man die Möglichkeit hätte, frische Produkte von nebenan zu kaufen. Das kann man freilich auch bei der Kartoffelkiste, immer dienstags von 16.30 bis 18.30 Uhr gibt es einen Hofverkauf des Argarbetriebs, Am Bergwerk 1. Neben Erdäpfeln gibt es auch Kürbisse zu kaufen.

Auf frischer Tat ertappt: Georg Lang bringt die Diebe zur Polizei.

Trotz des Kartoffelklaus wird es noch ausreichend Produkte geben, versichert Lang. Zumal es jedes Jahr passiere, dass Erdäpfel ausgebuddelt und Dämme zerstört würden. Wenn auch nicht in dem Maße wie dieses Mal. Einmal, sagt Lang, habe er die Diebe sogar auf frischer Tat ertappt und zur Polizei gebracht. Zur Anzeige sei es wegen des geringen Wertes allerdings nicht gekommen.

Der Diebstahl von Obst und Gemüse sei für alle Landwirte ein leidiges Thema, sagt Georg Lang. Auch Äpfel oder Kirschen würden gerne gestohlen. In den meisten Fällen würden die Täter unerkannt entkommen. Zudem würden die Diebe, vor allem die es auf Kartoffeln abgesehen haben, immer dreister. In manchen Regionen werden sogar ganze Felder abgeräumt. 150 Kilogramm wurden jüngst in Franken ausgebuddelt, 100 Kilogramm im Mandelbachtal im Saarland.

Mengen, die bei Georg Lang glücklicherweise noch nicht verschwunden sind. Trotzdem ärgert es ihn nach wie vor, dass so etwas überhaupt passiert. Zumal er nicht viel machen kann. Einzäunen darf er den Acker nicht, was die Zufahrt mit den Maschinen ohnehin nur erschweren würde. Deswegen könne man lediglich an den gesunden Menschenverstand appellieren. „So etwas tut man einfach nicht“, sagt der Landwirt. (Judith Dietermann)

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