„Und mit reichem, vollem Schwalle aus dem Keller sich ergieße“, ließen sich frei nach Goethe solche Pumpaktionen nach starkem Regen beschreiben.
+
„Und mit reichem, vollem Schwalle aus dem Keller sich ergieße“, ließen sich frei nach Goethe solche Pumpaktionen nach starkem Regen beschreiben.

Überschwemmung

Frankfurt: Kanäle können Wassermassen nicht fassen – mehr Starkregen durch Klimawandel

  • vonFriedrich Reinhardt
    schließen

Im Stadtteil Frankfurter Berg laufen wiederholt Keller mit Wasser voll. Die Stadt Frankfurt sieht die Verantwortung bei den Grundstückseigentümern.

Frankfurt - Nachdem im August 2020 im Holunderweg nach dem Starkregen wieder Wasser in Kellern stand, rückten die Wasserkanäle in den Blick. Sind sie zu klein dimensioniert, um für die häufiger auftretenden Starkregenereignisse gewappnet zu sein, die der Klimawandel mit sich bringt? „Die Keller waren bis zu 50 Zentimeter überflutet“, erzählte damals Eberhard Centner, ein Anwohner des Holunderwegs. Es sei bereits der fünfte Starkregen in sieben Jahren gewesen. Und zum zweiten Mal lief Wasser in die Keller. „Es sind enorme Schäden, wir waren alle wochenlang beschäftigt.“

Die Stadt kündigte daraufhin zwei Untersuchungen an. Zum einen will sie überprüfen, ob die Kanäle ausreichend dimensioniert sind. Zum anderen hat die Stadtentwässerung die Stärke der Regenfälle gemessen und abgeschätzt, wie groß die versiegelte Fläche ist, von der der Niederschlag in den Kanal geleitet wird. So könnte ein Zusammenhang zwischen Flächenversiegelung und Überschwemmungen erkannt werden. Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen, erste Ergebnisse zeichneten sich aber bereits ab, wie die Stadt nun mitteilte.

Frankfurt: Stadt rechnet mit mehr Starkregen durch Klimawandel – Känale sind nicht darauf ausgelegt

„Die ersten Ergebnisse dieser Berechnung zeigen, dass das Kanalnetz am Frankfurter Berg hydraulisch ausreichend leistungsfähig ist, auch im Hinblick auf zukünftige Entwicklungen. Maßnahmen am Kanalnetz werden nicht oder nur in geringem Maß erforderlich“, heißt es in einer Stellungnahme des Magistrats. Bei den Berechnungen seien „alle geplanten Erschließungsgebiete und größeren Bauvorhaben“ berücksichtigt worden. Die Stadt räumt aber ein, dass die Kanäle für Regenereignisse ausgelegt seien, die statistisch nur alle zwei bis fünf Jahre in dieser Stärke auftreten. „Bei seltenen Starkregen kommt es daher planmäßig zum Abfluss auf der Oberfläche und zum Rückstau in die Grundstücksentwässerungsanlagen.“

Es liege damit in der Verantwortung der Grundstückseigentümer, ihre Gebäude gegen solche Rückstaus aus dem Kanal zu schützen oder davor, dass Regenwasser über Lichtschächte oder Kellereingänge ins Gebäude eindringt.

Dabei geht die Stadt davon aus, „dass aufgrund des Klimawandels lokale Starkregen häufiger und stärker auftreten“. Statistisch könne dies bislang noch nicht nachgewiesen werden. „Dennoch kann es lokal zu Häufungen kommen.“ Den Grundstückseigentümern legt die Stadt daher nahe, private Kanäle zu reparieren, wenn sie beschädigt sind und Sicherungen gegen Rückstaus aus dem Kanal zu überprüfen. „Darüber hinaus ist die Entsiegelung etwa von Vorgärten immer sinnvoll, da es dadurch zu weniger Abfluss auf der Oberfläche bei Starkregen kommt“, schreibt der Magistrat.

Mehr Starkregen in Frankfurt: Auffangmulden und Notwasserwege zur Entlastung der Kanäle

Die Stadt ihrerseits könne Straßen, Bordsteine und Grünflächen auf die erwarteten Starkregenereignisse anpassen, etwa indem sie Auffangmulden auf Wiesen schafft oder Notwasserwege, die das Regenwasser zu Orten lenken, an dem es keinen Schaden anrichtet.

Um Anwohnern zu helfen, die Gefahr für ihre Grundstücke einzuschätzen, erstellt das Umweltamt derzeit eine stadtweite Starkregenkarte. Diese soll anzeigen, welche Orte wie stark gefährdet sind. (Friedrich Reinhardt)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare