Flauschig: Den zwei Falkenküken Horus und Brokkoli geht es sichtbar gut bei der Familie Lieb. fotos: privat
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Flauschig: Den zwei Falkenküken Horus und Brokkoli geht es sichtbar gut bei der Familie Lieb. fotos: privat

Ersatzeltern für aus dem Nest gefallene Vögel

Kalbach: Gestatten, das sind Horus und Brokkoli

  • Judith Dietermann
    vonJudith Dietermann
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Seit fünf Jahren zieht die Familie Lieb Turmfalken auf

Kalbach -Fünf Jahren nun schon hat die Familie Lieb aus Kalbach gefiederte Untermieter. In einem leerstehenden Elsternnest unter dem Dach des Reihenendhauses hat sich ein Turmfalkenpärchen häuslich eingerichtet. Und ist dort äußerst produktiv. Jedes Jahr gibt es Nachwuchs.

Jedes Jahr wird es aber in dem kleinen Nest unter dem Dach wohl ein wenig eng. Denn stets fällt mindestens ein Küken heraus. Allein drei an der Zahl waren es im ersten Jahr. "Wir waren erst einmal etwas überrascht und wussten nicht so richtig, was wir tun sollten", sagt Thorsten Lieb. Bei dem Hanauer Verein "Wildtierfreunde" habe er schließlich Hilfe bekommen. Ihm wurde erklärt, was die kleinen Falken essen und wie man sie aufpäppelt. Mit Hühnchen und kleinen Mäusen. In einem Falkenkasten auf dem Balkon, direkt unter dem Nest der Eltern, wurden die drei Küken aufgezogen. "Immer wieder kamen die Eltern heruntergeflogen, schauten nach ihrem Nachwuchs und brachten ihnen sogar Nahrung. Es war quasi eine Zwei-Etagenwohnung mit einem Kinderzimmer im Erdgeschoss", erinnert sich Thorsten Lieb. Deswegen sei es wohl auch kein Problem gewesen, dass die drei Falkenküken wieder von ihrer Familie aufgenommen wurden, als sie flügge wurden. Jegliche Gedanken, die sich die Liebs zuvor über das Auswildern machten, waren damit hinfällig.

Jedes Jahr Ersatzeltern

Auch in den Folgejahren spielten Thorsten Lieb, seine Frau und die vier Kinder wieder Ersatzeltern, allerdings nur für jeweils ein Küken. Da war es auch nicht verwunderlich, als Mitte vergangene Woche wieder ein kleiner flauschiger Vogel auf dem Balkon der Familie lag. "Unsere Falken sind eben sehr produktiv", sagt Thorsten Lieb.

Auf den Namen Horus, einen ägyptischen Gott, der als Falke dargestellt wurde, wurde das Falkenküken getauft. Etwas verdutzt habe es geschaut, als es aus dem Nest gefallen sei, sagt Lieb. Unglaublich schnell habe es sich allerdings berappelt und binnen weniger Tage einen großen Appetit entwickelt. Die erste Maus am Stück habe es schon nach wenigen Tagen regelrecht verschlungen.

Horus konnte jedoch nur wenige Tage die volle Aufmerksamkeit der Liebs genießen, denn mittlerweile hat das Küken Gesellschaft bekommen. Ein weiteres seiner Geschwister ist am vergangenen Freitag ebenfalls aus dem Nest geplumpst. Wahrscheinlich schockbedingt habe es am Anfang nicht wirklich essen wollen, sagt Thorsten Lieb, der zunächst sogar befürchtete, ob alles gut geht. Ging es aber. Denn mittlerweile ist der kleine Turmfalke, der von den Kunden der Familie Lieb auf den Namen Brokkoli getauft wurde, putzmunter. "Die zahlreichen Fütterungsversuche und das Vorbild des völlig verfressenen Geschwisterkükens haben erfreulicherweise zu einer Stabilisierung geführt", sagt Lieb. Eine der Elternvögel habe am Montagmorgen bereits auf dem Balkon nach dem Rechten geschaut, wie es dem Nachwuchs geht. Um dann wieder eine Etage höher zu fliegen, denn dort sind schließlich noch drei weitere Küken auf die Versorgung angewiesen.

Fütterung mit der Pinzette

Gefüttert werden die kleinen übrigens mit einer Pinzette, aus den anfänglichen kleinen sind mittlerweile große Stücke geworden. Die Mäuse kauft Thorsten Lieb in einem Tierfachhandel. Tiefgekühlt. "Mittlerweile sind wir richtige Experten. Vom vergangenen Jahr hatten wir noch Reste in der Tiefkühltruhe, so dass wir für Horus sofort etwas da hatten", sagt Lieb und schwärmt von den flauschigen kleine Küken, die zur Nahrungsaufnahme auf seinem Schoß Platz nehmen, den Kopf in die Luft strecken und gierig den Schnabel öffnen.

Drei bis vier Wochen bleiben sie jetzt in ihrem Übergangsquartier auf dem Balkon. Dann unternehmen sie ihre ersten Flugversuche, bei denen sie von ihren Eltern begleitet werden. "Das ist immer ganz großes Kino. Überhaupt macht das Aufziehen riesigen Spaß", sagt Thorsten Lieb, der aber auch weiß, dass es schon bald wieder Abschied nehmen heißt. Denn Turmfalken sind Zugvögel - so genannte Kurzstreckenzieher. Wird das Wetter schlecht, ziehen sie ein wenig weiter, dorthin, wo sie wieder Nahrung finden. Horus und Brokkoli werden sich dann ihren Eltern und Geschwistern anschließen und auf ihre erste große Reise gehen. Judith dietermann

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