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Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (von links), Gert Stahnke, Leiter des Straßenverkehrsamts, und VGF-Geschäftsführer Michael Rüffer zeigen eines der neuen Plakate.

Sicherheit im Straßenverkehr

Kampagne in Frankfurt: Provozierende Plakate sollen "Smombies" Augen öffnen

Mit provozierenden Botschaften wollen VGF und Straßenverkehrsamt für mehr Sicherheit sorgen. Dabei haben sie vor allem diejenigen im Auge, die sich durch Handys und Kopfhörer vom Großstadtverkehr ablenken lassen. Aber nicht nur.

Als der U-Bahn-Fahrer bei der Einfahrt in die Station die beiden Jungen auf dem Bahnsteig sieht, beschleicht ihn ein ungutes Gefühl. Die beiden schubsen sich, keiner achtet auf die nahende Bahn. Plötzlich stürzt einer der Jungen auf die Gleise. Der Fahrer bremst sofort – und registriert ein dumpfes „wupp-wupp“, als sein Zug irgendetwas überfährt. Zum Glück, sagt Michael Rüffer, Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF), habe der Junge diesen Vorfall an der Fritz-Tarnow-Straße unverletzt überstanden, weil er sich in einen Hohlraum neben den Gleisen gedrückt habe. Zudem half wohl auch die rasche Reaktion des Fahrers. Nur der Rucksack des Jungen sei überrollt worden.

Rüffer erzählt diese Geschichte zum Auftakt einer neuen Kampagne für mehr Verkehrssicherheit, die VGF und Straßenverkehrsamt am gestrigen Donnerstag vorstellt haben. Mit düsteren Plakaten wollen sie für mehr Aufmerksamkeit im Straßenverkehr werben – und zwar nicht nur bei Kindern und Jugendlichen, sondern bei allen Verkehrsteilnehmern. Laut Polizeistatistik zählen – neben Alkohol am Steuer – das Überqueren von Straßen und Gleisen bei Rotlicht und das Starren aufs Mobiltelefon zu den häufigsten Unfallursachen. Wie bei jenem Crash vor drei Wochen an der Borsigallee, als eine 19-jährige Autofahrerin ihr Handy benutzte und dadurch offenbar so abgelenkt wurde, dass sie gegen eine U-Bahn prallte.

Von nächster Woche an sollen die pechschwarzen Plakate mit den in weißer Schrift gedruckten Textbotschaften im ganzen Stadtgebiet hängen. Auch Clips auf den Displays der Fahrscheinautomaten und auf den Infoscreen-Bildschirmen in Bahnstationen sind vorgesehen. „Was macht ein Typ, der abgelenkt durch seine Kopfhörer, bei Rot über die Gleise geht? Den letzten Zug!“ heißt es darauf. Oder: „Das Kreuzen meiner Gleise wird dich was kosten. Dein Leben!“

Damit wolle man „die Aufmerksamkeit für das Thema schärfen“, sagt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). „Man muss gewisse Reize setzen, damit man bemerkt wird“, bestätigt Gert Stahnke, Leiter des Straßenverkehrsamts. „Wir hoffen, damit zu provozieren, zu schockieren und die Menschen zum Nachdenken zu bringen“, so VGF-Sprecher Bernd Conrads.

Unterschrieben sind die Plakate mit „Dein Großstadtverkehr“. Schließlich, erklärt Rüffer, wolle man keine direkte Schuldzuweisung betreiben, sondern allgemein auf die Gefahren aufmerksam machen – besonders bei Missachtung der Regeln. Bei Unfällen mit U- und Straßenbahnen seien 2016 zwei Fußgänger gestorben. Sie hätten die Gleise bei Rot überquert. Außerdem seien elf Radfahrer und Fußgänger zum Teil schwer verletzt worden. Solche Vorfälle machten auch den betroffenen U- und Straßenbahnfahrern zu schaffen, sagt der VGF-Geschäftsführer: „Manche können danach nicht mehr fahren.“ Umso wichtiger seien Kampagnen wie diese.

Von deren Wirksamkeit ist auch Rainer Michaelis, Leiter der Abteilung Verkehrssicherheit beim Straßenverkehrsamt, überzeugt. Von Januar bis August hätten sich 16 Prozent weniger Unfälle mit Fußgängern ereignet als im selben Zeitraum 2016, sagt er: „Das ist ein Stück weit der Erfolg der Tätigkeit, die wir hier betreiben.“

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