Dazwischen liegen 30 Jahre: Jan Schneider (Jahrgang 1981) auf dem Deutz-Schlepper (Jahrgang 1951) seines Großvaters. Auf ihm lernte der Dezernent das Fahren, bewegt den Trecker noch heute ab und zu.
+
Dazwischen liegen 30 Jahre: Jan Schneider (Jahrgang 1981) auf dem Deutz-Schlepper (Jahrgang 1951) seines Großvaters. Auf ihm lernte der Dezernent das Fahren, bewegt den Trecker noch heute ab und zu.

Lieblingsplatz

Kalbach: Hoch auf dem grünen Schlepper durchs Feld

  • Julia Lorenz
    vonJulia Lorenz
    schließen

Wo Frankfurts Baudezernent Jan Schneider als Bub die ersten Fahrversuche unternahmSechs Wochen Sommerferien, die man in der Stadt verbringt, können ganz schön lang werden. Täglich stellen wir deshalb einen Lieblingsort in der Stadt vor. Heute geht es mit CDU-Chef Jan Schneider und seinem Traktor hinaus ins Feld.

Gemächlich tuckert der kleine grüne Traktor, ein Deutz 15 aus dem Baujahr 1951, vorbei an saftig grünen Feldern umringt von riesigen Sonnenblumen. Eine ältere Dame, die dort gerade spazieren geht, wird mit einem Kopfnicken gegrüßt. Am Steuer sitzt aber nicht, wie man vermuten könnte, ein Landwirt oder ein Kandidat für die Fernsehsendung "Bauer sucht Frau", sondern Stadtrat Jan Schneider (CDU), stilsicher mit hellblauem Hemd und Jeans. An diesem sonnigen Sommertag will er uns seinen Lieblingsort zeigen.

"Das ist er", sagt der 39-Jährige und zeigt auf die Felder zwischen Kalbach und dem Riedberg. Am Horizont sind der Ginnheimer Spargel und der Feldberg zu sehen. "Hier verbringe ich viel Zeit", sagt Schneider. In den Feldern geht er joggen, Rad fahren oder einfach nur mit seiner Frau und den drei Kindern spazieren. "Der Ort hat einfach viel Charme." Man sei mitten in der Natur, mit dem Blick auf die Skyline fühle man sich der Stadt aber ganz nah.

"Und an diesen Ort habe ich viele Kindheitserinnerungen", sagt Schneider. So habe er dort als kleiner Junge auf dem Schoß seines Großvaters das Traktorfahren gelernt. "Mein Opa hatte hier 30 Hektar Land und einen Bauernhof im alten Ortskern von Kalbach", erzählt der Stadtrat. Der Deutz, auf dem er sitzt, war der erste Traktor seines Großvaters. Jetzt ist er im Besitz Schneiders und steht in seiner Garage.

Jan Schneider ist in Kalbach aufgewachsen, wo er auch heute noch mit seiner Frau und den Kindern lebt. Gerade erst sind sie in ein neues Haus umgezogen, nur einige Straßenecken vom alten Heim entfernt. Auch die Felder zwischen Kalbach und Riedberg sind gleich ums Eck.

Seit 1999 ist Schneider Mitglied in der CDU. Über eine Bürgerinitiative ist er dort gelandet. Anlass war damals die Bebauung des Riedbergs. Für die Kalbacher war die Vorstellung, ihre Felder, ihr Naherholungsgebiet, könnten mit sechsgeschossigen Bauten zubetoniert werden, schrecklich. "Wir haben zwar nicht verhindert, dass gebaut wird, aber wir haben erreicht, dass die Art der Bebauung verändert wird", sagt Schneider, während er auf einer Bank am Feldrand sitzt mit Blick auf den Kätcheslachweiher.

"Es gab schon Überlegungen, diese Baulücke zwischen Kalbach und Riedberg zu schließen", erzählt der Christdemokrat. Von den Plänen hat man aber Abstand genommen, weil das Areal auch Landschaftsschutzgebiet ist. "Für die Kalbacher und Riedberger war das ein Glück", so Schneider. An den Wochenenden sei in den Feldern richtig viel los. "Das ist unser Naherholungsgebiet."

2001 wurde der studierte Jurist in den Ortsbeirat Kalbach-Riedberg gewählt. 2006 zog er erstmals ins Stadtparlament ein. Anfang 2012 rückte er für die zurückgetretene Gudrun Osterburg in den hessischen Landtag nach. Seit gut sechseinhalb Jahren ist er nun schon Stadtrat. Seine Wahl damals war umstritten, war doch manch einer im Römer der Meinung, ein Dezernent für Reformen und IT sei überflüssig. Seit 2016 ist er außerdem für Bau und Immobilien zuständig. Auch der Bürgerservice gehört zu seinem Ressort. Schneider ist aber nicht nur Stadtrat, seit drei Jahren führt er auch die Frankfurter CDU an. Trotz all dieser Aufgaben bleibt dem Familienvater immer wieder Zeit, eine Runde durch die Felder zu drehen. Gerade jetzt während der Corona-Pandemie, wo viele Veranstaltungen abgesagt wurden. Mit dem Traktor geht es dann zurück nach Kalbach. Immer wieder bleiben Spaziergänger stehen, grüßen. Vor allem Kinder strahlen beim Anblick des Deutz'. "Wenn ich für jedes Paar strahlender Kinderaugen einen Euro verlangen würde, wäre ich ein gemachter Mann", scherzt Schneider. Und fügt nach einer kurzen Pause hinzu: "Wenn ich irgendwann als Stadtrat abgewählt werde, biete ich einfach Traktorfahrten für Kinder an." Natürlich in den Feldern zwischen Kalbach und Riedberg . . . julia lorenz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare