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Kaleidoskopdes Krimskrams

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Von: Alexandra Flieth

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Gerhard Lienemeyer und sein Wimmelbild auf der Kunstsäule. Über seiner rechten Hand, die von ihm entworfene Kästner-Briefmarke mit dem typischen gelben Titel von "Emil und Detektive". FOTO: hamerski
Gerhard Lienemeyer und sein Wimmelbild auf der Kunstsäule. Über seiner rechten Hand, die von ihm entworfene Kästner-Briefmarke mit dem typischen gelben Titel von "Emil und Detektive". © sauda

Frankfurter Kunstsäule neu bestückt

Gerhard Lienemeyer wirft einen Blick auf die Frankfurter Kunstsäule unweit des Brückenspielplatzes, auf der aktuell eine seiner Arbeiten zu sehen ist. "Revison. Erinnerung an die verlorenen Dinge" ist die Schau überschrieben, mit der die Ausstellungsreihe auf der Litfaßsäule nach einer Winterpause fortgesetzt wird. Trotz Schneefalls und kühler Temperaturen ließen es sich jetzt mehr als 40 Kunstinteressierte nicht nehmen, zur Eröffnung im Freien zu kommen.

Premiere vor fünf Jahren

Die Kuratoren Florian Koch und Daniel Hartlaub, die das Projekt Frankfurter Kunstsäule vor gut fünf Jahren erstmals initiiert haben, hätten sich zwar für den Start in die neue Saison besseres Wetter gewünscht - doch auch ohne Sonnenschein ist überall gute Laune zu spüren. Vor allem bei Gerhard Lienemeyer, der sich sichtlich über das rege Interesse an seiner künstlerischen Arbeit freut. Dreimal jährlich wird die Säule neu gestaltet, der einstige Werbeträger damit zu einem Ort der Kunst gemacht.

Die "verlorenen Dinge", auf die sich der Titel der aktuellen Ausstellung bezieht, zeigen sich auf dem fotografischen Werk Lienemeyers als Gegenstände ganz unterschiedlicher Art - ein Kaleidoskop des Krimskrams, Erinnerungen aus seinem Leben: "Es ist nicht nur die Vergangenheit, sondern auch Gegenwart und Zukunft, die darauf abgebildet sind", beschreibt es der Künstler, der 1936 in Bielefeld geboren wurde. Jedes auf der Arbeit zu sehende Objekt habe seine eigene Geschichte, doch nicht immer wisse er noch, wie die Gegenstände zu ihm gekommen seien. "Es sind Dinge, die sich in den vergangenen Jahren in meinem Atelier in Offenbach angesammelt haben", erzählt er.

Wie etwa ein Souvenir-Heft mit kleinen Abbildungen von Paris, die sich in einem roten Schutzumschlag befinden. "Das habe ich mal von einer guten Freundin geschenkt bekommen", sagt er auf Nachfrage. Bis man das Objekt auf dem Werk an der Kunstsäule gefunden hat, begibt sich der Betrachter mit den Augen auf eine Entdeckungsreise, stoppt an einem geschnitzten Brieföffner mit dem Konterfei von Napoleon I., bei Zinnfiguren in Form von Giraffen, Flaschenöffnern, Knöpfen, Münzen, Stiften oder einem Taschenmesser.

Wie ein Wimmelbild

Kurator Florian Koch vergleicht diese Arbeit von Gerhard Lienemeyer mit einem Wimmelbild, das neben einer Fülle von skurrilen Alltagsgegenständen auch allerhand Glücksversprechungen enthalte. Er verweist auf die Abbildung einer Kandidaten-Karte für eine Lotterie oder auf eine letzte Aufforderung zum Gewinnabruf.

Es sei der Glaube an die Verheißung und an den Wunsch nach einer Rückkehr zum ganz Alltäglichen, die in dem Werk zum Ausdruck kommen würden - eben genau das Gefühl, was viele Menschen derzeit empfänden und was die Arbeit des Grafikers so besonders und aktuell mache.

Lienemeyer ist kein Unbekannter, denn er zählt zu den einflussreichsten Gestaltern von Briefmarken in Deutschland. Für die Deutsche Post hat er gut 25 Sondermarken entworfen und bei zahlreichen Gestaltungswettbewerben mitgemacht. Einige seiner realisierten Entwürfe sind nun ebenfalls auf dem Werk an der Kunstsäule abgebildet. Zu den bekanntesten zählt etwa die Sondermarke zum 100. Geburtstag von Erich Kästner (1999).

Emil und die Detektive

Entworfen habe er diese noch mit einem anderen postalischen Wert, als sie letztlich erschienen sei, erzählt der Grafiker. Die Marke, die auf der Säule zu sehen ist, trägt die Chiffren 110 - ein Verweis auf den Wert von 1,10 Mark. Die Grundlage der grafischen Bildauffassung dieser Marke bildet das Buchcover von Kästners Klassiker "Emil und die Detektive" - einst gestaltet vom Illustrator Walter Trier. "Herausgebracht wurde die Briefmarke von der Deutschen Post dann aber mit einem Wert von 300, also 3 Mark", sagt Lienemeyer, der erneut einen Blick auf seine fotografische Arbeit wirft - fast scheint es so, als ob er selbst immer wieder etwas Neues hierauf entdecken würde, an das er schon lange nicht mehr gedacht habe. Lienemeyers Werk kann ist bis zum 23. Juni besichtigt werden. Alexandra Flieth

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