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Das Provisorium für die neue Integrierte Gesamtschule an der Carl-Hermann-Rudloff-Allee besteht aus 90 Holzmodulen, die bei Bedarf noch erweitert werden können.

Ortsbeirat und Eltern kritisieren Planungen

IGS Kalbach-Riedberg: Neue Schule ist zu klein

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Schon im nächsten Sommer sollen in der neuen IGS Kalbach-Riedberg bis zu 108 Fünftklässler in vier Klassen unterrichtet werden. Der Ortsbeirat ist vom pädagogischen Konzept überzeugt, kritisiert jedoch die großen Klassen sowie den Start in einem Provisorium.

Auch wenn sich die Mitglieder des Ortsbeirates 12 (Kalbach, Riedberg) freuen, dass es mit der ab dem kommenden Schuljahr an den Start gehenden Integrierten Gesamtschule (IGS) Kalbach-Riedberg eine weitere weiterführende Schule auf dem Riedberg gibt, so hagelt es auch Kritik. Das wurde in der Sitzung des Stadtteilparlamentes am Freitagabend einmal mehr deutlich, als die Planungsgruppe für die neue IGS das pädagogische Konzept sowie den aktuellen Baufortschritt des Provisoriums aus 90 Holzmodulen an der Carl-Hermann-Rudloff-Allee vorstellte.

27 Schüler pro Klasse sollen künftig in der IGS mit dem Schwerpunkt Sprache und Kommunikation unterrichtet werden. Bis zu 25 Prozent Schüler mit Sprachheilbedarf können aufgenommen werden. Sie wurden bislang an der Weißfrauenschule unterrichtet. Für Susanne Kassold, Fraktionsvorsitzende der SPD, ist die Klassengröße „in der Summe zu hoch“. Vor allem wenn man bedenke, dass einige der Schüler intensiver betreut werden müssten. „Als ich als Elternbeirätin an der Ernst-Reuter-Schule tätig war, gab es Klassen mit 22 Kindern, davon waren fünf Inklusivschüler. Schon das war zu viel“, sagt sie. Für Dr. Susanne Gölitzer, Leiterin der Konzeptgruppe für die neue IGS, nicht zu viel. „Verglichen mit anderen Schulen in Frankfurt sind die Klassen nicht zu groß. Ich arbeite seit neun Jahren mit dieser Schülerzahl an einer IGS. Das funktioniert“, betont sie zudem, dass es die Möglichkeit gibt, die Zahl auf 25 zu verkleinern. Wenn ein entsprechender Antrag gestellt wird.

Die IGS Kalbach-Riedberg wird neben ihrem Schwerpunkt Sprache auch verstärkt Auslandskontakte pflegen sowie vermehrt Projektlernen anbieten. „In unserer Kombination, vor allem mit dem Schwerpunkt Sprache, sind wir nicht nur einzigartig in ganz Frankfurt, sondern in ganz Hessen“, so Gölitzer, die einmal mehr die Vorteile einer Integrierten Gesamtschule hervorhob. So gibt es kein Sitzenbleiben, keine Trennung von Leistungsgruppen, Lehrer, die ihre Schüler über mehrere Jahre begleiten sowie Heterogenität und Vielfalt. In der Regel gebe es nur sehr wenige Kinder, die eine IGS ohne Schulabschluss verlassen. „Das sind vielleicht zwei von 100 Schülern. Zudem besuchen 70 Prozent der Jugendlichen anschließend eine Oberstufe“, weiß Gölitzer.

Dafür müssen sie allerdings die Schule wechseln, denn eine Oberstufe wird es an der neuen IGS nicht geben. „Es ist schade, dass das nicht mitgeplant wurde. Zudem ist es skandalös, dass schon wieder Schüler in einem Provisorium unterrichtet werden müssen“, kritisierte Thorsten Lieb (FDP). Dieses Provisorium ist soweit fertig, aber noch nicht ans Stadtschulamt übergeben. Zwei Jahrgangsstufen haben dort Platz, es könnte erweitert werden. Weil der Umzug in das eigentliche Gebäude an der Gräfin-Dönhoff-Straße noch drei Jahre dauern kann. „Wir denken alle über einen dritten Jahrgang nach. Die Erweiterung durch Holzmodule geht aber wirklich schnell“, beruhigte Laura Franzen vom Stadtschulamt.

Dass die neue IGS, ganz abgesehen von der fehlenden Oberstufe, ohnehin zu klein sei, das rechnete der CDU-Fraktionsvorsitzende Stefan Müller vor. „1100 Grundschüler haben wir im Stadtteil, 225 wechseln jedes Jahr in die fünfte Klasse. 150 Plätze haben wir im Gymnasium, 100 auf der neuen IGS. Davon sind aber 25 Prozent für Inklusionsschüler. Damit ist klar: Nicht alle Schüler können im Stadtteil bleiben“, war er verärgert. Unterstützung bekam er von den anwesenden Eltern. „Seit zwei Jahren habe ich schlaflose Nächte, weil ich nicht weiß, wohin ich meine Kinder schicken soll. Durch die viel zu kleine IGS fühle ich mich auf den Arm genommen“, klagte eine Mutter.

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